Neobroker: So beeinflussen uns Trading-Apps

Ein Smartphone vor einem Laptop-Bildschirm. Auf dem Smartphone ist die Trade Republic Startseite im Apple Store zu sehen

Neobroker: So beeinflussen uns Trading-Apps

Immer mehr Menschen kaufen und verkaufen Aktien über Trading-Apps auf dem Smartphone. Das ist günstig und bequem. Doch es führt oft zu mehr Risiko bei den Investitionen.

Die Börsen erleben einen Jugend-Boom. Knapp 600.000 unter 30-Jährige haben nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr mit Wertpapieren gehandelt. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Zahl junger Anleger: Tradings-Apps. Die Anbieter versprechen schnelles, unkompliziertes und günstiges Kaufen und Verkaufen von Aktien.

Der Neobroker Trade Republic beispielsweise hat nach eigenen Angaben mehr als eine Million Nutzer und ist mit einer Bewertung von 4,3 Milliarden Euro derzeit das wertvollste Startup Deutschlands.

#16 So beeinflussen dich Trading Apps beim Geldanlegen

Economista 30.05.2021 23:48 Min. Verfügbar bis 30.05.2022 WDR Online


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Intuitiv und impulsiv

Doch die Trading-Apps beeinflussen offenbar die Art und Weise, wie sich die Anleger an der Börse verhalten. "Das Smartphone befördert ein intuitives und impulsives Handeln, das ist meist keine gute Idee, wenn man auf den Erfolg der Trader schaut", sagt Prof. Dr. Andreas Hackethal von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er hat das Anlageverhalten der Nutzer von Trading-Apps genauer untersucht.

Ergebnis seiner Untersuchung: Über das Smartphone handeln Anleger deutlich riskanter als über die Desktop-Anwendungen klassischer Banken. Außerdem orientierten sich die Nutzer beim Kauf der Aktien an den Gewinnern und Verlierern des Vortages. Unterstützt werde das durch die optische Gestaltung der Apps, indem etwa stark steigende oder extrem fallende Kurse durch rot beziehungsweise grün blinkende Ziffern hervorgehoben werden. Auch Ranglisten mit Aktien, die zuletzt oft gehandelt wurden, animierten die Nutzer zum Kaufen oder Verkaufen.

Durch diese ständigen Handlungsaufforderungen und eine stark vereinfachte Benutzeroberfläche entstünde der Eindruck eines Computerspiels, so Hackethal. Das hat bereits Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Der US-Anbieter Robinhood hat nach Kritik den Konfettiregen abgeschaltet, mit dem Benutzer belohnt wurden, die durch ihre Aktienverkäufe Gewinne gemacht haben.

Neobroker bauen Barrieren ab

Statt kurzfristiger Käufe und Verkäufe von riskanten Einzelaktien empfehlen Verbraucherschützer gerade für den Einstieg eher breit gestreute Aktien-ETFs, da sich das Risiko eines finanziellen Verlustes so deutlich minimieren lässt - Solche konservativen, langfristigen Anlagestrategien sind über die Trading-Apps selbstverständlich auch möglich. Vom Anbieter Trade Republic heißt es auf Nachfrage, 70 Prozent der Kunden legten langfristig mit einem Anlagehorizont von deutlich über sechs Jahren an und 80 Prozent der Kunden hätten einen Sparplan.

Finanzwissenschaftler Hackethal sieht bei dem Erfolg der Neobroker daher auch viele positive Aspekte: "Die Neobroker haben dafür gesorgt, dass viele Menschen an die Wertpapier-Märkte herangehen und viele werden sagen: Das ist eine gute Sache und das ist doch gar nicht so schwer. Die Hürden wurden abgeschliffen. Und das ist für viele ein sehr gesunder Schritt."

Stand: 28.05.2021, 18:39