Kryptowährungen: Das muss man vorm Kauf wissen 

Bitcoin-Visualisierung auf einem Motherboard

Bitcoin, Ethereum und Co.

Kryptowährungen: Das muss man vorm Kauf wissen 

Von Julian Andrej Napierala

Tesla will keine Zahlungen in Bitcoin mehr akzeptieren – obwohl der Kurs nach der Nachricht einbrach, liegt er immer noch mehrere hundert Prozent höher als vor einem Jahr – eine traumhafte Rendite. Doch wie riskant ist das Geschäft mit Bitcoin, Ethereum und Co? Und was sollte man wissen, wenn man beim Krypto-Hype dabei sein möchte? 

Vor knapp elf Jahren wurde das erste Mal mit einer Kryptowährung bezahlt: 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen. Was damals  circa 35 Euro entsprach, wäre heute hunderte Millionen Euro wert - die teuersten Pizzen aller Zeiten! Es sind Geschichten wie diese, die die Fantasie von Krypto-Investoren beflügeln: Hätte man nur auf die richtige Digitalwährung gesetzt, wäre man jetzt reich! Doch first things first:  

Wie kommt man überhaupt an Kryptowährungen?   

Grundsätzlich kommt man über Kryptobörsen, Kryptobroker oder Neobroker (auch Online-oder Smartphone-Broker genannt) an die digitalen Währungen. Bei Kryptobörsen handelt man Kryptowährungen direkt mit anderen Marktteilnehmern, ohne Zwischenvermittlern. Bei Krypto-  und Neobrokern übernehmen die Broker die Rolle als Vermittler. Zu den bekannten Kryptobörsen gehören z.B. Binance oder Coinbase. Bei den Kryptobrokern gibt es Anbieter wie z.B. die App Bison der Börse Stuttgart. In jüngerer Vergangenheit haben auch manche Neobroker, wie revolut oder traderepublic, Kryptowährungen in ihr Sortiment aufgenommen.  Bei Neobrokern kann man nicht nur mit Kryptowerten, sondern auch mit Aktien und ETFs handeln.  

#15 So kaufst Du deine erste Kryptowährung

Economista 16.05.2021 29:54 Min. Verfügbar bis 16.05.2022 WDR Online


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Bei den beschriebenen Wegen muss man im Normalfall seine Identität bestätigen, zum Beispiel über das Videoident-Verfahren. Wenn man erfolgreich registriert wurde, kann man per Überweisung Fiat-Geld (also herkömmliche Währungen wie Euro oder US-Dollar) an den eigenen Account auf der Kryptoplattform senden - und damit Kryptowährungen kaufen. Dabei ist der Aufwand vergleichbar mit dem Betreiben eines Aktiendepots.  

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Im Gegensatz zum traditionellen Geld gibt es bei Kryptowährungen keine zentrale Ausgabestelle wie etwa die Europäische Zentralbank. Bitcoin beispielsweise wird dezentral auf Millionen von Computern gesichert und erzeugt. In der Theorie reicht ein leistungsstarker PC, um selbst Kryptowährungen zu "schürfen". In der Realität lohnt sich das für Privatpersonen in Deutschland aber nicht: Ein großer Teil der Kryptowährungen entsteht mittlerweile in eigens dafür eingerichteten Rechenzentren in China, wo die verfügbare Rechenleistung gigantisch und der Strom günstig ist. 

Wie verwahrt man Kryptowährungen? 

Man unterscheidet zwischen privaten und öffentlichen Schlüsseln (private und public keys). Letzterer ist so etwas wie die öffentliche Adresse der eigenen Coins, den man ohne Sorge publik machen kann. Denn ein Zugriff auf die Coins ist nur in Kombination mit dem privaten Schlüssel möglich. Verliert man den, ist auch das digitale Geld unerreichbar - dementsprechend wichtig ist es, die (privaten) Schlüssel zu seinen Kryptowährungen sicher aufzubewahren.  

Das funktioniert in sogenannten "Wallets" (auf deutsch: Brieftasche), also Software, die es ermöglicht Kryptowährungen zu empfangen, zu versenden und zu verwalten. Wichtig: In jedem Fall sollte man den privaten Key zusätzlich zur Wallet so notieren, dass man ihn wiederfindet. Am besten ganz altmodisch auf einem Blatt Papier. 

Wer seine Kryptos bei den Handelsplattformen parken möchte, braucht sich um die Aufbewahrung nicht zu kümmern.  Man transferiert die Coins also nicht in sein eigenes Wallet, sondern lässt sie vom Anbieter verwahren.  

Worauf man beim Anbieter achten sollte  

Man sollte vorab vergleichen, wie hoch die Gebühren für Transaktionen und die Verwahrung von Kryptowährungen je nach Anbieter sind. Ein weiteres Kriterium: Die Auswahl an handelbaren Kryptowährungen unterscheidet sich stark. Bevor man sich also für einen Anbieter entscheidet, sollte man wissen, mit welchen Währungen man überhaupt handeln möchte. 

Grundsätzlich gilt: In Deutschland werden Anbieter für Handel und Verwahrung von Kryptoassets von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) reglementiert, nicht-regulierte Anbieter gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Und man sollte grundsätzlich misstrauisch werden, wenn übertriebene Gewinnversprechen gemacht werden oder ungewollte Kontaktaufnahmen durch Anbieter passieren.     

Kryptohandel ist kein Investment, sondern Spekulation 

Kryptowährungen sind extrem riskante Spekulationsobjekte, die sich nicht zum langfristigen Investieren wie beispielsweise für die Altersvorsorge eignen. Wer sich mit dem Wissen im Hinterkopf dennoch am "Zocken" versuchen möchte, muss akzeptieren, dass das investierte Geld im schlimmsten Fall vollständig verloren gehen kann. Verbraucherschützer raten, nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des eigenen Anlagevermögens in Kryptowährungen zu stecken. 

Wichtig: Nur auf Kryptowährungen setzen, die tatsächlich dezentral und fälschungssicher aufgebaut sind. Es gibt Coins auf dem Markt, die als Kryptowährungen ausgegeben werden, in Wahrheit aber von Betrügern aufgesetzt wurden und einseitig manipulierbar sind.  Grundsätzlich gilt: Wenn man nicht versteht, in was man investieren möchte, dann sollte man auch nicht investieren. 

Bei der Auswahl der Währung sollte man sich bewusst sein, dass es limitierte und unlimitierte Kryptos gibt: Bitcoin beispielsweise ist auf 21 Millionen Coins beschränkt, die Menge kann also nicht beliebig ansteigen. Dagegen ist z.B. bei Ethereum, der Nummer Zwei im Krypto-Universum, keine Limitierung gesetzt. Anleger sollten beachten: Wenn die Geldmenge immer größer wird, besteht die Gefahr, dass der Wert sinkt. 

Und schließlich gilt auch beim Kryptohandel die alte Börsenweisheit: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Es gibt tausende Kryptowährungen, alles auf eine Karte zu setzen, kann schnell nach hinten losgehen. 

Stand: 14.05.2021, 15:30