Erste Hilfe

Erste Hilfe Doc Esser - Der Gesundheitscheck 16.09.2020 07:00 Min. Verfügbar bis 16.09.2021 WDR Von Dina Dada

Erste Hilfe

Von Dina Dada

Schon vor Coroan war es so, dass fast jeder zweite Deutsche im Ernstfall nicht hilft. Das ist die unschöne Wahrheit. Neben der Angst im Notfall etwas falsch zu machen, fühlen sich viele aber auch nicht ausreichend geschult. Die Routine fehlt. Auch psychische Barrieren hemmen unsere Hilfsbereitschaft.

In Zeiten von Corona kommt die Angst vor Ansteckung hinzu. Und so manche Notlage ist unter dem Mund-Nasen-Schutz erst auf dem zweiten Blick zu erkennen. Hier gilt es besonders aufmerksam sein, denn Erste Hilfe kann Leben retten! Der Rettungsdienst braucht im Schnitt acht Minuten zum Unfallort – wertvolle Zeit, die der Ersthelfer sinnvoll überbrücken sollte.

Herzinfarkt: Maske ab und Hilfe leisten!

Durch die Corona-Pandemie haben wir uns daran gewöhnt, das Gesicht des Gegenübers nur zur Hälfte zu sehen. Da kann es schwerfallen, eine Notlage auch als solche zu erkennen. Besonders schwierig ist das bei Vorfällen, die ohnehin nicht ganz einfach zu deuten sind. Ein Beispiel dafür: der Herzinfarkt. Im Zweifel sollte man die betroffene Person ansprechen, die Mund-Nasen-Maske absetzen lassen und im Gespräch klären, was ihr fehlt. Hat sie Druck auf der Brust und Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen? Verbunden mit einer blassen Gesichtsfarbe und kaltem Schweiß deutet das auf einen Herzinfarkt hin.

Jetzt heißt es, so schnell wie möglich den Rettungsdienst zu alarmieren. Die acht Minuten bis die Profis eintreffen, sollte man mit Leben füllen. Es ist gut, die Person in eine feste, sitzende Position zu bringen. So kann sie besser atmen. Falls vorhanden, sollte man Schals entfernen, das Hemd oder die Bluse aufknöpfen oder die Jacke öffnen. Hinlegen oder Beine hoch sollte auf jeden Fall vermieden werden, da das Herz dann noch mehr arbeiten muss.

Herz-Kreislauf-Versagen: drücken bis der Arzt kommt!

Reanimation an einer Puppe

Im schlimmsten Fall kommt es in Folge eines solchen Infarkts zu einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Versagen. Jedes Jahr müssen ca. 50.000 Menschen reanimiert werden. Tausende von ihnen sterben, weil nicht sofort geholfen wird. Bei vielen aber ist die Schulung in Reanimation Jahre her und die Praxis fehlt. Dabei entscheiden die ersten fünf Minuten darüber, ob die Person überlebt. Die Zeit sinnvoll überbrücken bis der Rettungsdienst kommt ist daher Regel Nummer Eins. Ist die betroffene Person nicht ansprechbar, den Kopf leicht überstrecken, um zu überprüfen, ob die Atmung noch funktioniert. Ist kein Atem spürbar, muss als erstes der Notruf alarmiert werden.

Und dann heißt es vor allem: drücken, drücken, drücken. 100 Mal die Minute mit beiden Händen übereinander kräftig auf die Mitte des Brustkorbs drücken – solange bis der Rettungsdienst da ist. In Corona-Zeiten darf auf die berühmte Mund-zu-Mund-Atmung verzichtet werden – es sei dann man hat eine Einmal-Beatmungsmaske zur Hand. Die kann vor einer Infektion schützen. In dem Fall heißt es: im Wechsel 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen. Zu kaufen gibt es diese Masken inzwischen in jeder Apotheke und online. Besonders praktisch: man kann sie in einer kleinen Tasche am Schlüsselbund tragen und hat sie so jederzeit griffbereit.

Schlaganfall: erkennen, seelischen Beistand leisten

Schlaganfall erkennen.

Eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland ist der Schlaganfall, der schlagartige Ausfall von Gehirnfunktionen durch einen Infarkt oder eine Blutung. Jährlich trifft es etwa 250.000 Menschen. Viele von ihnen sind ihr Leben lang davon gezeichnet. Das Problem: die Symptome sind diffus und nicht auf Anhieb erkennbar. Eine der wichtigsten Hinweise ist die Sprache. Kann die betroffene Person plötzlich einfache Sätze nicht nachsprechen oder nuschelt, dann kann es sich um einen Schlaganfall handeln. Da heißt es schnell den Rettungsdienst rufen und die Situation genau schildern. Nur so kann man die Diagnose zügig stellen und der Person so schnell wie möglich helfen.

Ein weiteres Indiz können Hörverlust oder Doppelbilder sein, aber auch eine einseitige Lähmung. Das lässt sich testen. Dazu hebt man beide Arme der Person an und lässt los. Fällt ein Arm schlagartig herunter, kann man von einer halbseitigen Körperlähmung ausgehen, ausgelöst durch einen Schlaganfall. So lange der Rettungswagen unterwegs ist, sollte der Ersthelfer vor allem aber seelische Unterstützung sein. In einer gefährlichen Notsituation wie dieser – ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Aspekt der Ersten Hilfe.

Stand: 16.09.2020, 16:00