Helicobacter-Bakterien - Die schlummernde Gefahr in unserem Magen

Helicobacter-Bakterien - Die schlummernde Gefahr in unserem Magen

Von Hanna Beckmann

Bis zu 40 Prozent der Deutschen sind mit einem Magenkeim infiziert, dem Helicobacter Pylori. Bei vielen bleibt er unentdeckt, weil er nicht immer Beschwerden macht. Doch er ist die Hauptursache für Magenkrebs.

Der unbekannte Erreger


Bei Magenschmerzen oder Sodbrennen hieß es lange, die Ursache seien ungesunde Ernährung, Stress oder zu viel Alkohol oder Nikotin. Tatsächlich steckt aber oft auch ein Magenkeim dahinter, von dem viele Menschen noch nie etwas gehört haben: der Helicobacter Pylori.

Lange Zeit dachte man, in unserer aggressiven Magensäure könne kein Bakterium überleben. Erst Anfang der Achtziger Jahre wurde er entdeckt, obwohl er den Menschen schon seit Jahrtausenden begleitet hat. 2005 erhielten seine Entdecker dafür den Nobelpreis für Medizin. Heute weiß man: schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Deutschen tragen den Keim im Magen. In anderen Ländern, insbesondere den Entwicklungsländern, sind noch weitaus mehr Menschen betroffen.

Symptome oder auch keine

Der Helicobacter Pylori ist die Hauptursache von Magenschleimhautentzündungen (Gastritis). Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Völlegefühl sind typische Symptome. Viele Menschen leben aber auch mit den Bakterien im Magen und haben keinerlei Beschwerden. Das Gefährliche ist, dass Helicobacter-Bakterien im Magen die Entstehung von Geschwüren und Karzinomen begünstigen. Der Keim gilt als Hauptverursacher von Magenkrebs.

Bis zu 40 Prozent der Deutschen sind mit Helicobacter Pylori infiziert

Bis zu 40 Prozent der Deutschen sind mit Helicobacter Pylori infiziert

Behandlung des Magenkeims
Wird der Helicobacter Pylori durch eine Magenspiegelung nachgewiesen, folgt meist eine Behandlung mit Säurehemmern und Antibiotika (sogenanntes ‚French triple’). Bei den meisten Patienten reicht eine Behandlung aus, damit der Keim verschwindet. Bei wenigen muss ein weiteres, stärkeres Antibiotikum gegeben werden. Durch einen Atemtest wird dann in der Regel kontrolliert, ob die Helicobacter-Bakterien restlos abgetötet wurden. Danach ist der Patient meist beschwerdefrei.

Theoretisch reicht auch der Atemtest aus, um einen Helicobacter festzustellen oder auszuschließen. Wer jedoch Beschwerden hat, sollte durch eine Magenspiegelung untersuchen lassen, was gegebenenfalls dort für Schäden entstanden sind. Ärzte behandeln den Helicobacter bei Erwachsenen erst nach einer Magenspiegelung – nur Kinder werden schon behandelt, wenn der Atemtest den Helicobacter nachweist.

Wird der Helicobacter Pylori durch eine Magenspiegelung nachgewiesen, folgt meist eine Behandlung mit Säurehemmern und Antibiotika

Wird der Helicobacter Pylori durch eine Magenspiegelung nachgewiesen, folgt meist eine Behandlung mit Säurehemmern und Antibiotika

Ansteckung meist in der Kindheit

Der Übertragungsweg des Helicobacter ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die Ansteckung erfolgt vermutlich durch engen Kontakt auf fäkal-oralem Weg, meistens innerhalb der Familie. Studien weisen darauf hin, dass Kinder empfänglich sind für den Keim, später stellt sich vermutlich eine Art Immunität gegen den Helicobacter ein. Eine Neuinfektion im Erwachsenenalter ist äußerst unwahrscheinlich.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Wer Ärger mit dem Magen hat, sollte zum Arzt gehen. Auch für Menschen, deren Angehörige an einem Magengeschwür erkrankt sind, kann es sinnvoll sein, sich vorsorglich untersuchen zu lassen. Es bestehe aber kein Anlass, dass sich jeder auf eine mögliche Infektion mit dem Helicobacter untersuchen lässt, so Experten.

Stand: 21.01.2019, 16:00