Krankgeschrieben – was ist erlaubt?

Krankgeschrieben – was ist erlaubt?

Von Nico Rau

  • Krankgeschrieben heißt nicht zwangsläufig Bettruhe
  • Der Arzt entscheidet, was erlaubt ist
  • Die Genesung darf nicht verzögert werden

Was darf ich trotz Krankenschein unternehmen?

Wer krankgeschrieben ist, muss nicht zwangsläufig zuhause bleiben. Arbeitsunfähig zu sein bedeutet nur, dass der Arbeitnehmer nicht in der Lage ist, seiner Arbeit nachzukommen. Aber nicht, gar nichts mehr unternehmen zu dürfen. Selbst wenn der Arzt Bettruhe verschrieben hat, darf der Kranke Lebensmittel einkaufen oder zur Apotheke gehen. Schließlich muss er sich verpflegen können.

Schnauben ins Taschentuch

Der Arzt entscheidet

Es gilt das, was der Arzt dem Kranken empfiehlt. Hat er nichts gegen einen Kinobesuch einzuwenden, ist sogar das erlaubt. Bei Fieber sollte man natürlich unbedingt im Bett bleiben. Der Körper braucht dann Ruhe.

Krankgeschrieben - was ist erlaubt?

WDR 2 Servicezeit | 27.02.2018 | 03:30 Min.

Download

Pflichten des Kranken

Eine Krankschreibung ist natürlich kein verordneter Sonderurlaub. Der Kranke hat auch arbeitsrechtliche Pflichten, darauf weist Rechtsanwalt Michael Felser hin: "Auf dünnem Eis bewegen Sie sich vor allem dann, wenn Sie sich genesungswidrig verhalten, also Dinge tun, die sich mit der Erkrankung nicht in Einklang bringen lassen und vor allem die Genesung verzögern. Denn die Gesetze verlangen von Ihnen, dass Sie so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen und alles Mögliche dafür tun.“

Ein Spaziergang ist in Ordnung

Wer sich körperlich fit fühlt, darf ruhig einen Spaziergang machen. Frische Luft befreit die Atemwege und befeuchtet sie dazu. Durch die Heizungsluft im Winter trocknen nämlich die Schleimhäute aus. Dadurch werden sie empfindlicher für weitere Krankheitserreger.

Kündigungen oder Abmahnungen

Pflichtverstöße, die der Arbeitgeber mit Kündigung oder Abmahnung ahndet, muss er nachweisen. Das ist für den Arbeitgeber nicht immer einfach. Meist gelänge es, sagt Arbeitsrechtler Felser, weil die Arbeitnehmer Fehler machten. Zum Beispiel, weil sie ihre Jogging-Zeiten über eine App in den sozialen Medien posteten, obwohl sie wegen einer Lungenentzündung krankgeschrieben gewesen wären.

Die meisten Kündigungen und Abmahnungen entstehen aber wegen Missverständnissen, so die Erfahrung des Arbeitsrechtlers. Er empfiehlt jedem Arbeitnehmer Augenmaß bei der Entscheidung, was er trotz Krankschreibung macht. Schlecht ankommen kann es beispielsweise, wenn der Chef den wegen einer Grippe oder einem Infekt krankgeschriebenen Arbeitnehmer abends im Restaurant beim Rotwein-Trinken sieht: "Das sollte man im Zweifel vermeiden, weil es unabhängig davon, ob es erlaubt ist oder nicht, für Verstimmungen im Arbeitsverhältnis sorgt.“

Stand: 27.02.2018, 00:00