Krebsvorsorge: Abtasten

Krebsvorsorge: Abtasten Doc Esser - Der Gesundheitscheck 09.10.2019 06:08 Min. UT Verfügbar bis 09.10.2020 WDR Von Caroline Link

Krebsvorsorge: Abtasten

Krebsvorsorge ist erst im Alter notwendig? Von wegen! Junge Menschen sind nicht davor gefeit zu erkranken, aber fallen oft durchs Raster. Die fachärztliche Krebsvorsorge ist bei jungen Menschen in vielen Fällen nicht vorgesehen. Wichtig daher: Selbst Hand anlegen, um Veränderungen im Körper wahrzunehmen.

Das eigene Risiko kennen: Männer

Hodenkrebs betrifft vor allem Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Einige Risikofaktoren sind bekannt. So haben z.B. Männer mit Hodenhochstand eine erhöhte Erkrankungsgefahr. Kommt Hodenkrebs familiär gehäuft vor, spricht das für eine genetische Veranlagung. Sind Bruder oder Vater betroffen, ist das Risiko deutlich erhöht.

Da diese Krebsform im Frühstadium in 90% der Fälle gut behandelbar ist, empfiehlt sich eine Tastuntersuchung. Die urologische Krebsvorsorge wird aber erst ab dem 45. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen. Doc Essers Appell daher: Junge Männer sollten einmal im Monat ihre Hoden nach Knoten und Unregelmäßigkeiten abtasten. Für die wenigsten ist dieses „Handspiel“ Routine.

So tasten Sie richtig ab

Jungen und Männer zwischen 14 und 45 Jahren sollten die Hoden einmal monatlich abtasten. Zuerst Hoden und Hodensack von unten betasten, um ein Gefühl für Größe und Gewicht zu bekommen. Dann die Hoden einzeln zwischen Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger hin und her rollen. Unebenheit oder Knoten sind so leicht zu spüren. Zuletzt im Spiegel prüfen, ob eine Schwellung im Bereich des Hodensacks aufgetreten ist.

Alarmsignale auf einen Blick:

•          eine tastbare, schmerzlose Verhärtung im Hoden

•          eine Schwellung oder Schmerzen im Hodenbereich

•          ein Schweregefühl oder ein Ziehen im Hoden oder in der Leiste

Wichtig: Bei Veränderungen an den Hoden sollte unbedingt ein Urologe aufgesucht werden. Mit einer Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie einer Blutuntersuchung kann der Urologe/die Urologin einen Verdacht auf einen Hodentumor abklären.

Das eigene Risiko kennen: Frauen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Bei rund 7% aller Patientinnen tritt der Tumor vor dem 40. Lebensjahr auf. Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko. Auch bei Brustkrebs spielen die Gene eine Rolle, es kommt jedoch darauf an, wer in der Familie davon betroffen ist. Haben Verwandte zweiten Grades (z.B. Cousine, Großmutter) Brustkrebs, ist das eigene Risiko kaum erhöht. Tritt die Erkrankung hingegen bei der eigenen Mutter oder Schwester auf, verdoppelt sich das Risiko. Auch Faktoren, die mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen, können das Brustkrebsrisiko erhöhen – d.h. aber nicht, dass er in jedem Fall automatisch auftritt. Solche Faktoren sind z.B. eine frühe erste Regelblutung, späte Wechseljahre, die Einnahme von Hormonpräparaten, Kinderlosigkeit und eine späte Schwangerschaft.

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das Abtasten durch die Gynäkologin gehört einmal jährlich allerdings ab einem Alter von 30 Jahren zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Mammografien werden Frauen ab 50 Jahren alle zwei Jahre angeboten. Das vorsorglich eigene Abtasten der Brust ist jedoch mit vielen Unsicherheiten verbunden: Wie taste ich richtig ab und wie fühlt sich eigentlich ein Knoten an?

So tasten Sie richtig ab

Anders als bei der Selbstuntersuchung der Hoden geht es beim Abtasten der Brust vorrangig nicht darum, Knoten zu erfühlen. Vielmehr geht es darum zu erkennen, welche Veränderungen der Brust normal sind und welche nicht. Der beste Zeitpunkt für eine Selbstuntersuchung der Brust ist einmal monatlich eine Woche nach dem Beginn der letzten Regel, dann ist die Brust besonders weich. Das Drüsengewebe kann gegen Ende des Zyklus anschwellen und sich härter oder knotig anfühlen. Tasten Sie Ihre Brust mit drei Fingern und etwas Druck in kreisenden Bewegungen ab. Vergessen Sie dabei nicht die Lymphdrüse in der Achselhöhle. Wichtig: Nicht jeder Knoten bedeutet gleich Brustkrebs. Vier von fünf Knoten in der Brust erweisen sich als gutartig. Kritiker der Selbstuntersuchung meinen daher, viele Frauen würden sich unnötigen Untersuchungen unterziehen, nachdem sie selbst einen vermeintlichen Knoten ertastet haben.

Grundsätzlich gilt: Eine Selbstuntersuchung ersetzt keine ärztliche Vorsorgeuntersuchung. Sie sorgt aber dafür, ein Gespür für den eigenen Körper und dessen Veränderungen zu bekommen. Nicht jede dieser Veränderungen ist gleich krankhaft. Durch regelmäßiges Abtasten lernen Sie Ihren Körper besser kennen und können einschätzen, wann ein Gang zum Arzt notwendig ist.

Stand: 08.10.2019, 16:00