Notfalldose im Kühlschrank kann Leben retten

Notfalldose im Kühlschrank kann Leben retten

Von Nina Magoley

  • Notfalldose steht im Kühlschrank neben Eiern, Butter oder Milch
  • Enthaltene Infos ermöglichen Rettungsdiensten schnelles Handeln
  • Verbreitung startet erst allmählich

Ein typisches Szenario: Die Rettungssanitäter haben einen Notruf bekommen. In der Wohnung angekommen, finden sie eine ältere Frau vor, die mittlerweile kaum noch ansprechbar ist. Nun gilt es, blitzschnell herauszufinden, was der Patientin fehlt. Der anwesende Ehemann ist zu aufgeregt, um Genaueres zum Gesundheitszustand seiner Frau zu sagen.

Schnelle Infos helfen den Rettern

"In solchen Fällen kann die Notfalldose äußerst hilfreich für uns sein", sagt Tobias Eilers, Sprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe NRW. So könnten die Rettungshelfer zum Beispiel schnell erfahren, dass die Frau Diabetikerin ist und gerade in ein Koma abgleitet.

Notfalldose

Das komplette Set mit Fragebogen und Aufklebern

Groß wie eine Getränkedose, kann die Notfalldose in jedem Kühlschrank stehen - ein zentraler Ort, den es in so gut wie jedem Haushalt gibt. Auf einem Fragebogen sind dort alle relevanten Informationen des Bewohners eingetragen: Hausarzt, Angehörigenkontakte, Allergien, chronische Krankheiten, regelmäßig eingenommene Medikamente.

"Erkenntisvorsprung gleich Zeitvorsprung"

Die Rettungsdienste wie Johanniter, Malteser oder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) halten die Idee durchweg für sinnvoll. Als Container für lebenswichtige Infos könne diese Plastikdose "nicht streiken und nicht gehackt werden", sagt Eilers, Batterieverlust sei ebenfalls nicht zu befürchten. Und: "Erkenntnisvorsprung bedeutet im Notfall Zeitvorsprung."

Gut für ältere Alleinstehende

Ein Rettungssanitäter bereitet sich auf seinen Einsatz vor

Schneller handeln mit mehr Infos: Rettungshelfer

Vor allem für Ältere und Alleinstehende sei die Dose nützlich, sagt auch Pierre Müller, Leiter der Abteilung Hausnotruf beim Arbeiter-Samariterbund NRW. Ein Manko derzeit: Die Dose wird von mehreren verschiedenen Herstellern angeboten. Mal ist sie grün beschriftet, mal rot oder auch blau. Ebenso die dazugehörigen Aufkleber, die tunlichst auf Kühlschrank oder Haustür angebracht werden sollten.

Erhältlich ist die Notfalldose bei verschiedenen Herstellern im Internet, dort auch über das Deutsche Rote Kreuz. Sie kostet zwischen zwei und vier Euro. Mittlerweile gibt es sie aber vereinzelt auch schon in Apotheken oder bei Gemeindeverwaltungen.

Projekt steht noch am Anfang

Dennoch ist die Verbreitung bisher ausschließlich lokalen Initiativen zu verdanken. So haben die Johanniter im Kreis Lippe eine Info-Kampagne mit der dortigen Lokalzeitung gestartet, auch in Münster oder Essen wird für die Dose geworben. Die Stadt Netphen hat 500 Dosen an ältere Einwohner verteilt. Die Aktion stecke noch "in den Kinderschuhen", sagt Müller, "selbst mancher Rettungshelfer weiß noch gar nichts davon".

Stand: 05.09.2018, 16:00