Süchtig durchs Smartphone?

Handynutzung

Süchtig durchs Smartphone?

Von Nico Rau

  • Smartphone-Sucht ist keine offizielle Diagnose
  • Manche Forscher vermuten ähnliche Wirkung wie bei Alkohol und Nikotin
  • Ruf nach mehr digitaler Kontrolle wird lauter

Ob es eine Smartphone-Sucht gibt oder nicht und wie sie überhaupt psychiatrisch zu diagnostizieren ist, das ist unter Forschern umstritten. Doch werden gängige Symptome aus der Suchtforschung auch für die Smartphone-Nutzung diskutiert: Kritisch sind demnach eine ständige Beschäftigung mit dem Smartphone, Entzugserscheinungen, wenn es nicht greifbar ist oder berufliche und private Auswirkungen, weil das Smartphone übermäßig genutzt wird.

Unverzichtbarer Begleiter

Unstrittig ist wohl, dass viele Menschen auf ihr Smartphone kaum verzichten wollen. So leiden laut einer Pisa-Studie bereits über 40 Prozent der 15-jährigen Jugendlichen darunter, wenn sie keinen Zugang zum Internet haben. Für diese Angst wurde das Wort Nomophobie (No-Mobile-Phone Phobia) geschaffen.

Süchtig durchs Smartphone?

WDR 2 Servicezeit | 08.10.2018 | 03:54 Min.

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Gründe für die Abhängigkeit

Soziale Medien wie Facebook, Whatsapp, Twitter oder Instagram machen sich ein menschliches Grundbedürfnis zu eigen: Wir sind evolutionsbiologisch abhängig von positiver sozialer Interaktion, denn wir leben seit jeher in Gruppen zusammen. Wir wollen uns austauschen und wissen, was die anderen machen.

Dann schüttet unser Körper den Neurotransmitter Dopamin aus und wir fühlen uns zufrieden und glücklich. Diese Reaktion passiert laut Forschern auch dann, wenn wir auf dem Smartphone eine neue Nachricht bekommen oder ein Like für ein Posting.

Nutzungsdauer beschränken

Nur hat diese Sucht nach Aufmerksamkeit und Information eine Kehrseite. Im Durchschnitt sind Jugendliche rund drei Stunden täglich online, meist mobil über das Smartphone. Eine Studie aus den USA mit über 4.500 Kindern legt nahe, dass bereits zwei Stunden Bildschirmzeit die kognitive Entwicklung von Kindern beeinträchtigt. Sie schnitten bei Tests, mit denen Sprache, Erinnerungsvermögen und Reaktionsfähigkeit geprüft wurden, schlechter ab.

Digital Detox

Kritische Stimmen werden immer lauter. So forderten Aktionäre Anfang des Jahres Apple dazu auf, gesundheitliche Auswirkungen ihrer Produkte auf Menschen zu untersuchen. Eine Folge: Das neue Betriebssystem iOS von Apple zeigt jetzt die Bildschirmzeit an, die der Nutzer aktiv war und lässt beispielsweise Eltern bestimmte Nutzungszeiten für Apps einrichten.

Auch Google will bald solche App-Funktionen anbieten. Und ehemals führende Köpfe von Google, Facebook und Twitter haben sich zu einem Lobbyverband zusammengeschlossen, um vor Gefahren der Social Media-Dienste zu warnen.

Stand: 05.10.2018, 15:10