Pfando bietet Bargeld zu hohem Preis

Autopfandhaus Pfando

Pfando bietet Bargeld zu hohem Preis

Von Philip Raillon und Wolfgang Landmesser

  • Pfando kauft Auto für Hälfte des Wertes
  • Kunden mieten das Auto teuer zurück
  • Rückkauf des Autos vertraglich ausgeschlossen

Geld fürs Auto bekommen und trotzdem weiterfahren - das ist das Versprechen von Pfando. Allerdings kann das sehr teuer werden.

Das Geschäftsprinzip von Pfando heißt "sale and rent back": Der Kunde verkauft sein Auto an Pfando und erhält dann sofort Bargeld. Anschließend mietet er seinen Wagen von Pfando wieder zurück.

Pseudo-Pfandgeschäft mit Tücken

WDR 5 Profit - aktuell 07.03.2019 04:23 Min. Verfügbar bis 06.03.2020 WDR 5 Von Philip Raillon

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Keine große Transparenz

In den von uns recherchierten Fällen geht Pfando bei der Kundenberatung intransparent mit seinem Geschäftsmodell um. Ein WDR-Testkunde berichtete, dass es Informationen nur auf Nachfrage gebe. Als er nach den Geschäftsbedingungen fragte, wurde ihm die Pfandleihverordnung gezeigt. Allerdings gilt diese bei Pfandos Geschäftsmodell gar nicht. Denn das hat mit einem Pfandgeschäft meistens nichts zu tun - trotz des Namens.

Jahreszins von 120 Prozent

Nach WDR-Recherchen liegt der Kaufpreis für die Autos bei maximal der Hälfte deren Wertes. Der Wert des Wagens wird anhand von Fotos in der Pfando-Zentrale bestimmt. Richtig teuer wird aber der Mietvertrag.

"Ich wollte 2.000 Euro haben. Das war kein Problem, weil mein Wagen 5.000 Euro wert ist", erinnert sich der WDR-Test-Kunde. Maximal hätte Pfando 2.500 Euro gezahlt. Für die 2.000 Euro verlangte Pfando monatlich 198 Euro Miete - zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr in Höhe von 99 Euro. In einem halben Jahr hätte der Kunde somit 1.300 Euro zahlen müssen.

Auch, wenn es sich dabei nicht direkt um ein klassisches Darlehen handelt: Die Kosten aus Miete und Gebühr entsprächen bei einem Kredit einem Jahreszins von mehr als 120 Prozent.

Versteigerung statt Rückkauf

Mit den Zahlungen an Pfando kauft der Kunde seinen Wagen nicht zurück. Es ist eine reine Mietzahlung. Wenn Kunden am Ende der Mietzeit den Wagen wieder zurückkaufen wollen, haben sie darauf keinen Anspruch. Ein Rückkauf zum ursprünglichen Preis ist daher nur aus Kulanz möglich.

Ein solcher Vertrag mit Rückkaufsrecht wäre nämlich verboten, sagt Kay Koeppen. Der Rechtsanwalt bei der Dortmunder Kanzlei Spieker und Jaeger hat sich die Verträge für den WDR angeschaut. Anstelle eines Rückkaufs sehen die Verträge am Ende eine öffentliche Versteigerung vor. Dort kann der Kunde laut Vertrag mitbieten oder er bekommt den möglichen Mehrerlös ausgezahlt.

Rückkaufsmöglichkeit bei Vertragsende

Trotzdem: In der Praxis können Kunden den Wagen offenbar zurückkaufen. Auch in den vom WDR recherchierten Beratungsgesprächen vermittelt Pfando den Eindruck, dass eine Möglichkeit zum Rückkauf besteht.

Pfando bestreitet dies auf Anfrage des WDR und verweist auf die zweiwöchigen Versteigerungen "in unserer Hauptniederlassung". Weiter schreibt Pfando, die Mitarbeiter würden regelmäßig darin geschult, den Sachverhalt "klar und juristisch korrekt" zu erklären. Pfando hat im Zuge der Recherchen kleine Ungenauigkeiten auf seiner Webseite eingeräumt und ausgebessert.

Dazu schreibt Pfando auf Anfrage: "Wir haben die Bezeichnunqen als ... Kfz Pfandleihhaus entfernt, um noch mehr Transparenz zu bieten. Dies tun wir vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Weiterfahroption unser Kerngeschäft ist und wir die klassische Pfandleihe nur noch in speziellen Fällen anbieten."

Bei Mietverzug holt sich Pfando das Auto

Wenn der Kunde nicht rechtzeitig seine monatliche Miete zahlt, darf Pfando laut Vertrag den Wagen innerhalb von wenigen Tagen abholen. Dabei treten die Mitarbeiter durchaus robust auf, wie der Kunde dem WDR erzählt: Sein Wagen verschwand über Nacht aus der privaten Tiefgarage - inklusive privater Sachen im Auto.

Für das Abholen berechnet Pfando rund 1.000 Euro. Dabei wird der Wagen mit dem Zweitschlüssel einfach weggefahren und steht wenige Tage später auf der Online-Versteigerungsliste. Der Haken: Nach den Recherchen des WDR wird den Kunden der genaue Versteigerungsort nicht genannt.

Stand: 07.03.2019, 18:05