Bilanz nach Gründerserie: "Frauen gründen seltener" (Teil 2)

Symbolbild: Start-up

Bilanz nach Gründerserie: "Frauen gründen seltener" (Teil 2)

  • Interview mit WDR-Autorin Katja Scherer
  • "Beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Gründer"
  • Wenig Frauen in der Gründerszene

Gab es weitere Herausforderungen für die Gründer?

Das Schwierige beim Gründen ist, dass stets eine ganze Reihe von Faktoren stimmen muss, damit ein Start-up erfolgreich wird: Die Geschäftsidee muss gut sein, die Kunden müssen bereit dafür sein, das Team braucht die richtigen fachlichen Kompetenzen, es muss persönlich gut funktionieren und die richtigen Geschäftspartner finden.

Das mag zunächst banal klingen, ist es aber nicht. Gründen ist ein jahrelanger Lernprozess und die Kernfrage ist: Schafft man es, alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, bevor einem das Geld ausgeht? Es kann zum Beispiel passieren, dass ein Gründer erst nach jahrelangem Herumprobieren endlich weiß, wo es strategisch lang geht – aber die Investoren vorher die Geduld verlieren und einen Schlussstrich ziehen.

Gab es etwas, das Dich persönlich beeindruckt hat?

Vor allem das Durchhaltevermögen der Gründer. Der Kölner Timo Marks von der Firma Onefid (ehemals Schuhleister) hat trotz einer Insolvenz weitergemacht; das Aachener Team Emsu (ehemals Physiosense) hat seine Geschäftsidee komplett verworfen und neu angefangen. Für die Gründer war das natürlich jeweils eine total frustrierende Phase mit sehr viel Unsicherheit, teils auch finanziell.

Dennoch haben sie nicht gesagt: 'Hey, wir sind jung, gut ausgebildet und können irgendwo in der Industrie mit unserer Qualifikation eine ruhigere Kugel schieben und deutlich mehr verdienen.' Sondern sie haben sich reingekniet und den Neustart gewagt, weil sie an ihre Idee glaubten und sich ihren Mitarbeitern verantwortlich fühlten. Und das obwohl sie wissen, auch beim zweiten Anlauf gibt es keine Garantie auf Erfolg.

Auffällig ist, dass die Gründer ausnahmslos Männer sind. Wo sind die Gründerinnen?

Die fehlen – und zwar nicht nur bei uns in der Serie! Am Anfang unserer Serie war in einem der Teams eine Gründerin dabei, diese hat das Unternehmen aber inzwischen verlassen. Insgesamt liegt der Anteil von Gründerinnen in der Start-up-Szene aktuell bei 15,1 Prozent, laut Female Founders Monitor. Dazu kommt, dass Gründerinnen im Schnitt weniger Geld von Investoren einsammeln als Gründer. Frauen gründen also nicht nur seltener, sondern oft auch kleiner.

Woran liegt das?

Die Gründe dafür sind vielfältig; vor allem bräuchte es wohl mehr Vorbilder. Außerdem erfordert ein Start-up zumindest in den ersten Jahren meist einen hohen persönlichen Einsatz. Zwei Gründer aus unserer Serie etwa, die kürzlich Vater geworden sind, haben nach der Geburt jeweils nur Auszeiten von ein bis zwei Wochen genommen. Natürlich kann man auch als Frau Start-up und Familie vereinbaren! Aber ich denke, es kann in bestimmten Lebensphasen schwieriger sein. Man braucht verlässliche Mitgründer und ein gutes persönliches Netzwerk.

Die Fragen stellte Peter Schneider.

Stand: 13.06.2019, 09:48