Plastikmüll: Forscher fordern "Plastikwende"

Wegwerf-Plastikprodukte

Plastikmüll: Forscher fordern "Plastikwende"

  • Forscher wollen "Plastikwende"
  • Jeder Deutsche produziert 38 Kilogramm Plastikmüll
  • Streit um Recyclingquote

Im Kampf gegen die weltweite Umweltverschmutzung mit Kunststoffen fordern Umweltschützer ein Verbot von Mikroplastik und strengere Vorgaben der Politik für Energie- und Chemiekonzerne.

Es brauche eine Plastikwende, sagte der Chef der Umweltorganisation BUND, Hubert Weiger. Gemeinsam mit der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung präsentierte der BUND am Donnerstag (06.06.2019) den "Plastikatlas" mit Zahlen und Hintergründen.

Niedrige Recyclingquote für Plastikprodukte

Die Zahlen im Plastikatlas sind drastisch: Über 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden demnach pro Jahr weltweit hergestellt, zwischen 1950 und 2015 waren es insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen. Nicht einmal ein Zehntel davon sei recycelt worden. Jeder Deutsche produziert demnach 38 Kilo Plastikmüll pro Jahr - und liegt damit deutlich über dem EU-Schnitt von 24 Kilogramm.

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Mehr als ein Drittel der hergestellten Kunststoffe wird für Verpackungen verwendet. Schätzungen zufolge würden rund 40 Prozent der Plastikprodukte in weniger als einem Monat zu Abfall, sagte Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung.

Widersprüchliche Recyclingquoten

Streit gibt es immer wieder um die sogenannte Recycling-Quote von Kunststoff. Die offizielle Quote in Deutschland lag nach Angaben des Bundesumweltministeriums im Jahr 2017 bei 46 Prozent. Von den 6,15 Millionen Tonnen Abfall wurden demnach knapp 1,8 Millionen Tonnen Kunststoffrezyklat zur Herstellung neuer Kunststoffe gewonnen - also knapp 30 Prozent.

Der Plastikatlas kommt auf eine andere Quote: Nur 15,6 Prozent der Kunststoffabfälle würden zu Rezyklat. "Von einer Kreislaufwirtschaft kann kaum gesprochen werden", urteilt der Plastikatlas.

Müll in NRW: 469 Kilogramm pro Kopf

Knapp 8,4 Millionen Tonnen Müll produzierten die Haushalte in NRW im Jahr 2017. Ein Blick auf die Zahlen - und das, was jeder einzelne zur Müllmenge beiträgt.

Knapp 8,4 Millionen Tonnen Müll sind 2017 in NRW angefallen. Der größte Teil entfällt auf den Haus- und Sperrmüll, Wertstoffe machen knapp ein Drittel aus. Doch was bedeuten diese Mengenangaben? Wir haben sie umgerechnet - in die Müllmenge pro Kopf in NRW und die Anzahl von Lastwagen, die nötig sind, um dieses Gewicht abzutransportieren.

So genannte Haushaltsabfälle machen das Gros des Müllaufkommens auf. 469 Kilogramm sind das pro Kopf. Um die Haushaltsabfälle aller Menschen in NRW abzutransportieren, sind 335.697 Lastwagen nötig. Die würden hintereinander aufgestellt eine mehr als 4.500 Kilometer lange Schlange bilden. Das ist etwa die Strecke von NRW nach Moskau und zurück.

Neben dem Hausmüll machen organische Abfälle einen großen Teil des Müllaufkommens aus. 2017 waren das 115 Kilogramm pro Einwohner und man hätte damit 82.464 Lastwagen beladen können.

Joghurtbecher, Folien und Milchtüten gehören zu den "Leichtverpackungen", von denen 2017 immerhin 564.523 Tonnen angefallen sind. Das sind pro Person 31,5 Kilogramm.

Während das Aufkommen von Leichtverpackungen und organischen Abfällen 2017 im Vergleich zu 2016 leicht gesunken ist, blieb die Menge an Papiermüll konstant bei 69 Kilogramm je Einwohner. Die gut 1,2 Millionen Tonnen Papier und Pappe passen auf knapp 50.000 Lastwagen.

21 Kilogramm Glas entfallen auf jeden Einwohner in NRW pro Jahr. Insgesamt sind das 362.652 Tonnen, für die 14.506 Lastwagen gebraucht würden.

Viel Müll landet aber gar nicht im privaten Mülleimer, sondern wird unterwegs produziert. 2,8 Milliarden Einwegbecher wurden beispielsweise 2016 in Deutschland verbraucht, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Müll zu vermeiden ist im Trend - muss das sein, oder reicht es nicht, den Abfall zu trennen. Die WDR-Reporter sind dem nachgegangen.

Stand: 07.06.2019, 12:31