Nachhaltige Fonds sind nicht immer nachhaltig

Montage: Schafe grasen auf einer Wiese mit Solar-Planeelen. Wasserdampf quillt aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks.

Nachhaltige Fonds sind nicht immer nachhaltig

Von Nora Abu-Oun

  • Jeder Fonds-Anbieter hat eigene Kriterien
  • Kunde muss genau wissen, was er will
  • Siegel können nur Orientierung bieten

Nachhaltige Fonds sollen sich aus ökologisch, ethisch und sozial vertretbaren Investments zusammensetzen. Das Problem: Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht geschützt.

Banken und Fondsgesellschaften haben meist ihre eigene Definition von Nachhaltigkeit. Sie orientieren sich beispielsweise an sogenannten ESG-Kriterien: Environmental, Social, Governance – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Oder an den 17 Nachhaltigkeitskriterien der Vereinten Nationen.

Kritiker wie die NGOs Facing Finance und ICAN Deutschland warnen: Manche "nachhaltigen Fonds" investieren das Geld der Kunden auch in Rüstungs-Unternehmen, Firmen aus der Öl-, Gas- und Kohlebranche oder solche, die Kinderarbeit unterstützen.

Stichprobe bei Banken

In einer Stichprobe haben wir uns bei drei der führenden Institute beraten lassen: bei einer Stadtsparkasse, der Deutschen Bank und einer Volksbank. Der WDR wollte wissen: was steckt drin in den Geldanlagen?

Insgesamt haben die drei Banken vier nachhaltige Fonds angeboten. Wenig, sagen Experten, aber der Alltag zeige: Nur rund drei Prozent aller Fonds liefen überhaupt unter dem Schlagwort "nachhaltig" – dabei sei die Rendite dort oft besser als in konventionellen Geldanlagen.

In den uns vorgeschlagenen Fonds haben wir unter anderem Investments in Fluglinien, Rüstungsfirmen, die Automobil- und Ölbranche gefunden. Sogar Unternehmen, die direkt oder indirekt in die Herstellung von Atomwaffen involviert sind, waren im Portfolio.

All das habe nichts in nachhaltigen Fonds verloren, kritisieren die NGOs. Diese haben allerdings auch sehr strenge eigene Vorstellungen von Nachhaltigkeit.

Siegel in der Kritik

Facing Finance kritisiert auch Siegel, die dem Verbraucher eigentlich Orientierung geben sollen. Eines der bekanntesten Siegel ist das FNG, Forum für nachhaltige Geldanlage. Facing Finance sagt, dieses sei branchenfinanziert. Banken ließen sich ihre Fonds gegen Bezahlung als "nachhaltig" auszeichnen.

Die NGO hat sich stichprobenartig 20 der aktuell 65 ausgezeichneten Fonds angeschaut. Sie hat in allen 20 Fonds aus ihrer Sicht "schmutzige Investments" gefunden.

Das FNG kontert: Die Kosten für die Siegel-Bewerbung deckten nur die Kosten für die Untersuchung. Von der Bewerbung bis zur Auszeichnung sei es ein mehrstufiger Prozess. Letztlich vergäben das Siegel die Uni Hamburg und ein unabhängiger Beirat.

Immer genau nachfragen!

Solange es aber keine einheitliche Definition für nachhaltigen Fonds gibt, bleibt es für Verbraucher schwierig. Einen passenden Fonds zu finden – egal ob konventionell oder nachhaltig – sei aber immer mit Arbeit verbunden, sagen Experten. Der Verbraucher solle sich im Bereich der nachhaltigen Fonds nicht entmutigen lassen. Wichtig daher: Interessenten sollten sich überlegen, was für sie persönlich "nachhaltig" bedeutet und sich vom Berater ganz genau zeigen lassen, welche Unternehmen im Portfolio sind.

Stand: 05.06.2019, 08:00