Labortest: K.o.-Tropfentests sind unsicher

Das Bild zeigt symbolisch K.O.-Tropfen.

Labortest: K.o.-Tropfentests sind unsicher

Von Nikola Noske

  • Teststreifen sollen K.o.-Tropfen in Getränken erkennen
  • Nur ein Test funktionierte zuverlässig
  • Landeskriminalamt rät: Nicht auf Teststreifen verlassen!

K.o.-Tropfentests sollen einem helfen, zu erkennen, ob jemand etwas ins Getränk gemischt hat. Wir haben drei Produkte im Labor der Kölner Rechtsmedizin getestet.

Wie funktionieren die K.o.-Tropfentests?

Alle Produkte kommen in Form von Teststreifen daher, auf diese bringt man sein Getränk auf. Es folgt eine chemische Reaktion und das Testfeld verfärbt sich, um zu zeigen, ob das Getränk K.o.-Tropfen enthält.

Was versprechen die Produkte?

K.O.-Tropfen im Getränk

Werden K.o.-Tropfen erkannt?

Die "TDD Strips" sollen GHB (auch "Liquid Ecstasy" genannt) und Ketamin erkennen - beides wird oft als K.o.-Tropfen verwendet. Der "Xantus Drinkcheck" und "Identa Touch&Know" versprechen nur, dass sie GHB erkennen. Letzterer soll GHB auch nur in bestimmten Getränken identifizieren können.

Abgesehen von den beiden Stoffen gibt es laut Toxikologen aber noch viele weitere Substanzen, die als K.o.-Tropfen eingesetzt werden: Diese werden von den Streifen jedoch überhaupt nicht erkannt.

Wie wurden die K.o.-Tropfentests getestet?

Wir haben GHB und Ketamin in einer ausreichend großen Menge in Bier und Rotwein gelöst und mit den Teststreifen überprüft. Zudem haben wir die Ergebnisse mit einer Blindprobe, also jeweils einem Getränk ohne K.o.-Tropfen, gegengecheckt. "Identa Touch&Know" haben wir nur in Bier getestet, da es bei Wein laut Hersteller nicht verwendet werden kann.

Testergebnis: So gut funktionieren die Tests

"Identa Touch&Know" erkannte GHB in unserer Stichprobe zuverlässig. Der "Xantus Drinkcheck" erkannte zwar GHB in Bier, bei Rotwein war das Ergebnis in unserer Stichprobe jedoch nicht eindeutig: Der Teststreifen sollte sich blau färben, wurde aber gräulich blau. Der Hersteller erklärte auf Anfrage, dass das mit der Eigenfärbung des Rotweins zusammenhängen könnte. Die "TDD Strips" identifizierten in unserer Stichprobe keinen Stoff zuverlässig. Vom Hersteller erhielten wir auf Anfrage keine Stellungnahme.

Fazit und Tipps

"Aus unserer Sicht ist es problematisch, sich auf solche Tests zu verlassen", erklärt die Kölner Toxikologin Hilke Andresen-Streichert, mit der wir den Labortest durchgeführt haben. Auch ein Test, der eine Substanz wie Ketamin oder GHB verlässlich im Getränk erkenne, sei kein ausreichender Schutz. Wenn man einen Stoff sicher identifizieren könne, könne man immer noch 100 andere im Getränk haben.

K.o.-Tropfentests im Test

WDR 2 Servicezeit 26.07.2019 04:10 Min. Verfügbar bis 25.07.2020 WDR 2

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Auch das Landeskriminalamt NRW warnt davor, sich auf die Tests zu verlassen. Es sei wichtig, weiter die bekannten Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten: Das eigene Getränk nicht unbeobachtet stehen lassen, keine offenen Getränke von Fremden annehmen und aufeinander aufpassen.

Stand: 26.07.2019, 14:00