Gicht - die richtige Ernährung gegen den Schmerz

Gicht – den Schmerz wegessen Servicezeit 17.09.2019 07:38 Min. Verfügbar bis 17.09.2020 WDR Von Liliane Mofti; Sylvia Freudenberger

Gicht - die richtige Ernährung gegen den Schmerz

Von Liliane Mofti

Es fühlt sich an, als würde man ein brennendes Feuerzeug unter Fuß- oder Handgelenk halten. Schmerzhafte Realität vieler Gichtpatienten. Doch gegen die eingelagerten Harnsäurekristalle kann man was tun. Und damit sind nicht unbedingt Tabletten gemeint, sondern die Umstellung der Ernährung.

1.    Purinreiche Lebensmittel meiden

Purine sind in allen Körperzellen enthalten. Der menschliche Körper enthält sie, aber auch tierische und pflanzliche Lebensmittel. Nehmen wir Purine zu uns, wandelt der Körper sie zu Harnsäure um. Bei Menschen, die zu Gicht neigen, funktioniert das nicht so gut. Die Harnsäure lagert sich in Form von Kristallen in den Gelenken ab.

Um das zu vermeiden, stark purinhaltige Lebensmittel am besten von der Einkaufsliste streichen. Dazu zählen vor allem Fleischwaren wie Innereien, Fleisch mit Haut und fette Wurstwaren. Auch Fisch ist purinreich. 300 - 600 Gramm mageres Fleisch und Wurst pro Woche sowie eine Portion Fisch sind aber in Ordnung.

Eine Sonderrolle nehmen Hülsenfrüchte ein. Die enthalten zwar viele Purine, beeinflussen den Harnsäurehaushalt aber nicht so stark wie tierische. Hin und wieder darf man sich Bohnen, Linsen und Co. also schmecken lassen, nur wenn der Schmerz akut ist, besser ganz darauf verzichten.

Kaffee enthält auch Purine, darum galt er lange als gefährlich. Inzwischen weiß man aber, dass Kaffee den Harnsäurespiegel nicht beeinflusst. 

2.   Fruktose – das Gift für Gichtpatienten

Eis, Joghurt und Limonaden, aber auch Fertiggerichte und Salatsoßen enthalten industriellen Fruchtzucker. Der schmeckt besonders süß und wird darum gern eingesetzt. Das Problem: Fruchtzucker wird anders verstoffwechselt als der Haushaltszucker Saccharose und lässt den Harnsäurespiegel mächtig ansteigen. Darum lieber zu Lebensmitteln greifen, denen keine Fruktose zugesetzt wurde.

Auch in Obst ist teilweise viel Fruktose drin. Ganz meiden sollte man Obst aber nicht, denn hier gilt: Die positiven Eigenschaften überwiegen.

3.   Trinken, trinken, trinken

Das Bild zeigt eine Frau, die Wasser trinkt.

Viel trinken ist wichtig.

Viel trinken ist wichtig, um die Harnsäurekonzentration zu verringern. Am besten sind Wasser und ungesüßter Tee. Davon empfiehlt Servicezeit-Ärztin Aylin Urmersbach ein Glas pro Stunde.

Wer hin und wieder Lust auf einen Saft hat, sollte auf stark fruktosehaltige Säfte verzichten und lieber einen frischgepressten Orangensaft genießen. Studien zeigen, dass sich der hohe Vitamin-C-Gehalt im Orangensaft sogar positiv auf den Harnsäurespiegel auswirken und diesen senken kann.

Auch Sauerkirschen werden bei Gicht empfohlen. Sie wirken antientzündlich und senken den Harnsäurespiegel. Bereits zehn Kirschen täglich können den Gichtschmerz lindern. Wer kein frisches Obst zur Hand hat, kann auch Kirschkonzentrat einnehmen, etwa in Form von ungesüßtem Kirschsaft.

4.   Milchprodukte – gute Eiweißlieferanten

Milchprodukte enthalten kaum Purine und sind gut bei Gicht, denn sie enthalten viel Eiweiß und sind so eine willkommene Alternative zu purinreichen Eiweißlieferanten wie Fleisch und Fisch. Äußerlich angewendet können kalte Quarkwickel die schmerzende Entzündung lindern. Relativ purinarm sind auch Gemüse, Getreideprodukte und Nüsse – daran kann man sich gerne satt essen.

Eine Ernährungsumstellung lohnt sich!

Eine purin- und fruktosearme Ernährung hilft auch beim Abnehmen. Ganz wichtig ist nur, die Kilos nicht zu schnell purzeln zu lassen, denn auch eine zu rasche Gewichtsabnahme kann einen Gichtanfall auslösen – der Körper wandelt dann die körpereigenen Purine in Harnsäure um. Auch der Blutdruck hängt mit dem Harnsäurespiegel zusammen. Sinkt der Harnsäurespiegel, geht meistens auch der Blutdruck runter. Eine Ernährungsumstellung zahlt sich also doppelt aus.

Stand: 17.09.2019, 14:00