Elektrogeräte - wie Hersteller bei Ersatzteilen tricksen

Elektrogeräte - wie Hersteller bei Ersatzteilen tricksen

  • Ersatzteile für viele Elektrogeräte fehlen
  • Hersteller verweigern die Lieferung
  • Ersatzteile oftmals überteuert
  • Oft ist Reparatur nur beim Hersteller möglich

Das ist ärgerlich. Kaum ist die Garantie vorbei, gibt der Mixer oder Staubsauger den Geist auf. Will man die kaputten Elektrogeräte dann selbst reparieren oder reparieren lassen, wird der Unmut oft noch größer: Entweder es gibt überhaupt keine Ersatzteile oder die Reparatur ist überteuert.

Elektroschrott wegen fehlender Ersatzteile

Selbst Fachhändler wie Dirk Wiehlpütz aus Sankt Augustin haben oft Schwierigkeiten, die nötigen Ersatzteile vom Hersteller zu bekommen. Er hat einen kaputten Philips-Fernseher von einem Kunden im Laden, der gerade einmal drei Jahre alt ist und seinerzeit rund 2.000 Euro gekostet hat. "Man könnte das Gerät eigentlich für 200 bis 250 Euro reparieren. Aber leider ist das Ersatzteil nicht mehr lieferbar", sagt Wiehlpütz. Damit wird aus dem Fernseher Elektroschrott.

Teure Ersatzteile für freie Händler

Weiteres Problem: Manchmal sind die Ersatzteile so teuer, dass sich die Reparatur nicht lohnt. Oder nur ausgewählte Händler erhalten Ersatzteile zu vertretbaren Preisen - beispielsweise bei Samsung. So soll Radio- und Fernsehtechniker Uwe Lülsdorf für ein Samsung-Ersatzteil 400 Euro zahlen - die Samsung-Vertragswerkstatt kostet das gleiche Stück nicht einmal 200 Euro!

Reparaturen nur beim Hersteller

Auch bei Mobiltelefonen gibt es regelmäßig Verbraucherbeschwerden. "Das Problem ist, dass Apple keine Ersatzteile liefert, so dass man im Endeffekt wirklich nur auf Kopien aus China zurückgreifen kann", sagt Wiehlpütz. Ähnlich beim Thermomix von Vorwerk. Die Wuppertaler verkaufen ebenfalls keine Ersatzteile an freie Händler. Die Küchenmaschine kann man letztlich nur vom Vorwerk-Kundendienst reparieren lassen.

EU-Parlament fordert Reparaturverordnung

Immerhin hat das EU-Parlament schon festgestellt: Hersteller scheinen Reparaturmöglichkeiten auszuhebeln. Die Parlamentarier haben die Kommission daher vor einem Jahr aufgefordert, eine entsprechende Verordnung zu erlassen: Für Reparierbarkeit und Ersatzteilversorgung, allerdings ist bislang noch nicht passiert.

Pflicht zur Ersatzteillieferung in der Autoindustrie

Für Autos ist das bereits gesetzliche Pflicht. Hier müssen Hersteller freie Werkstätten genauso mit Ersatzteilen beliefern wie die Vertragswerkstätten. Und damit hat der Konsument eben die freie Wahl, wo er seine Reparatur durchführen lässt.

Stand: 06.06.2018, 18:00