WDR Stichprobe: Erstberatung Pflege-Tipps

Eine Krankenschwester hält die Hand einer Bewohnerin eines Pflegeheims

WDR Stichprobe: Erstberatung Pflege-Tipps

Von Barbara Claesges und Inga Thiede

  • Viele kostenfreie Beratungsangebote
  • Beratungsstellen vor Ort mit konkreten Tipps und Hilfen
  • Anspruch auf Beratung

Pflegekassen der Krankenversicherungen

Erste Anlaufstelle ist die Pflegekasse des Betroffenen. Die ist immer an die Krankenkasse angeschlossen, bei der der oder die Betroffene versichert ist. Die Kranken- bzw. Pflegekassen informieren über Verfahren und Leistungen der Pflegeversicherung. Außerdem muss hier der Antrag auf einen Pflegegrad gestellt werden. Erst dann wird der Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende dann mögliche Leistungen aus der Pflegeversicherungen stehen. Ab dem Tag, an dem der Antrag gestellt wird, gibt es auch eventuell rückwirkend Leistungen aus der Pflegeversicherung. Den Antrag kann man auch erstmal formlos stellen - per Mail, Brief oder Anruf. Den Anruf können auch die Angehörigen übernehmen. Dazu brauchen sie nur die Versicherten-Nummer des Betroffenen.

Pflegestützpunkte und kommunale Beratungsstellen

In den Städten und Kreisen in NRW gibt es Pflegestützpunkte und kommunale Beratungsstellen. Die Träger und Bezeichnungen sind oft unterschiedlich, die Funktion ist dieselbe: Sie sollen Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen helfen. Diese Beratungsstellen sollten auch Tipps zu konkreten Hilfsangeboten vor Ort geben. Zu finden sind die einzelnen Stellen über zentrale Listen im Internet. Im Zweifelsfall hilft auch ein Anruf bei der eigenen Kommune.

Wohlfahrtsorganisationen und Pflegedienste

Die großen Wohlfahrtsorganisationen wie Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, Caritas oder Diakonie beraten vielerorts zum Thema Pflege. Teilweise sind sie auch in die kommunalen Beratungsstellen mit einbezogen.

Zentrale Beratungshotlines

Es gibt eine Reihe von zentralen Beratungshotlines verschiedener Institutionen. So zum Beispiel beim Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums eine Abteilung zum Thema Pflegeversicherung. Auch das Bundesministerium für Familie will mit einem Pflegetelefon schnelle Hilfe für Angehörige bieten. Ein weiteres zentrales Beratungsangebot bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD).

Pflegeberatungscheck - Pflegetipps

WDR 2 Servicezeit | 07.11.2017 | 02:56 Min.

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Pflegeberatungscheck - Pflegeergebnisse

WDR 2 Servicezeit | 07.11.2017 | 03:06 Min.

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Private Pflegeberater

Neben diesen kostenfreien Angeboten gibt es auch private Pflegeberater. Die sind in der Regel kostenpflichtig. Zum Teil arbeiten sie auf Erfolgsbasis. Für notwendig hält Verena Querling von der Verbraucherzentrale NRW dieses Angebot erstmal nicht: "Nach unserer Ansicht sind die nicht erforderlich. Die kommunalen und offiziellen Pflegeberatungsstellen der Krankenkassen erfüllen diesen Zweck sehr gut, Wohlfahrtsverbände auch."

Beratung als Leistung der Pflegeversicherung

Das Recht, sich zu informieren, haben Betroffene und Angehörige immer. Genauso wie Menschen, die sich im Vorfeld Gedanken um eine mögliche Pflegebedürftigkeit machen. Ab der Antragstellung für einen Pflegegrad bei der Pflegekasse haben Angehörige und Betroffene zudem einen Rechtsanspruch auf eine Beratung (§ 7a SGB XI). Falls notwendig, kann diese auch bei den Betroffenen zuhause stattfinden. Zudem ist ab Pflegegrad 2 eine begleitende Beratung Pflicht, wenn der Betroffene zuhause gepflegt wird.

Tipps

  • Wichtig - sich früh Rat und Hilfe zu suchen: Schon parallel zur Antragsstellung bei der Pflegekasse sollten Betroffene oder deren Angehörige sich beraten lassen. Die Beratung hilft auch bei der Vorbereitung auf den Besuch des Medizinischen Dienstes. Und diese Vorbereitung ist wichtig. So sollte beispielsweise ein Pflegetagebuch geführt werden, in dem steht, bei welchen Tätigkeiten im Alltag der Betroffene Hilfe braucht.
  • Infos aus dem Netz: Viele Informationen finden Ratsuchende im Internet, zum Beispiel auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums. Das bietet auch eine Reihe von Broschüren. Auch die Verbraucherzentralen haben hilfreiche Informationen und Tipps zusammengestellt.
  • Notfalls bei mehreren Stellen informieren: Betroffene und Angehörige können das Informationsangebot verschiedener Stellen in Anspruch nehmen. Bleiben im ersten Anlauf Fragen offen, können Ratsuchende auch weitere Termine vereinbaren oder bei andere Beratungsstellen anfragen.
  • Neutralität der Beratung: Wichtiges Kriterium für eine gute Beratung ist deren Neutralität. So sollten beispielsweise Pflegedienste, die Betroffene oder Angehörige beraten, nicht zum Abschluss von Verträgen drängen.

Stand: 07.11.2017, 00:05