Tachomanipulation selbst erkennen

Frisierte Tachometer

Tachomanipulation selbst erkennen

Von Jörg Brunsmann

  • Gebrauchtwagen haben häufig manipulierte Tachos
  • Geschätzt jedes dritte Auto betroffen
  • Smartphone-Apps können Schummelei aufdecken

Künftig soll Tachomanipulation schwieriger werden: Seit dem 1. September gilt eine neue EU-Richtlinie, wonach neue Automodelle besser geschützt werden müssen. Es wird aber Jahre dauern, bis das am Gebrauchtwagenmarkt ankommt. Bis dahin müssen Käufer sich selbst schützen.

Blick ins Serviceheft hilft nicht

Der Tipp, auf Einträge in Serviceheften und auf Aufkleber vom Ölwechsel zu achten, ist inzwischen überholt. Im Internet kann man Blanko-Unterlagen kaufen, die von den Betrügern passend ausgefüllt werden. Bessere Anhaltspunkte findet, wer auf Abnutzung an Lenkrad, Pedalen und Schaltknauf achtet. Allerdings sind Autos, die viel im Kurzstreckenbetrieb gefahren wurden, hier deutlich stärker abgenutzt als reine Langstreckenfahrzeuge.

App liest Steuergeräte im Auto aus

Aussagekräftiger ist es, mit einer speziellen App die Steuergeräte des Autos auszulesen. Dafür benötigt man einen Adapter, der sich mit der Diagnosesteckdose des Wagens verbinden lässt. Kosten: Einmalig etwa 30 bis 70 Euro. Man muss allerdings einen Adapter passend zur Automarke kaufen, die man prüfen will.

Die Software kann zahlreiche Steuergeräte im Wagen auslesen – meistens wird der Tachostand nur in einem der Steuergeräte verändert, er ist aber in mehreren der Bordcomputer hinterlegt. Unstimmigkeiten lassen sich so aufdecken.

Zudem kann die App die Betriebsstunden des Fahrzeugs auslesen und eine Durchschnittsgeschwindigkeit errechnen. Wurde das Fahrzeug angeblich nur mit Schrittgeschwindigkeit bewegt, ist klar, dass da etwas nicht stimmen kann.

Tachomanipulation selbst erkennen

WDR 2 Servicezeit | 13.09.2018 | 03:22 Min.

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Seriennummer kann weitere Informationen liefern

Zusätzliche Informationen kann die Abfrage einer VIN-Datenbank liefern. VIN steht für "Vehicle Identification Nummer", quasi die Seriennummer des Autos. Häufig ist diese auch direkt an der Frontscheibe ablesbar.

In den Datenbanken kann hinterlegt sein, ob der Wagen irgendwo in Europa als gestohlen gemeldet wurde oder ob es sich beispielsweise um einen wiederaufgebauten Totalschaden handelt. Ebenfalls gespeichert sein können Bilder früherer Verkäufe. Wurde das Auto vor Jahren mit einem höheren Kilometerstand angeboten als er jetzt angeblich hat, ist die Sache klar. Die Abfrage einer VIN-Datenbank kostet etwa zehn bis 15 Euro pro Fahrzeug.

Stand: 12.09.2018, 15:03