Kurzsichtig durchs Smartphone?

Junge mit Brille

Kurzsichtig durchs Smartphone?

Von Nico Rau

  • Ob Buch oder Smartphone: Ständiges Nahfeld-Sehen begünstigt Kurzsichtigkeit
  • Auch fehlendes Tageslicht führt zu Kurzsichtigkeit
  • Forscher empfehlen, sich täglich zwei Stunden draußen aufzuhalten

Kurzsichtigkeit nimmt extrem zu

Seit Jahrzehnten nimmt die Kurzsichtigkeit weltweit zu. Besonders krass ist sie in Teilen Asiens verbreitet. In Hongkong, Shanghai und Seoul sind über 95 Prozent der Bevölkerung kurzsichtig. In Deutschland ist es bereits jeder zweite junge Erwachsene. Vor zwanzig Jahren waren es hier nur halb so viel. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig ist.

Kurzsichtig durchs Smartphone?

WDR 2 Servicezeit | 11.09.2018 | 03:42 Min.

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Verschiedene Gründe vermutet

Dass Smartphone allein für diese Entwicklung verantwortlich zu machen, ist zu kurz gegriffen. Vielmehr wirken hier verschiedene Gründe zusammen. Einerseits gibt es genetische Anlagen dafür. Andererseits führt ein permanentes Sehen im Nahbereich zu einem höheren Risiko, kurzsichtig zu werden. Ein gewichtiger Grund ist außerdem das fehlende Tageslicht, weil wir uns zu oft in geschlossenen Räumen aufhalten.

Smartphone, Computer oder Bücher

Wenn wir ständig auf nahe Objekte blicken, egal ob Smartphone, Buch oder Computerbildschirm, die also 30 Zentimeter oder weniger von unseren Augen entfernt sind, stresst das unser Auge. Es muss die ganze Zeit einseitig auf diesen Bereich scharf stellen. Um diesen Stress zu minimieren, wächst unser Augapfel in die Länge. Mit dem Resultat, dass wir dann zwar besser auf nahe Distanz scharf stellen können, aber schlechter auf Dinge, die weiter entfernt sind. Wir sind dann kurzsichtig.

Tageslicht schützt

Forscher sind sich mittlerweile sicher, dass fehlendes Tageslicht eine entscheidende Ursache für die verbreitete Kurzsichtigkeit ist. Eine Rolle spielt dabei Dopamin. Fällt viel Licht auf die Netzhaut, schüttet sie Dopamin aus. Der Neurotransmitter hemmt das Längenwachstum des Augapfels. In geschlossenen Räumen beträgt die Lichtstärke gerade einmal zwischen 300 und 500 Lux. Im Freien hingegen circa 100.000 Lux.

Mehr Zeit draußen verbringen

Studien zeigen, dass Kinder ein deutlich geringeres Risiko haben, kurzsichtig zu werden, wenn sie sich zwei Stunden täglich draußen aufhalten. Außerdem wird empfohlen, immer wieder zwischen nahem und weitem Sehen zu wechseln, also regelmäßig den Blick vom Smartphone zu heben und ferne Objekte zu fixieren. Dabei sollte man wissen: Kurzsichtigkeit ist nicht einfach ein kosmetischer Makel, der durch eine Brille korrigierbar ist. Sondern Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für spätere Augenerkrankungen wie beispielsweise grauer oder grüner Star.

Stand: 11.09.2018, 12:03