Kartenzahlung auf dem Vormarsch

Kartenzahlung auf dem Wochenmarkt und beim Bäcker Servicezeit 10.10.2019 04:56 Min. Verfügbar bis 10.10.2020 WDR Von P. Hinken; K.Lorek

Kartenzahlung auf dem Vormarsch

Von Philip Hinken

  • Deutsche zahlen erstmals mehr mit Karte als bar
  • Bäckereien und Wochenmärkte rüsten um
  • Händler dürfen keine Gebühren aufschlagen

Sie bröckeln, die letzten Bargeldbastionen. Mit Giro- oder Kreditkarte können Kunden an immer mehr Orten zahlen. Der Trend greift sogar da um sich, wo man ihn gar nicht erwartet: Lukas Schlattmann aus Münster ist nach eigenen Angaben der erste Straßenmusiker Deutschlands, bei dem man mit Karte spenden kann.

Dafür hat sich der 45-Jährige ein mobiles Kartenlesegerät besorgt, das auf seinem Klavier steht. Die Idee brachte der Musiker von einer Reise aus London mit, wo bereits viele Straßenmusiker Plastikgeld annehmen.

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Deutsche zahlen mehr mit Karte als bar

Was in anderen Ländern längst gelebt wird, kommt auch bei den bargeldtreuen Deutschen an: 2018 wurde erstmals mehr mit Karte als bar bezahlt, zeigt eine Studie des Handelsinstituts EHI.

45 Prozent des Umsatzes in Supermärkten kommt mittlerweile per Karte rein, in Bekleidungsgeschäften sind es sogar gut zwei Drittel. Selbst auf den Wochenmärkten in NRW akzeptiert schätzungsweise jeder zehnte Stand Giro- oder Kreditkarten, zeigt eine WDR-Stichprobe bei drei Märkten.

Kartenzahlung auf dem Vormarsch

WDR 2 Servicezeit 29.10.2019 03:39 Min. Verfügbar bis 28.10.2020 WDR 2

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Immer mehr Bäckereien rüsten nach

Dass kleine Geschäfte wie Bäckereien mitziehen, liegt auch an den niedrigen Gebühren. Während die Händler bei Kreditkarten je nach Anbieter bis zu vier Prozent der Einnahmen an den Betreiber des Kartenterminals zahlen müssen, ist es bei Girokarten deutlich günstiger. „Bei einem normalen Brötchen sind es nur rund 0,7 Cent Kosten, die uns dadurch entstehen“, rechnet Maximilian Kraus von der Kölner Bäckereikette Kraus vor. Der tägliche Abtransport des Münzgeldes durch einen Dienstleister sei teurer.

Händler dürfen keine Extra-Kosten verlangen

Geschäfte dürfen die Gebühren, die ihnen durch eine bargeldlose Zahlung entstehen, nicht an die Kunden weitergeben. Das ist seit 2018 nach EU-Recht verboten. Die Verkäufer dürfen allerdings Mindestgrenzen angeben, zum Beispiel dass Kartenzahlung erst ab einem Betrag von zehn Euro möglich ist. Eine allgemeine Pflicht, bargeldloses Bezahlen anzubieten, gibt es nicht. Ausnahmen gibt es in einzelnen Branchen.

Stand: 29.10.2019, 09:36