Urlaubs-Strafzettel können teuer werden

Auslandsreisen: fiese Abzocke mit Bußgeldern Servicezeit 04.04.2019 06:38 Min. UT Verfügbar bis 04.04.2020 WDR

Urlaubs-Strafzettel können teuer werden

  • EU-Länder arbeiten bei Strafzettel zusammen
  • Eingetrieben werden Bußgelder ab 70 Euro
  • Vorsicht vor privaten Inkasso-Unternehmen

Vollstreckung EU-weit

Mittlerweile arbeiten die meisten EU-Länder zusammen und treiben für andere Staaten Bußgelder ein. In Deutschland ist dafür das Bundesamt für Justiz zuständig.

Eingetrieben werden nur Bußgelder ab 70 Euro – allerdings inklusive Verfahrensgebühren. Nur für Strafzettel aus Österreich liegt die Grenze laut ADAC bei 25 Euro. Wenn ein anderes Land also ein Bußgeld von 40 Euro verhängt hat und 30 Euro Gebühren draufschlägt, kann es das Bußgeld in Deutschland eintreiben.

Keine "Punkte" für Vergehen im Ausland

Anders als für Verstöße in Deutschland gibt es für Vergehen im Ausland keine "Punkte" in Flensburg. Auch einen deutschen Führerschein dürfen ausländische Behörden nicht einziehen.

Ein Fahrverbot können sie zwar aussprechen, das gilt dann aber nur für das Land, in dem der Verstoß begangen wurde – nicht für Deutschland. Trotzdem kann es teuer werden, denn in anderen Ländern sind die Strafen teils drastisch höher als in Deutschland.

Zahlen oder nicht?

Wer einen Strafzettel aus dem Ausland zugestellt bekommt und den Verstoß tatsächlich begangen hat, sollte die Strafe in der Regel zahlen – vor allem wenn er wieder in das betreffende Land reisen möchte. Denn selbst wenn der Halter es schafft, der Vollstreckung in Deutschland zu entkommen: Wenn er wieder ins das betreffende Land reist, kann die Strafe dort nach den jeweiligen örtlichen Gesetzen vollstreckt werden – und das oft Jahre später noch!

Ausnahme: Eindeutiger Fehler

Widerspruch sollten Autofahrer aber einlegen, wenn sie tatsächlich mit dem Vergehen nichts zu tun haben - vielleicht weil sich ein Zahlen- oder Buchstabendreher eingeschlichen hat und sie zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht im Ausland waren. Wer das nachweisen kann, hat gute Chancen, einer Strafe zu entgehen.

Vorsicht bei privaten Inkassounternehmen

Außerdem sollten Autofahrer grundsätzlich skeptisch sein gegenüber Bußgeldforderungen von privaten Inkassobüros. "Diese Unternehmen verweisen in ihren Schreiben zwar häufig auf den EU-Rahmenbeschluss, dieser hat jedoch nur für Behörden Bedeutung", so der ADAC.

Rabatte für "Schnellzahler"

Eine kleine Sparmöglichkeit gibt es manchmal: Einige Länder reduzieren Bußgelder nämlich, wenn sie entweder noch direkt vor Ort oder recht bald nach Zustellung des Bußgeldbescheids bezahlt werden.

Stand: 04.04.2019, 11:36