Sanifair – Das Geschäft mit dem Geschäft

Sanifair – Das Geschäft mit dem Geschäft

Wer mal muss, tut so ziemlich alles, um dem Bedürfnis nachzukommen. Auch bezahlen. Das ist die Geschäftsgrundlage für den Toilettenbetreiber Sanifair: Reisende zahlen auf Autobahn-Raststätten 70 Cent Eintrittsgeld pro Toilettengang. Dafür bekommen sie einen Wert-Bon in Höhe von 50 Cent, den sie in jeder Raststätte einlösen können.

Der Zugang zu sanitären Einrichtungen ist ein Menschenrecht, der kostenlose Zugang nicht und so verlagert Sanifair die "Geschäfts"-Idee mehr und mehr auch in die Einkaufscenter der Innenstädte. 40 Drehkreuze mit Bezahlfunktion gibt es mittlerweile in Deutschland, sieben davon in NRW.

Das Bild zeigt den Eingangsbereich einer Sanifair-Toilette auf einer deutschen Raststätte.

1) ECE Leverkusen
2) ECE Wuppertal
3) ECE Siegen
4) HBB Gummersbach
5) Essen Rathaus-Galerie
6) Dumont-Carré Köln
7) KÖ-Galerie Düsseldorf

Hier kostet der Gang zur Toilette zwischen 50 und 70 Cent. Aber anders als an Raststätten gilt der Bon nur ein Jahr lang und kann nur in genau dem Center eingelöst werden, in dem er gezogen wurde. Wer in der Kö-Galerie austreten war, muss den Bon auch in der Kö-Galerie einlösen; das ist unter Umständen schwierig.

Obwohl das Kölner DuMont-Carré gut 30 Geschäfte hat, wird der Klo-Bon in nur vier Geschäften akzeptiert, darunter ein Bäcker und ein Café. Und beide verlangen einen Mindesteinkaufswert von 2,50 bzw. 3,00 Euro.

Ein Mindesteinkaufswert gilt fast immer. Kein Wunder: In Köln heißt es, bleiben die Händler auf den 50 Cent sitzen. Sanifair dagegen behält das gesamte Eintrittsgeld .

Die Angst vor öffentlichen Toiletten lässt viele bereitwillig zahlen. Dabei ist diese Angst nicht immer berechtigt. Viele kostenlose Toiletten befinden sich in öffentlichen Gebäuden, wie Museen, Rathäusern, Bibliotheken, wo das stille Örtchen gepflegt und geputzt wird.

Wo man welche findet, steht gewöhnlich im Internet. Im Köln kann man – kein Scherz – auf der Seite der Abfallwirtschaftsbetriebe AWB nach Toiletten suchen: toiletten.koeln

Außerdem existiert deutschlandweit die Seite gratispinkler.de Das ist eine Datenbank, in der über 2700 kostenlose öffentliche Toiletten im gesamten Bundesgebiet angezeigt und bewertet sind.

Das Bild zeigt den Eingangsbereich einer Sanifair-Toilette auf einer deutschen Raststätte.

Noch einen Schritt weiter geht die App "die nette Toilette". Dort sind in über 240 Städten und Gemeinden kostenlose Toiletten aufgelistet. Die werden von Gastronomen und Einzelhändlern betrieben.

Die Idee: Die Stadt unterstützt die Wirte und Händler finanziell bei der Pflege der Toiletten und spart dadurch eigene Toiletten. Und die Händler bekommen dafür den einen oder anderen neuen Kunden. Und der kauft dann – anders als in den Einkaufscentern – ganz freiwillig.

Und wer kein Geld bei Sanifair bei den Autobahnraststätten lassen möchte, es gibt immer mehr Autohöfe, die nah an Ausfahrten gelegen sind. Dort gibt es meist mehrere Gelegenheiten eine Toiletten aufzusuchen.

Stand: 08.11.2017, 16:56