Behandlungsfehler – die Rechte der Patienten

Behandlungsfehler – die Rechte der Patienten

Es ist der Albtraum für jeden Patienten: Der Arzt macht einen Fehler und der Betroffene trägt Folgeschäden davon. Doch nicht jeder scheinbare Behandlungsfehler ist einer.

Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Patienten von Behandlungsfehlern betroffen sind. Es fehle an Transparenz der Ärzte und Krankenhäuser, beklagen Krankenkassen und Patientenverbände, die Dunkelziffer der Fälle sei hoch. Der Fachanwalt für Medizinrecht Boris Meinecke schätzt, dass es im Jahr über eine Million Fälle von Behandlungsfehlern in Deutschland gibt.

Was ist ein Behandlungsfehler?

Grundsätzlich spricht man von einem medizinischen Behandlungsfehler, wenn etwas eingetreten ist, das hätte vermieden werden können. Das können falsche, nicht angemessene oder nicht zeitgerechte Behandlungen sein.

Unerwünschte Folgen können aber auch schicksalhaft oder unvermeidbar sein. So sind beispielsweise Schmerzen nach einem Zahnarztbesuch kein Grund für eine Schmerzensgeldforderung. Auch die Unzufriedenheit des Patienten mit dem Ergebnis einer Behandlung ist nicht gleich eine Sache für den Rechtsanwalt. Denn der Arzt schuldet dem Patienten eine Behandlung nach dem medizinischen Standard, nicht aber den Erfolg.

Was tun bei Verdacht auf Behandlungsfehler?

Nach dem Patientenrechtegesetz muss der Arzt Behandlungsfehler zugeben, wenn der Patient ihn danach fragt. Das Problem ist allerdings, dass dieses Eingeständnis dann vor Gericht nicht mehr verwendet werden darf. Das heißt, dort muss man dann trotzdem anhand von Unterlagen und Gutachten den Behandlungsfehler nachweisen.

Hilfreich ist bei der Beweisführung ein Gedächtnisprotokoll:

Checkliste für ein Gedächtnisprotokoll

  • Welche Beschwerden oder Behinderungen sind für Sie die Folge eines Fehlers Ihrer Behandlung? Mussten Sie länger oder zusätzlich behandelt werden?
  • Können Sie den Behandlungsverlauf beschreiben, in dem aus Ihrer Sicht der Fehler aufgetreten ist? Wie war die zeitliche Abfolge? An welchem Ort/welchen Ortenfand die Behandlung statt?
  • Wer hat Sie behandelt? Bitte listen Sie möglichst alle Ärzte, Therapeuten und Krankenhausmitarbeiter in diesem Zusammenhang auf.Kann jemand Ihre Vermutung bestätigen (Angehörige, Zimmernachbarn, Ärzte, Pflegekräfte, o.a.)
  • Sind Sie zuvor in einem Aufklärungsgespräch darüber informiert worden, dass der Schaden, den Sie erlitten haben, auftreten kann?
  • Haben Sie mit Ihrem Behandler über den Schaden gesprochen? Was hat er Ihnen erklärt?

Krankenkassen können helfen

Grundsätzlich gilt, dass der Patient den Behandlungsfehler durch ein Gutachten beweisen muss. Gesetzlich Versicherte sind da im Vorteil, da die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet sind, ihren Mitgliedern bei Verdacht eines ärztlichen Behandlungsfehlers Beistand zu leisten. Die Krankenkassen schalten ihren Medizinischen Dienst ein, der dann ein medizinisches Gutachten erstellt.

Privat Krankenversicherten bleibt meist nichts anderes übrig, als einen unabhängigen Sachverständigen mit einem Gutachten zu beauftragen und diesen auch selbst zu bezahlen, da die Kasse nicht verpflichtet ist, zu helfen.

Schmerzensgeld und Schadensersatz

Betroffene können zudem Schmerzensgeld oder auch Schadensersatz fordern. Dazu zählen beispielsweise Verdienstausfall oder die Bezahlung einer Haushaltshilfe. Wichtig: Sollte der oder die Betroffene in der Zeit versterben, in der ein Gutachten erstellt wird, haben Angehörige dennoch das Recht auf eine etwaige Entschädigung.

Stand: 05.04.2018, 16:17