Schlüssel-Notdienst: So lässt sich Abzocke vermeiden

Schlüssel-Notdienst: So lässt sich Abzocke vermeiden

Von Klaus Kuderer

Die Tür fällt ins Schloss, der Schlüssel ist noch drin. Wer jetzt den Schlüsseldienst ruft, sollte ein paar Regeln beachten, um nicht abgezockt zu werden.

Wer sich versehentlich aussperrt, will möglichst schnell wieder in seine Wohnung zurück. Diese Zwangslage nutzen viele Schlüsseldienste aus. Vor allem unter den Schlüssel-Notdiensten gibt es viele schwarze Schafe, warnen die Verbraucherzentralen.

Schlüsseldienst

WDR 2 Servicezeit | 16.01.2018 | 03:16 Min.

Download

Viele unseriöse Anbieter

Eine beliebte Masche besteht darin, in gedruckten und elektronischen Branchenbüchern den Geschäftssitz zu verschweigen. Wird ein Auftrag erteilt, kommt der Handwerker von einem weit entfernten Ort und berechnete erhebliche Anfahrtskosten.

Aber selbst bei einer ortsansässigen Rufnummer kann man nie sicher sein, ob der Dienstleister auch wirklich aus der Region kommt oder weit anfahren muss. Häufig wird man dann mit einem Callcenter irgendwo im Land verbunden. Schwammige Auskünfte über Ort und Eintreffen des Monteurs sind nicht selten. Oft bleiben Angaben hinsichtlich des zu erwartenden Arbeitsaufwands und der Kosten erstmal vage. Das Problem: Als Schlüsseldienst-Anbieter benötigt man keine qualifizierte Ausbildung.

Die Tipps im Überblick

  • Nur ortsansässige Anbieter anrufen und konkret nach dem Abfahrtsort fragen
  • Alle Kosten einschließlich Fahrtkosten vorher abklären, möglichst einen Festpreis vereinbaren
  • Nur das Öffnen der Tür beauftragen, das Austauschen des Schlosses ist meist nicht nötig!
  • Ein Fachmann genügt, weitere Mitarbeiter vor Zeugen zurückweisen
  • Bei Nötigung, wenn man nicht sofort zahlt, die Polizei rufen

Experten raten außerdem dazu, Fantasieposten wie Spezialwerkzeuge und Sonderzuschläge nicht zu akzeptieren. In der Regel dauert das Türöffnen nur ein, zwei Minuten. Für den Austausch eines Zylinders aber, der meist nicht notwendig ist, wird viel zusätzliche Arbeitszeit berechnet. Auf einer Rechnung müssen zudem alle Einzelposten stehen. In der Branche gelten Stundensätze von 40 bis 75 Euro als üblich, die Aufschläge für Nacht- oder Wochenend-Einsätze betragen durchschnittlich 50 Prozent.

Bundesweite Richtpreise

Der Bundesverband Metall (BVM) hat 2011 unverbindliche Richtpreise veröffentlicht, unterschieden nach Stadtgrößen: Werktags sind demnach tagsüber etwa 120 Euro einschließlich Anfahrtspauschale in Ordnung, an einem Feiertag aber auch bis zu 250 Euro noch zu rechtfertigen.

Im Zweifel zum Anwalt

Wer dennoch auf einen Abzocker hereingefallen ist und nun eine offenkundig viel zu hohe Rechnung auf dem Tisch liegen hat, sollte protestieren und mit Anwalt, Verbraucherzentrale oder Wettbewerbszentrale sowie Anzeige wegen Wucher drohen. "Zahlreiche Praktiken der Schlüssel-Notdienste sind wettbewerbswidrig, Wettbewerber und Verbraucherzentralen können das abmahnen. Darauf mögen sich manche Firmen lieber nicht einlassen und reduzieren den geforderten Betrag", sagt die Düsseldorfer Rechtsanwältin Katia Genkin.

Übrigens: In einigen Fällen zahlt die Hausratversicherung den Schaden.

Stand: 16.01.2018, 10:23