Seriöse Gesundheitsinformationen im Netz finden

Seriöse Gesundheitsinformationen im Netz finden

Von Till Krause

  • Immer mehr Menschen informieren sich online über Gesundheitsthemen
  • Qualität von Online-Gesundheitsinformationen oft schlecht
  • Auf Anbieter, Autor, Werbung, Datenschutz und Siegel achten

Bauchschmerzen nach dem Essen, plötzliches Fieber oder ein Stechen in der Brust: Wenn es um die Gesundheit geht, informieren sich immer mehr Menschen online. Mittlerweile ist das Internet nach dem Arzt die beliebteste Quelle für Gesundheitsinformationen.

Diese Krankheiten werden am häufigsten gesucht

Die Central Krankenversicherung hat untersucht, nach welchen Krankheiten die Menschen im Internet am häufigsten suchen. Auf Platz 1: Schilddrüsenvergrößerung. Auf Platz 2: Diabetes. Auf Platz 3: Hämorrhoiden.

Die permanente Abrufbarkeit von Gesundheitsinformationen hat viele Vorteile: Patienten können sich zum Beispiel eine erste Einschätzung zu ihren gesundheitlichen Problemen holen, während sie auf einen Termin beim Arzt warten. Außerdem können sie ihre Gesundheitskompetenz steigern. Aber es gibt auch Probleme: Die Qualität der Informationen ist oft nicht gut.

Durchschnittsnote: 4+

Eine Untersuchung von Gesundheitswebseiten der Central Krankenversicherung zeigt: "Durchschnittlich wurde die Qualität der untersuchten Informationen mit der Note "ausreichend" (4+) bewertet. Keine getestete Webseite konnte die Bestnote "sehr gut" erreichen und nur neun von 100 Webseiten wurden mit "gut" bewertet.“

Falsche Informationen können schnell verunsichern oder gar zum Kauf wirkungsloser Medikamente oder Therapien führen. Eins steht fest: Eine Internet-Recherche ersetzt nicht den Arztbesuch. Aber sie kann durchaus weiterhelfen. Wie findet man also gute Gesundheitsinformationen? Wir haben einige Tipps zusammengestellt:

Wer sind Anbieter und Autor?

Gesundheitsinformationen werden im Internet von verschiedenen Anbietern bereitgestellt: von Krankenkassen, Ärzten, Privatpersonen aber auch von Unternehmen und Pharmakonzernen. Egal, wer die Seite betreibt: Auf seriösen Seiten steht, wer der Anbieter ist. Außerdem sind die Autoren der Beiträge und ihre Qualifikationen einsehbar. Wichtig ist auch, dass es verschiedene (kostenlose) Möglichkeiten gibt, Kontakt mit dem Anbieter aufzunehmen.

Welche Interessen stecken hinter der Seite?

Je nach Anbieter variieren die Interessen, die hinter einer Seite stecken. Eine entscheidende Frage: Ist Werbung auf der Seite geschaltet? Falls Werbung geschaltet ist, sollte der Anbieter transparent machen, nach welchen Kriterien er die Werbung auswählt. Werbung sollte zum Beispiel strikt vom Inhalt getrennt werden. Werbung muss außerdem klar gekennzeichnet sein. Vorsicht ist auch bei Informationsseiten geboten, die sich über den Verkauf von Produkten finanzieren. Das gefährdet die Objektivität der Informationen.

Was passiert mit den Nutzerdaten?

Gesundheitsdaten sind oft sehr sensible Daten. Deshalb sollte jede seriöse Gesundheitsseite eine Datenschutzerklärung besitzen. Besonders genau hinschauen sollten Benutzer bei Seiten, die nach persönlichen Informationen fragen. Das trifft gerade auch auf Gesundheits-Apps zu.

Kommen die Informationen aus seriösen Quellen?

Eine gute Seite verweist unter oder im Text auf die jeweiligen Quellen, aus denen die Informationen stammen. Gute Gesundheitsinformationen kommen außerdem aus seriösen Quellen wie klinischen Studien oder wissenschaftlicher Literatur. Außerdem werden Erfahrungsberichte nicht als Beweis für den Erfolg einer Behandlung genutzt.

Informiert die Webseite ausgewogen und vollständig?

Eine gute Webseite stellt nicht nur eine mögliche Therapie oder eine mögliches Medikament vor, sondern mehrere. Außerdem sollte sie über Behandlungsverlauf, Risiken und Nebenwirkungen informieren. Auf der Webseite sollte zudem klar stehen, dass Patienten dort keine Diagnose, sondern nur Informationen bekommen. Und besonders wichtig: Ein Hinweis, dass die Informationen nicht den Besuch beim Arzt ersetzen, darf auf einer seriösen Seite nicht fehlen.

Ist die Sprache verständlich und neutral?

Gute Gesundheitsinformationen sind verständlich formuliert. Fachbegriffe werden erklärt. Außerdem ist die Sprache neutral. Begriffe wie Schulmedizin, ganzheitliche Medizin oder natürliche Medizin werden weder positiv noch negativ eingesetzt.

Sind die Informationen aktuell?

Die Informationen sollten so aktuell wie möglich sein. Denn gerade im medizinischen Bereich werden immer wieder neue Behandlungsmöglichkeiten entdeckt.

Trägt die Webseite bestimmte Siegel?

Es gibt zwei bekannte Siegel: "HONcode" der Stiftung Health On the Net und "afgis" vom Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem e.V. Diese Siegel bieten eine erste Orientierung, sind allerdings nur teilweise hilfreich. Trägt eine Seite ein solches Siegel, bedeutet das nur, dass das Informationsangebot festgelegte formale Transparenzkriterien erfüllt, z.B.: Datenschutz, Quellenangaben, Finanzierung und Werbepolitik. Die Siegel sind kein Garant für inhaltliche Richtigkeit der Informationen.

Vorsicht bei Erfahrungsberichten

Jeder Krankheitsverlauf ist individuell. Daher ist beim Blick in Foren Vorsicht geboten. Dortige Erfahrungsberichte können schnell verunsichern. Oft landen in Foren besonders schlimme Krankheitsverläufe. Außerdem kann jeder in ein Forum schreiben, z.B. auch Pharmakonzerne, die für ein Medikament werben möchten. Eine redaktionelle Prüfung findet nicht immer statt.

Vorsicht bei Suchmaschinen

Nicht nur Dr. Forum ist anfällig, auch Dr. Suchmaschine kann Probleme machen. Die erste angezeigte Seite muss nicht die beste Seite sein. Außerdem sind die ersten Treffer bei einer Suchmaschine häufig Anzeigen, d.h. die Firmen bezahlen dafür. Auch hier gilt: vorsichtig sein.

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Stand: 09.01.2019, 08:00