Was wäre, wenn: Wind statt Atom und Kohle

Überzeugungsarbeit für Windkraft Markt 22.01.2020 06:35 Min. UT Verfügbar bis 22.01.2021 WDR Von Nico Rau, Ute Schyns

Was wäre, wenn: Wind statt Atom und Kohle

  • Gedankenspiel: Kraftwerke aus, Windräder an
  • Berechnungen des Wuppertal Instituts für den WDR
  • Problem: Wind ist unzuverlässig

Unser Strom: ein Mix, erzeugt aus Kohle, Erdgas, Atom - und ständig wachsenden Anteilen an erneuerbarer Energie. Die soll in Zukunft die Hauptrolle bei der Stromerzeugung spielen, mit der Windkraft als tragende Säule. Aber wie viele moderne Windräder müssten neu errichten werden, um ein konventionelles Kraftwerk zu ersetzen? Sascha Samadi, Energie-Experte beim Wuppertal Institut, hat das für den WDR mal durchgespielt - Kraftwerke aus, Windräder an.

Durchgerechnet: So viele Windräder wären nötig

Konventionelle Atom-, Kohle und Erdgaskraftwerke bringen viel Strom. Moderne Windkraftanlagen könnten sie ersetzen - theoretisch. Das zeigt unser Rechenexempel.

Grafik: Ein Windrad erzeugt im Jahr 8000 Megawattstunden (MWh).

Vorweg: Natürlich laufen Windräder nicht ständig. Mal produzieren sie viel Strom, mal stehen sie wegen einer Flaute still. Fest steht aber: Eine moderne Windenergie-Anlage an Land, die auf dem neuesten technischen Stand ist, erzeugt rund 8.000 Megawattstunden (oder 8 Gigawattstunden) Strom im Jahr.

Vorweg: Natürlich laufen Windräder nicht ständig. Mal produzieren sie viel Strom, mal stehen sie wegen einer Flaute still. Fest steht aber: Eine moderne Windenergie-Anlage an Land, die auf dem neuesten technischen Stand ist, erzeugt rund 8.000 Megawattstunden (oder 8 Gigawattstunden) Strom im Jahr.

Das reicht, um rund 2.200 Drei-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Laut Statistik verbraucht ein solcher Haushalt im Durchschnitt 3,6 Megawattstunden pro Jahr.

Aber die großen konventionellen Kraftwerke sind natürlich wesentlich leistungsstärker. Beispiel Erdgas: Eine Anlage wie die "Fortuna" in Düsseldorf, die 2016 in Betrieb ging, liefert im Jahr 2.400 Gigawattstunden Strom, wenn sie im Durchschnitt zu 50 Prozent ausgelastet ist - was typisch für Erdgaskraftwerke ist. Um diese Menge rein rechnerisch zu ersetzen, müssten 300 Onshore-Windenergieanlagen gebaut werden.

Beispiel Kohle: Ein großer Steinkohlekraftwerksblock wie der neue Block "Datteln 4" produziert bei einer typischen Auslastung von 75 Prozent etwa 6.800 Gigawattstunden Strom im Jahr. Eine Menge, die auch von rund 850 modernen Windrädern an Land geliefert werden kann.

Beispiel Atom: Soll ein AKW ersetzt werden, das bei einer typischen 90-prozentigen Auslastung jährlich 10.600 Gigawattstunden Strom produziert, müssten rund 1.330 moderne Windenergieanlagen an Land gebaut werden.

Der Wind allein wird nicht ausreichen

Wie gesagt: Es handelt sich um ein Gedankenspiel. Denn Windenergieanlagen sind in der Bevölkerung umstritten, und: Der Wind ist als alleinige Energiequelle zu unzuverlässig. Die logische Konsequenz, so Energie-Experte Samadi: "Eine stabile und möglichst günstige Deckung der Stromnachfrage kann in einem auf erneuerbaren Energien basierenden Stromsystem nur im Zusammenspiel mit verschiedenen Arten von Energieträgern, Speichern und einem ausreichend ausgebauten Stromnetz gelingen."

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WDR 5 Profit - aktuell 22.01.2020 04:01 Min. Verfügbar bis 21.01.2021 WDR 5

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Stand: 22.01.2020, 06:00