Pfando: Vorsicht bei "Geld gegen Auto"

Autopfandhaus Pfando

Pfando: Vorsicht bei "Geld gegen Auto"

  • Kunden-Anwälte halten Verträge für fehlerhaft
  • Kein Recht auf Rückkauf
  • Pfando bestreitet Kritik und will an Praxis festhalten

Unkompliziert Bargeld fürs Auto bekommen und trotzdem weiterfahren: Damit lockt Pfando in der Fernsehwerbung. Kunden werfen Pfando vor, sie nicht korrekt beraten zu haben.

Pfando: Vorsicht bei "Geld gegen Auto"

WDR 5 Profit - aktuell 24.09.2019 04:00 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 WDR 5

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Fritz Becker, der eigentlich anders heißt, brauchte dringend Bargeld. Im Fernsehen wurde er auf Pfando aufmerksam und ging in eine Pfando-Filiale. Dort ließ er sich beraten und unterschrieb den Vertrag.

Kunden berichten von fehlender Aufklärung

Erst hinterher stellte er fest, dass er damit sein Fahrzeug verkauft hatte – für weniger als der Hälfte des ermittelten Wertes. Im Beratungsgespräch sei aber von „Beleihung“ des Fahrzeuges die Rede gewesen – wie bei einem normalen Pfandgeschäft; hier verliert der Kunde nicht das Eigentum an seinem Fahrzeug. Mehrere Kunden berichteten dem WDR, von Pfando nicht aufgeklärt worden zu sein, dass sie ihren Wagen verkaufen und nicht verpfänden.

Kein Recht auf Rückkauf

Das Geschäft von Pfando funktioniert so: Die Kunden verkaufen ihr Auto und haben bei Vertragsende kein Rückkaufsrecht. Gleichzeitig mieten sie das Auto zurück. Gegen die monatliche Mietzahlung dürfen sie weiterfahren.

Statt eines Rückkaufs sehen die Verträge am Ende eine Versteigerung vor. Nach WDR-Recherchen bietet Pfando den Kunden das Auto in der Praxis regelmäßig zum Rückkauf an – dabei sind Verbraucher aber auf die Kulanz von Pfando angewiesen.

Über tausend Euro fürs Auto-Abholen

Wenn Pfando einen Wagen abholt, hat die Firma normalerweise zuvor den Mietvertrag gekündigt – etwa wegen nicht gezahlter Miete. Dafür berechnet Pfando rund 1.000 Euro. Nach einem aktuellen Urteil des Landgerichts Frankfurt sind die entsprechenden Vertragsklauseln aber unwirksam.

Dennoch fühlt sich Pfando durch das Urteil in seiner Rechtsauffassung bestärkt. Die Verträge an sich beanstandete der Landgericht nämlich nicht. Auch an der Praxis, die Fahrzeuge abzuholen, will Pfando festhalten. Andernfalls, schreibt Pfando auf Anfrage, müsse die Firma auf Herausgabe klagen. Dadurch entstünden den Kunden weitaus höhere Kosten.

Womöglich gibt es ein Widerrufsrecht

Anwälte von Kunden bewerten die Verträge ganz anders. So müsse es in den Verträgen ein Widerrufsrecht geben, meint der Dortmunder Rechtsanwalt Kay Koeppen.

Die Pfando-Verträge seien vergleichbar mit einem Verbraucherdarlehensvertrag, meint auch Kunden-Anwältin, Sabrina Steller. Darlehensverträge können Verbraucher widerrufen. Und das müsse entsprechend auch bei Pfando gelten. Das Unternehmen bestreitet das und verweist auf das Urteil aus Frankfurt.

Verträge genau lesen

Fazit: Verbraucher sollten bei Pfando vorsichtig sein. Sie müssen sich bewusst sein, dass sie das Eigentum am Auto verlieren und kein Rückkaufrecht haben. Daher sollten sie die Verträge in Ruhe lesen. Denn am Ende zählt im Zweifel, was dort steht.

Stand: 24.09.2019, 10:48