Als die Lehman-Pleite die Welt erschütterte

Ein Händler steht an der Börse vor der Dax-Kurve

Als die Lehman-Pleite die Welt erschütterte

Von Anke Fricke

  • Vor zehn Jahren meldete Lehman Brothers Insolvenz an
  • Die Pleite löst ein Chaos an den Finanzmärkten aus
  • 50.000 deutsche Anleger verlieren ihr Erspartes
  • Auf die Finanzkrise folgt die Konjunkturkrise

15. September 2008: Lehman Brothers meldet Insolvenz an

Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Als nach einem Wochenende voller Unsicherheit klar wird, dass die durch die Finanzkrise in Schieflage geratene US-Investmentbank Lehman Brothers nicht gerettet werden wird, geraten die Finanzmärkte in Panik und die Börsenkurse brechen ein.

Wie konnte es zur Finanzkrise kommen?

Nachdem seit der Jahrtausendwende die Immobilienpreise in den USA rasant angestiegen sind, platzt die Blase 2006/2007. Die Häuserpreise fallen auf breiter Front, zugleich steigen die Zinsen. Jetzt rächen sich die wohl oftmals zu laxen Bonitätsprüfungen bei der Kreditvergabe. Viele Eigentümer können ihre Schulden nicht mehr bedienen. Nur: Die verbrieften Hypotheken sind im globalen Finanzsystem verstreut, unter Namen wie Asset Backed Securities (ABS) gebündelt, von Ratingagenturen mit Bestnoten bewertet und an Investoren verkauft. Als die Preise am US-Häusermarkt zu sinken beginnen und die Hypotheken der heillos überschuldeten Eigenheimer wertlos wurden, sorgen diese internationalen Verflechtungen für einen Flächenbrand.

Im Laufe des Jahres 2007 geraten erste Institute wie Bear Stearns in Zahlungsschwierigkeiten, weil sie sich verspekuliert haben. Auch die deutsche Mittelstandsbank IKB meldet im Sommer 2007 Finanzierungsprobleme im US-Hypotheken-Geschäft und muss mit sieben Milliarden Euro gerettet. Es ist der Beginn der größten Die Finanzkrise seit den 1920er Jahren.

Berater verschwiegen Lehman-Risiken

Betroffen sind auch rund 50.000 deutsche Anleger, die ihren Bankberatern vertraut und ihr Erspartes in Lehman-Zertifikate gesteckt hatten. Diese Papiere sind über Nacht wertlos geworden und es wird Jahre dauern, bis zumindest ein Teil des Kapitals zurückfließt.

19. September 2008: Finanzinstitute ohne Geld

Überall herrscht Misstrauen - Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr, die Finanzmaschinerie läuft trocken. Die US-Regierung schnürt ein Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar. Allein die deutsche Hypothekenbank HRE braucht in den kommenden Tagen 35 Milliarden Euro, um nicht in die Insolvenz zu gehen. Später wird die Bank verstaatlicht werden, auch die Commerzbank wird wie zahlreiche Wettbewerber nur dank massiver Staatshilfe überleben.

5. Oktober 2008: "Die Spareinlagen sind sicher"

 Zur Bankenkrise geben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundeskanzleramt ein Statement ab.

Anleger müssen beruhigt werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück garantieren vor laufenden Kameras die Sicherheit der Einlagen der deutschen Sparer bei den heimischen Instituten. Vorausgegangen war ein starker Anstieg der Abhebungen von 500-Euro-Scheinen in Deutschland.

8. Oktober 2008: Notenbanken öffnen den Geldhahn

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich daran, dass die immer auf ihre Unabhängigkeit pochenden westlichen Notenbanken in einer gemeinsamen Aktion ihre Leitzinsen senken - zum ersten Mal in der Geschichte. Billiges Geld soll die Liquidität erhöhen und das Finanzsystem vor dem Kollaps bewahren. Weitere Zinssenkungen folgen, bis die Leitzinsen in den USA und Europa bei null Prozent liegen.

13. Oktober 2008: Staatliche Rettung der Banken

Die Bundesregierung bringt ein Rettungspaket für angeschlagene Finanzinstitute mit einem Volumen von 480 Milliarden Euro auf den Weg, ebenso wie zahlreiche Nachbarstaaten. Wenige Wochen später beschließen die G-20-Mitglieder in Washington schärfere Kontrollen der Finanzmärkte.

Der Crash und die Folgen

Trotz historischer Niedrigzinsen wird aus der Finanzkrise eine Konjunkturkrise, viele fürchten um ihre Existenzen. Die deutsche Regierung kämpft mit einem umfangreichen Konjunkturprogramm gegen die Rezession. Dank der Subventionen in Milliardenhöhe übersteht die deutsche Wirtschaft die Krise relativ schnell.

Doch das Vertrauen in die Finanzbranche ist auch zehn Jahren nach der Lehman-Pleite nicht wieder hergestellt. Einer Umfrage der GfK zufolge haben lediglich 37 Prozent der Befragten "volles Vertrauen" in ihre Bank. Und viele Experten warnen davor, dass das Finanzsystem nicht gegen einen neuen Crash gefeit ist.

Stand: 14.09.2018, 10:18