Gesundheits-Apps: Kein Ersatz für den Arzt

Gesundheit per App?

Gesundheits-Apps: Kein Ersatz für den Arzt

Von Lara Gohr

• Gesundheits-Apps werden immer beliebter
• Technik kann beim Arztbesuch unterstützen
• Datenschutz: Absolute Sicherheit gibt es nicht

Wer den App Store oder Google Play öffnet, der findet mehr als 100.000 Apps in den Kategorien "Gesundheit" oder "Gesundheit und Fitness".

Unübersichtliches Angebot in den Stores

Das Angebot ist in den letzten Jahren schnell gewachsen. Auch, weil niemand überprüft, was da eigentlich als Gesundheits-App verkauft wird. Denn Apps brauchen keinen Wirkungsnachweis, um in die Stores zu kommen. Die Situation ist für Verbraucher unübersichtlich.

Krankenkassen sehen Potenzial

Im Optimalfall kann eine App den Besuch beim Arzt vorbereiten und unterstützen. Zum Beispiel, wenn ein Patient dadurch achtsamer wird oder eine längere Krankheit beobachten kann.

"Das sind Beispiele, wie Nutzer ihre Krankheiten selbst managen können. Dabei verstehen sie ihren eigenen Körper besser und können ihre Therapie besser begleiten", sagt Regina Vetters von der Barmer Krankenkasse. Sie leitet dort die Digitalabteilung, die Kunden zwölf kostenlose Gesundheits-Apps anbietet.

Apps sind besser als "Dr. Google"

75 Prozent der Ärzte denken, dass Apps in den nächsten Jahren im Praxisalltag wichtiger werden, so das Ergebnis einer Umfrage des Arzneimittelherstellers Berlin Chemie AG. Auch Augenarzt Georg Gerten aus Köln ist offen gegenüber Apps: "Früher haben alle in Google gesucht und geguckt, was dann kommt. Jetzt schaffen die Apps schon eine Struktur, an der sich der Patient entlanghangeln kann."

Apps können den Arztbesuch nicht ersetzen

Trotzdem ersetzt keine App den Arzt-Patienten Kontakt, meint Gerten: "Die kann nicht tasten, keine Geräte verwenden, nicht den ganzen Menschen ansehen." Was er sich vorstellen kann: "In Zukunft könnten Apps vielleicht kurze Kontrollbesuche beim Arzt ersparen. Aber nur, wenn man das mit dem Patienten zusammen bespricht und wenn eine Fehlfunktion der App nicht zu ernsten Konsequenzen führt."

Datenschutz: Aufs Kleingedruckte achten

Ob eine App seiös ist und der Datenschutz gewährleistet ist, kann man nur schwierig beurteilen. Ein Siegel, dem Verbraucher getrost vertrauen können, gibt es nicht. "Jeder muss selbst abschätzen, ob er einer App vertraut", meint Ursula Kramer, Leiterin des App-Bewertungsportals Heath on.

Sie empfiehlt, auf das Kleingedruckte zu achten: "Finger weg von Apps ohne Datenschutzerklärung oder Apps, die nicht erklären, ob Fachleute wie Ärzte oder Institute für die Richtigkeit der Tipps oder Berechnungen stehen." Absolute Sicherheit gibt es nicht. Deshalb sollten sich Nutzer zwei Mal überlegen, ob sie sensible Daten angeben und abschätzen, was diese Daten schlimmstenfalls anrichten können, falls sie doch weitergegeben werden.

Stand: 06.09.2019, 13:17