Medizintechnik - wie Hightech in der Therapie hilft

Medizintechnik - wie Hightech in der Therapie hilft

Virtual Reality, Tabletcomputer, Roboter. Was den einen Spaß macht, hilft den anderen, wieder auf die Beine zu kommen. Denn Hightech kann mehr als nur zu unterhalten: Schwerkranke Menschen können mit technischer Hilfe wieder am Leben teilnehmen.

Vier Jahre sind seit dem Schlaganfall von Pascal Theis vergangen. Theis konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen, nicht mehr stehen. Jetzt hilft ihm ein Gehroboter dabei, wieder auf die Beine zu kommen.

Robotik und Videospiele gegen den Schlaganfall

Mit den kleinen Bewegungen, die Theis alleine noch schafft, steuert er auf einem Monitor eine Figur durch eine Phantasiewelt, die eher an ein Super-Mario-Level als an klassische Medizintechnik erinnert. Theis sieht sich also selbst beim Laufen zu - und das trainiert die Kommunikation zwischen Beinen und Nervensystem, die beim Schlaganfall verloren ging: Sein Gehirn erinnert sich dank Gehroboter daran, wie es war, zu laufen.

Zwei Krankenkassen, die Techniker Krankenkasse und die Barmer GEK, finanzieren die Therapie bisher, die sich auch über die Arme anwenden lässt: Auch hier helfen Robotik und spezielle Videospiele dabei, die Bewegungsabläufe im Unterbewusstsein zu speichern.

Angeboten wird diese Therapieform im Ambulanticum in Herdecke. Dessen Gründer Bernd Krahl hatte selbst zwei Schlaganfälle. Geh- und Armroboter haben ihm geholfen, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen - was er in seiner Einrichtung nun auch anderen Menschen ermöglichen möchte.

Robotik und Videospiele gegen den Schlaganfall

Spielerische Elemente sollen die Patienten motivieren.

Golfspielen auf einem Bein - dank Tablet und App

Auch Thomas Frey nutzt moderne Technik für seine Therapie. Bei einem Unfall hat er vor vielen Jahren ein Bein verloren und litt danach unter heftigen Phantomschmerzen. Frey musste häufig starke Medikamente nehmen, um seine Schmerzen in den Griff zu bekommen.

Geholfen hat ihm die Spiegeltherapie - eine klassische Therapieform. Dabei setzt sich Frey so vor einen Spiegel, dass der Eindruck entsteht, das verlorene Bein wäre wieder da. Die Nerven werden stimuliert, das Gehirn ausgetrickst, die Phantomschmerzen schwächer. Wissenschaftler haben noch keine genaue Erklärung für dieses Phänomen. Nur so viel ist sicher: Die Therapie funktioniert - und sie ist auch per Tablet möglich.

Robotik und Videospiele gegen den Schlaganfall

Spezielle Apps unterstützen den Patienten mit passenden Trainingsprogrammen.

Der Kölner Physiotherapeut Andreas Rothgangel hat eine App entwickelt, die den Spiegel ersetzt: Die Kamera des Tablets filmt das vorhandene Bein und fügt live ein Spiegelbild hinzu. So können Patienten auch nach ihrer Reha betreut werden und ihre Übungen auch unterwegs durchführen - sogar dann, wenn plötzlich ein Phantomschmerz auftaucht.

Technologien, die wir aus Gaming und Unterhaltung kennen, eröffnen in der Medizin und der Reha ganz neue Therapiemöglichkeiten - es wird spannend sein, zu verfolgen, wie in Zukunft noch mehr Menschen mit Hightech geholfen werden kann.

Stand: 13.11.2017, 12:14