Der richtige Umgang mit der Krankmeldung

Der richtige Umgang mit der Krankmeldung

Von Maria Kümpel

Man steht morgens auf und merkt gleich: Arbeiten geht heute nicht. Und dann kommen Fragen auf: Muss man sofort zum Arzt? Wie schnell muss die Krankmeldung zum Chef? Und was ist, wenn einem der Chef die Krankheit nicht glaubt?


Eins vorab: Wer krankgeschrieben ist, sollte besser keine Fehler machen. Denn es droht schnell die Kündigung! Doch das lässt sich vermeiden, wenn man einige wichtige Punkte beachtet:

Wann muss man sich krank melden?

Arbeitnehmer sind nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz dazu verpflichtet, ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Die Nachricht muss den Arbeitgeber also schnell erreichen. Wer den Termin beim Arzt abwartet und sich erst danach bei seinem Arbeitgeber krank meldet, riskiert eine Abmahnung.

Daher der Tipp: Am ersten Krankheitstag zu Beginn der betrieblichen Arbeitszeit anrufen und die Erkrankung anzeigen. Ergibt sich aufgrund des Arztbesuchs eine längere Arbeitsunfähigkeit, so ist die voraussichtliche Dauer dem Arbeitgeber ebenfalls mitzuteilen.

Wie muss man sich krank melden?

Man könnte meinen: Ein Anruf genügt. Doch, wenn das Verhältnis zum Arbeitgeber bereits angespannt ist, sollte man es lieber nicht riskieren. Besser ist eine E-Mail oder man bittet eine andere Person anzurufen. So kann man im Streitfall beweisen, dass man sich wirklich und rechtzeitig krankgemeldet hat.

Ab wann muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden?

In der Regel verlangen Arbeitgeber spätestens nach drei Krankheitstagen ein Attest. Viele Arbeitnehmer gehen deshalb davon aus, dass sie in jedem Fall drei Tage ohne Arztbesuch krankfeiern dürfen. Das ist ein Irrtum. In Paragraph 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes heißt es zwar, dass der Arbeitnehmer bei einer Arbeitsunfähigkeit von "mehr als drei Tagen" eine ärztliche Bescheinigung vorlegen muss. Doch gleichzeitig räumt das Gesetz dem Arbeitgeber das Recht ein, die Krankschreibung "früher" zu verlangen.

Attest schon am ersten Tag – Ist das rechtens?

Der Arbeitgeber darf im Einzelfall schon am ersten Krankheitstag ein Attest einfordern. Auch wenn der Chef laut Gesetz nicht gezielt einzelne Mitarbeiter piesacken oder diskriminieren darf, muss er keine gesonderte Begründung dafür abgeben, warum er von einem Arbeitnehmer ein Attest schon am ersten Krankheitstag verlangt. Es liege grundsätzlich im Ermessen des Arbeitgebers, von welchem seiner Mitarbeiter er sofort eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sehen möchte, so das Gericht.

Wann muss der gelbe Schein beim Arbeitgeber vorliegen?

Im Fall einer Servicezeit-Zuschauerin wollte der Chef den gelben Schein schon am ersten Tag der Erkrankung sehen. Dieses Wort "sehen" benutzen auch Juristen in diesem Zusammenhang gerne. Sie meinen damit eigentlich, dass der Arbeitgeber am ersten Krankheitstag ein Attest einfordern darf. Doch im konkreten Fall meinte der Chef es wörtlich. Er verlangte, dass der gelbe Schein am ersten Krankheitstag bei ihm auf dem Schreibtisch liegt. Darauf haben Arbeitgeber jedoch keinen Anspruch. Der einfache Postweg genügt.

Und was ist, wenn der Chef dem Attest nicht glaubt?

Kauft der Chef dem Mitarbeiter die Erkrankung trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht ab, dann ist er am Zug. Er kann den Medizinischen Dienst der Krankenkassen einschalten und ein Gutachten über den Attest verlangen. Allerdings muss er diesen Schritt sehr gut begründen. Vage Vermutungen stellen z.B. keinen Grund für eine Überprüfung der Krankmeldung dar.

Doch Vorsicht! Der Chef darf seinen kranken Mitarbeiter besuchen – oder gar einen Detektiv damit beauftragen. Die Kosten dafür muss der Arbeitnehmer dann tragen, wenn er überführt worden ist und der Arbeitgeber nicht auf andere Weise den Verstoß gegen den Arbeitsvertrag nachweisen konnte. Das Verhältnis Lohn zu Detektivkosten darf nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts aber nicht zu weit auseinanderklaffen.

Ist die Kündigung während einer Krankheit zulässig?

Viele glauben, dass Arbeitnehmer vor dem Ausspruch einer Kündigung während der Dauer einer Krankheit sicher seien. Das ist ein Irrtum: Das Kündigungsschutzgesetz schützt den Arbeitnehmer entgegen einer weit verbreiteten Ansicht mitnichten vor einer Kündigung, die während einer Krankheit ausgesprochen wird.

Allerdings könnte es sich lohnen, gegen eine solche Kündigung zu klagen. Denn die Gerichte setzen für solche Kündigungen hohe Hürden und die Arbeitgeber sind hier in der Darlegungs- und Beweispflicht. In den meisten Fällen entpuppen sich solche Kündigungen als unwirksam.

Kurze Klagefrist

Ganz wichtig: Klagen muss man schnell. Drei Wochen hat man Zeit, die Klage beim Arbeitgericht einzureichen. Diese kurze Frist ist bewusst vom Gesetzgeber so gewählt, um eine schnelle Klärung des Arbeitsverhältnisses zu erzielen.

Stand: 23.11.2017, 12:26