Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt? Servicezeit 07.10.2019 06:06 Min. UT Verfügbar bis 07.10.2020 WDR Von Tobias Spelz

Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

Von Jörg Marksteiner

  • Auspacken, testen und ausprobieren sind erlaubt
  • Fürs Zurückschicken keine Gründe nötig
  • Bei intensiver Nutzung droht Abzug vom Kaufpreis

Zurückschicken, was nicht gefällt: Anders als im Laden haben Kunden beim Online-Einkauf das Recht, Ware 14 Tage nach Erhalt wieder zurückzugeben und den Preis erstattet zu bekommen. Formal wird der "Vertrag widerrufen." Die Idee dahinter: Beim Kauf aus der Ferne kann der Kunde die Ware ja nicht so begutachten wie im Laden.

Zu Hause kann der Kunde die Funktion und die Eigenschaft der Ware prüfen und testen. Das heißt: Das Hemd muss nicht so makellos gefaltet sein wie beim Empfang, die Verpackung des Elektroartikels darf natürlich geöffnet und das Gerät eingeschaltet werden. Der Kunde muss aber "schonend" testen, darf also keine größeren Abnutzungsspuren hinterlassen.

Online-Einkauf: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 04.04.2019 05:20 Min. Verfügbar bis 03.04.2020 WDR 5

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Kunde muss eventuell für Wertverlust aufkommen

Wer es beim Ausprobieren übertreibt und etwa verschwitzte Shirts oder verkratzte Artikel zurückschickt, kann dafür – zumindest theoretisch – zur Kasse gebeten werden. Der Shop darf in solchen Fällen "Wertersatz" geltend machen. Der Kunde bekommt dann nicht den vollen Kaufpreis erstattet. Tatsächlich sind viele Versender aber recht kulant und suchen nicht mit der Lupe nach Fehlern.

Nicht alle Artikel können zurückgegeben werden

Grundsätzlich ausgeschlossen von der Rückgabe sind Artikel, die aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen extra versiegelt sind. Dazu gehören frei verkäufliche Arzneimittel, Fertiggerichte, Zahnbürsten oder Kosmetik.

Auch versiegelte Filme, DVDs und Downloads, wo das Siegel entfernt wurde sowie individuell angefertigte Artikel wie Maßanzüge sind vom Widerrufsrecht ausgeschlossen. Ebenso schnell verderbliche Waren wie Lebensmittel und einzelne Zeitschriften oder Zeitungen.

Matratzen dürfen ausgepackt werden

Dagegen dürfen Matratzen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zurückgeben werden - auch wenn der Käufer die Schutzfolie schon entfernt hat. Der Verkäufer könne die Matratze reinigen und wieder verkaufen, befanden die obersten EU-Richter im März 2019.

Grund muss nicht angegeben werden

Für seine Retoure muss ein Onlinekunde keinen Grund angeben. Die Rücksendekosten trägt grundsätzlich der Kunde, in der Praxis werden sie aber von vielen Onlineshops übernommen.

Originalverpackung nötig

Der Originalkarton ist nicht unbedingt nötig, die Originalverpackung sollte aber mitgeschickt werden. Außerdem muss alles versandfest und sicher verpackt werden. Ist alles korrekt, muss der Händler die Waren annehmen und innerhalb von 14 Tagen den Kaufpreis erstatten. Gutscheine muss niemand akzeptieren.

Fristen einhalten

Das Widerrufsrecht gilt 14 Tage ab Erhalt der Ware. Kommt die in mehreren Lieferungen, beginnt die Frist für alle Artikel erst mit dem Erhalt des letzten. Dann reicht es, den Widerruf innerhalb von 14 Tagen erst einmal per Mail, Fax oder Brief zu erklären. Vor dem Zurückschicken einmal auf die Seite des Anbieters oder in seine Mails schauen – oft gibt es Tipps zur Abwicklung der Retoure.

Stand: 07.10.2019, 10:00