So vermehrt sich dein Geld an der Börse (fast) von alleine

Zeichnung im Pop-Art-Stil: Drei Bündel von Geldscheinen übereinander.

So vermehrt sich dein Geld an der Börse (fast) von alleine

Auf dem Girokonto klappt's nicht mehr, an der Börse schon: Das Geld wird mehr, ohne dass man dafür viel tun müsste - bisher jedenfalls. Doch wird das auch in Zukunft so bleiben?

Im Wesentlichen sind es zwei Effekte, die dafür verantwortlich sind, dass Anleger an der Börse auch in Zeiten niedriger Zinsen von verhältnismäßig hohen Renditen profitieren: Das Wachstum der Weltwirtschaft und der Zinseszinseffekt.

Mehr als sieben Prozent Rendite pro Jahr - in der Vergangenheit

Natürlich ist jedes Investment in Aktien mit einem Risiko verbunden, kleinere und auch größere Kursschwankungen gehören dazu. Betrachtet man aber nicht das tägliche oder sogar jährliche Auf- und Ab, sondern den langfristigen Trend der Börsenkurse, gab es in der Vergangenheit nur eine Richtung: steil nach oben.

Bulle und Bär stehen auf einem steigenden Pfeil.

An der Börse ging es bisher langfristig steil nach oben

Der MSCI World, ein Indexfonds, der die Kursentwicklung von rund 1.600 Unternehmen in Industrieländern abbildet, ist in den vergangenen 50 Jahren jährlich durchschnittlich um mehr als sieben Prozent gewachsen. Hätte man also vor 50 Jahren 1.000 Euro in diesen Index gesteckt, wären daraus im Laufe der Jahre über 29.000 Euro geworden - ein sensationeller Wertzuwachs. Doch wer sagt, dass das auch in Zukunft so sein wird?

#17 Lass doch mal dein Geld arbeiten

Economista 13.06.2021 23:52 Min. Verfügbar bis 13.06.2022 WDR Online


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Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass die Rendite in Zukunft ähnlich hoch ausfällt wie in der Vergangenheit. Dass man mit einem breit gestreuten Investment in Aktien langfristig aber deutlich besser darstehen wird als mit einem klassischen Tagesgeldkonto, ist sehr wahrscheinlich. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens: Die Weltbevölkerung wird wachsen - und mit ihr die Wirtschaft

Die Vereinten Nationen erwarten, dass die Weltbevölkerung bis 2064 auf knapp unter zehn Milliarden Menschen ansteigen wird. Für Anleger sind das gute Nachrichten, denn: Desto mehr Menschen es gibt, desto mehr wird auch konsumiert.

Babys auf einer Neugeborenenstation (Archivbild)

Die Weltbevölkerung wächst, der Lebensstandard auch - gut für die Wirtschaft

Zusätzlich wird der Lebensstandard langfristig in den meisten Teilen der Welt steigen, besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern. Und mit dem Lebensstandard steigt auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Das ist gut für die Weltwirtschaft - und damit auch für Anleger, die über Aktien an Unternehmensgewinnen beteiligt werden.

Zweitens: Die menschliche Natur sorgt für ständige Weiterentwicklung

Schon seit der Entdeckung des Feuers streben Menschen danach, ihr Leben einfacher, bequemer oder angenehmer zu machen. Der ständige Drang nach Innovationen liegt in der Natur des Menschen: Egal, wie komfortabel man schon lebt, der Wunsch nach "noch mehr, noch besser, noch einfacher" wird vermutlich nie ganz gestillt sein.

Es gibt keinen Grund, warum sich das in Zukunft ändern sollte. Neue Geschäftsmodelle werden entstehen, die sich heute noch niemand vorstellen kann. Technischer Fortschritt wird die Produktion noch effizienter machen. Und dabei werden innovative Unternehmen weiterhin kräftige Gewinne machen - an denen diejnigen, die das nötige Risikokapital zur Verfügung stellen (also z.B. Aktionäre), beteiligt werden.

Windräder mit Sonnenuntergang.

Der Klimawandel sorgt für Innovationsdruck

Wer davon profitieren möchte, investiert zum Beispiel in einen möglichst breit gestreuten Fonds, also in einen Aktien-Mix aus verschiedenen Branchen und Regionen der Welt. Das Prinzip: Läuft es für Unternehmen in einer Region oder einer Branche nicht so gut, gleichen andere Unternehmen das aus. Und da die Zusammensetzung von Fonds oder ETFs in regelmäßigen Abständen überprüft wird, ist es auch nicht schlimm, wenn einzelne Aktientitel beispielsweise durch den Klimawandel langfristig nicht mehr profitabel sein werden: Die entsprechenden Unternehmen fallen einfach aus dem Index raus und werden durch neue ersetzt, die es momentan vielleicht noch nicht einmal gibt.

Drittens: Der Zinseszinseffekt

Der zweite Faktor, der dafür sorgt, dass sich das Geld vieler Anleger praktisch von selbst vermehrt, ist der Zinseszinseffekt. Ähnlich wie auf dem Sparbuch profitieren Anleger dabei davon, dass von erzielten Börsengewinne neue Aktien-, beziehungsweise Fondsanteile gekauft werden.

So ergibt sich im Laufe der Jahre ein exponentielles Wachstum, das auch aus monatlich überschaubaren Investitionsraten eine ordentliche Rendite werden lässt. Wer beispielsweise für die Altersvorsorge 30 Jahre lang jeden Monat 25 Euro in einen ETF einzahlt, hat bei einer jährlichen Rendite von sieben Prozent am Ende eine Gesamtsumme von mehr als 30.000 Euro zusammen – obwohl nur 9.000 Euro eingezahlt wurden.

Am einfachsten lässt sich ein solcher Zinseszinseffekt an der Börse über einen sogenannten thesaurierenden Fonds erreichen. Dabei werden die Dividenden nicht an die Anleger ausgezahlt sondern automatisch wieder angelegt. Dadurch steigt der Kurs von thesaurierenden Fonds langfristig stärker als der von ausschüttenden Fonds, bei denen die Dividende an die Anleger überwiesen wird.

Nicht vergessen: Inflation reduziert Rendite

Wer langen Atem beweist, und auch bei Börsenkrisen nicht panisch Anteile verkauft, kann über lange Zeiträume durchaus mit Renditen von vielen 10.000 oder sogar 100.000en Euro rechnen, wie Zinseszinsrechner eindrucksvoll zeigen.

Dabei sollten Anleger aber nicht vergessen, dass die Inflation während des Sparzeitraums aber ebenfalls nicht stillsteht: Weil Preise kontinuierlich stiegen, verliert das Geld im Laufe der Jahre real an Wert. Die Inflationsrate pendelte in den vergangenen Jahren zwischen knapp einem und gut zwei Prozent. 1.000 Euro aus dem Jahr 2000 sind heute so nur noch knapp 750 Euro wert.

Stand: 14.06.2021, 12:41