Start-up-Bilanz: "Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz"

Ein Start-Up-Unternehmen

Start-up-Bilanz: "Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz"

  • Rückblick auf zwei Jahre Start-up-Serie
  • Interview mit der Autorin Katja Scherer
  • Nicht alle Gründer waren erfolgreich
Katja Scherer

Autorin Katja Scherer

Zwei Jahre hat der WDR fünf Start-ups aus Nordrhein-Westfalen in ihrer spannenden Gründerphase begleitet.

WDR-Autorin und Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer hat dabei Geschichten über Krisen, Erfolge, Zweifel und Begeisterung erlebt und darüber berichtet. Wir haben sie zu ihren persönlichen Erfahrungen befragt.

Übersicht über die Start-up-Serie

Du hast fünf Start-ups in den vergangenen zwei Jahren begleitet. Waren es fünf Erfolgsgeschichten oder hast Du auch Gründer scheitern sehen?

Von den fünf Startups vom Anfang sind noch vier dabei, ein Gründer musste aufgeben. Bei Unternehmer Feddo Loer und seiner Reparatur-Werkstatt für historische Nähmaschinen reichten die Einnahmen nicht, um die Ladenkosten dauerhaft zu decken. Wir haben ihn in unserer Serie knapp zwei Jahre lang begleitet, wie er viele Wochenenden durchgearbeitet und einen Großteil seiner Ersparnisse in den Laden investiert hat. Dennoch hat es nicht gereicht.

Gründerserie - Bilanz nach zwei Jahren

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 13.06.2019 03:17 Min. WDR 5

Download

Bei den anderen hat's geklappt?

Die anderen Gründer sind noch im Rennen, aber auch da gab es Probleme: eine Insolvenz, Streit im Gründerteam, verworfene Geschäftsideen. Die Serie hat bisher vor allem eines gezeigt: In den Medien geht es beim Thema Start-ups oft um schnelle Millionen-Finanzierungen und hippe Events. Tatsächlich braucht man als Gründer aber im Alltag oft sehr viel Ausdauer und Frustrationstoleranz.

Womit haben die Gründer am ehesten zu kämpfen?

Eine große Herausforderung für viele Gründer war, ein Produkt zu finden, das tatsächlich zu den Bedürfnissen der Kunden passt. Ein Beispiel ist Foodtracks aus Münster: Die Gründer wollten einen selbstlernenden Algorithmus entwickeln, der Bäckern automatisch prognostiziert, wie viel Ware sie an welchem Tag und bei welchem Wetter einkaufen müssen, damit am Abend nichts übrig bleibt. So wollten sie verhindern, dass Bäckereien überflüssige Backware in den Müll werfen.

Eigentlich eine gute Idee, die zwar viele Bäcker lobten - aber wenige wirklich anwenden wollten. Es hat über ein Jahr gedauert bis die Gründer herausgefunden haben, warum: Für viele Bäckereien war ihre Geschäftsidee zu fortgeschritten. Die brauchten erstmal ein digitales Warenwirtschaftssystem, bevor sie über selbstlernende Algorithmen nachdenken konnten.

Hier geht's zu Teil 2 des Interviews - mehr zu den Herausforderungen für die Gründer und der Männerlastigkeit der Szene.

Stand: 13.06.2019, 09:48