Finanzielle Hilfen für Demenzkranke

Eine alte Frau stützt sich nachdenklich auf ihrer linken Hand ab

Finanzielle Hilfen für Demenzkranke

Von Stephanie Kowalewski

Menschen, die an Demenz leiden, werden zunehmend unselbständig. Für die pflegenden Angehörigen ist das meist eine enorme Belastung. Aber Betroffene haben Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung.

Pflegegrad beantragen

Um finanzielle Hilfe von der Pflegekasse bekommen zu können, ist es zwingend notwendig einen entsprechenden Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Die zuständige Pflegekasse ist immer bei der Krankenversicherung organisiert, bei der der Pflegebedürftige krankenversichert ist.

Finanzielle Hilfen für Demenzkranke

WDR 2 Servicezeit | 23.10.2017 | 05:21 Min.

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Der Pflegebedürftige muss den Antrag auf Leistungen grundsätzlich selbst stellen, was bei dementen Versicherten oft nicht mehr möglich ist. Er kann seine Ansprüche dann durch einen Vertreter mit Vollmacht geltend machen. Dafür ist es sinnvoll, frühzeitig eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auszustellen.

Die Pflegekassen beauftragen einen Gutachter, der bei einem Hausbesuch die Pflegebedürftigkeit des Versicherten feststellt. Gerade bei Demenzkranken sollten Angehörige bei diesem Termin dabei sein, um ein realistisches Bild der Hilfsbedürftigkeit zu geben. Die Höhe der Leistungen hängt dann vom festgestellten Pflegegrad ab.

Monatliche Leistungen

1. Entlastungsbetrag

Den Entlastungsbetrag von 125 Euro pro Monat können alle erhalten, die zu Hause betreut werden und einen Pflegegrad haben, also von 1 bis 5. Von diesem Geld kann der Versicherte Personen bezahlen, die mit ihm Spazieren gehen oder ihm beim Einkaufen und Putzen helfen. Der Betrag kann aber auch für die Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege eingesetzt werden. Der Betrag ist zweckgebunden und wird gegen Vorlage von Rechnungen überwiesen. Allerdings werden von der Pflegekasse in der Regel nur Rechnungen von anerkannten Pflegediensten oder Betreuern akzeptiert, die eine Schulung nachweisen können und bei der Pflegekasse registriert sind.

2. Pflegegeld

Erst ab Pflegegrad 2 hat der Versicherte Anspruch auf Pflegegeld, wenn er von Angehörigen, Freunden oder anderen Privatpersonen zu Hause gepflegt und betreut wird. Bei Pflegegrad 2 sind das 316 Euro im Monat und beim höchsten Pflegegrad 5 sind es 901 Euro. Das Pflegegeld wird dem Versicherten monatlich auf das eigene Konto überwiesen.

3. Pflegesachleistungen

Wird der Demenzkranke zu Hause nicht von den Angehörigen, sondern durch einen Pflegedienst versorgt, hat er Anspruch auf Pflegesachleistungen: bei Pflegegrad 2 sind das 689 Euro und bei Pflegegrad 5 zahlt die Pflegekasse 1995 Euro für die Dienstleistung professioneller Helfer. Pflegedienste rechnen direkt mit der Pflegekasse ab. Pflegegeld und -sachleistungen können auch kombiniert werden. Dann wird das Geld allerdings nur anteilig gezahlt.

4. Tages- oder Nachtpflege

Zusätzlich bezuschusst die Pflegekasse die so gennannte Tages- oder Nachtpflege. Wird der Demenzkranke also tagsüber oder in der Nacht zweitweise in einer Einrichtung betreut, kann er noch einmal genauso so viel Geld bekommen, wie bei der jeweiligen Pflegesachleistungen. Bei Pflegegrad 5 zahlt die Kasse also noch einmal bis zu 1.995 Euro.

5. Zuschüsse für Hilfs- und Pflegemittel

Bei allen Pflegegraden gibt es einen Zuschuss zu medizinischen Hilfs- und Pflegehilfsmitteln – wie Hausnotrufsysteme (monatlich 18,36 Euro und zusätzlich einmalig 10,49 Euro) und für Verbrauchsmaterialen wie Gummihandschuhe oder Betteinlagen bei Inkontinenz (Pauschalförderung von monatlich 40 Euro).

Jährliche Leistungen

1. Kurzzeitpflege

Ist der Versicherte ab Pflegegrad 2 etwa nach einem Klinikaufenthalt vorübergehend auf professionelle Pflege angewiesen (meist in einem Pflegeheim), kann er für diese Kurzzeitpflege bis zu 1.612 Euro pro Kalenderjahr von der Pflegekasse bekommen.

2. Verhinderungspflege

Sind die pflegenden Angehörigen krank oder brauchen eine Auszeit, und es kümmern sich vorrübergehend andere Menschen um dem Demenzkranken, zahlt die Pflegekasse für diese Verhinderungspflege pro Jahr einmalig auch bis zu 1.612 Euro. Wird eine der beiden Leistungen nur teilweise in Anspruch genommen, kann sie anteilig für die jeweils andere genutzt werden.

Einmalige Leistungen

Allen Betroffenen mit einem Pflegegrad steht, falls notwendig, ein Zuschuss für sogenannte "Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen" zu: wenn also beispielsweise aus der Badewanne eine bodengleiche Dusche werden soll oder eine Rampe statt der Treppe nötig wird. Dann kann ein einmaliger Zuschuss von bis zu 4.000 Euro bei der Pflegekasse beantragt werden. Ändert sich der Gesundheitszustand und werden weitere Umbaumaßnahmen notwendig, kann dieser Zuschuss gegebenenfalls erneut beantragt werden. Ist ein Umbau nicht möglich und wird deshalb ein Umzug notwendig, können Betroffene auch hierfür einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro beantragen.

Pflegebedürftige haben auch Anspruch auf technische Hilfsmittel, die die Pflege in den eigenen vier Wänden erleichtert. Wenn der Bedarf zum Beispiel für ein Pflegebett von der Pflege­kasse anerkannt wird, trägt sie die Kosten für das Bett.

Förderung von Wohngruppen

Der Gesetzgeber will das Leben in selbst organisierten ambulant betreuten Wohngemeinschaften gesondert fördern. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Pflegebedürftige, die in einer solchen WG leben, monatlich 214 Euro zusätzlich zu ihren sonstigen Leistungen. Außerdem werden quasi als Starthilfe beim Aufbau einer WG pro pflegebedürftiger Person 2.500 Euro gewährt.

Hilfe durch das Sozialamt

Reichen die Leistungen der Pflegekasse nicht aus, um die Kosten der benötigten Hilfe zu decken, besteht Anspruch auf "Hilfe zur Pflege" durch das Sozialamt. Bevor das Sozialamt dem Betroffenen finanziell unter die Arme greift, muss allerdings zunächst das eigene Einkommen und eventuell vorhandenes Vermögen eingesetzt werden.

Fazit

Trotz der vielseitigen finanziellen Hilfsmöglichkeiten bleibt die Pflegeversicherung eine "Teilkasko-Versicherung". Betroffene - und pflegende Angehörige - müssen fast immer einen Teil der anfallenden Kosten aus der eigenen Tasche zahlen. In jedem Fall lohnt es sich, die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen. Doch das ist für Laien ganz schön kompliziert. Experten raten daher einstimmig, zum Beispiel die kostenlosen Beratungsangebote bei Kommunen, Pflegestützpunkten, Pflegekassen oder der Alzheimer Gesellschaft wahrzunehmen.

Stand: 23.10.2017, 11:10