Werben um die Landärzte von morgen

Ärztemangel auf dem Land Servicezeit 17.04.2019 08:01 Min. UT Verfügbar bis 17.04.2020 WDR Von Lukas Stevens, Carina Ebert

Werben um die Landärzte von morgen

  • Im Jahr 2030 fehlen Tausende von Landärzten
  • Politik setzt auf Quote, Ärzte starten Werbekampagne
  • Auch Städte künftig massiv betroffen

Der Landarzt führt ein ruhiges Leben im Grünen, hat viel Zeit für seine Patienten und wird dafür verehrt? Die Wirklichkeit sieht anders aus: Arbeiten am Limit, 24-Stunden-Erreichbarkeit, von "Work-Life-Balance" keine Spur. Die Folge: Jung-Mediziner zieht es immer weniger aufs Land, viele alteingesessene Land-Ärzte finden keine Nachfolger.

Karte zeigt "Worst case"

Was das für NRW bedeutet, zeigt die Karte "Hausärzte in NRW". Sie basiert auf Zahlen, die die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen in NRW für das Gesundheitsministerium erhoben haben. Sie belegen: Wird der Trend nicht gestoppt, droht ein massiver Hausarzt-Mangel.

Landarzt beim Hausbesuch

Der Hausbesuch wird seltener

Beispiel Bad Laasphe (Kreis Siegen-Wittgenstein): Dort praktizieren derzeit noch mehr als genug Hausärzte. Im nächsten Jahrzehnt wird ihre Zahl aber um die Hälfte geschrumpft sein. Allein in Westfalen-Lippe, so die Schätzung der KV Westfalen-Lippe, werden im Jahr 2030 fast 1.200 Hausärzte fehlen.

Die NRW-Landesregierung setzt deswegen auf eine "Landarzt-Quote": Zehn Prozent der Medizin-Studienplätze werden außerhalb des normalen Verfahrens an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, für zehn Jahre in ländlichen Regionen zu praktizieren. Das Bewerbungsportal ist Ende März freigeschaltet worden, die Resonanz groß: "Wir rechnen damit, dass die Bewerbungszahlen vielfach höher liegen werden als die voraussichtliche Anzahl der im Rahmen der Landarztquote zu vergebenen Studienplätze", teilt das NRW-Gesundheitsministerium am Dienstag (16.04.2019) mit.

Werben um die Jung-Mediziner von heute

Begrüßenswert, aber nur ein Baustein von vielen, finden die Kassenärztlichen Vereinigungen. Denn die Landarzt-Quote greift erst, wenn die Bewerber mit dem Studium fertig sind. Deswegen haben die KV selbst Kampagnen gestartet, um jetzt schon für das Leben auf dem Land zu werben. "Auch Hilfen beim Startkapital oder Umsatzgarantien sind möglich", so Heike Achtermann, Sprecherin der KV Westfalen-Lippe.

Arzt horcht Patient ab

Alte Hausärzte auch in den Städten

"Der Wettbewerb um junge Ärzte wird wachsen", glaubt Christoph Schneider von der KV Nordrhein. Denn auch das zeigt die Karte: Nicht nur auf dem Land werden Hausärzte fehlen, auch in den Städten wie Bottrop oder Hagen. Ende 2018 war mehr als die Hälfte der Hausärzte in NRW älter als 55 Jahre und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

Im Ruhrgebiet könnte sich der Trend aber vielleicht ohne große Werbekampagne stoppen lassen. Dort sollen im Zuge einer Neuordnung 600 neue Praxen bis 2028 entstehen.

Hausärzte in NRW: Prognose für 2030

Infos zur Neuordnung im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet mit seinen vielen, ineinander übergehenden Städten wurde seit 1993 von den Gesundheitspolitikern als eine große Region eingestuft. In der, so die Überlegung, hatten die Hausärzte einen großen Einzugsbereich und sollten dementsprechend viele Patienten behandeln: gut 2.000 und nicht rund 1.600 wie im Rest der Republik.

Vor einigen Jahren wurde aber deutlich, dass im Ruhrgebiet besonders viele Kranke leben und die Sterberate hoch ist. Deswegen wurde die "Sonderregion Ruhrgebiet" Anfang 2018 wieder abgeschafft, die Zahlen im Verhältnis von Arzt und Patienten werden dem bundesweit geltenden Schnitt angeglichen. Weniger Patienten pro Arzt bedeutet aber auch: mehr Praxen. 600 neue Niederlassungen sollen im Verlauf der nächsten Jahre entstehen, 61 wurden schon 2018 gegründet, allein 12 in Dortmund.

Stand: 16.04.2019, 15:49