Birkin Bag

Hohe Renditen bei Lego, Handtaschen, Whisky und Co.?

Stand: 16.02.2022, 11:13 Uhr

In Zeiten niedriger Zinsen ist die Versuchung groß, auf alternative Geldanlagen zu setzen. Mit manchen Sammlerstücken ließen sich in der Vergangenheit hohe Gewinne erzielen. Doch ein solches Investment eignet sich längst nicht für jeden.

Von Sebastian Moritz

Pokémonkarten im Wert von 40.000 Euro, Bonsai-Bäumchen für 100.000 Euro und VHS-Kassetten für mehr als 10.000 Euro. In der Welt der Sammler und Liebhaber fließen Summen, die für Außenstehende meist nur schwer nachzuvollziehen sind.

#34 Pokémon-Karten, Sneaker & Co.: Lohnt sich die Investition?

Economista 20.02.2022 32:19 Min. Verfügbar bis 20.02.2023 WDR Online


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Wer den richtigen Riecher hat, konnte hier in der Vergangenheit eine Menge Geld verdienen. Die Birkin Bag, eine Handtasche der Luxusmarke Hermès, wechselt etwa nicht selten für mehr als 10.000 Euro den Besitzer. Eine Studie des Online-Händlers Baghunter kam zu dem Ergebnis, dass die Handtasche jährlich um fast 15 Prozent an Wert zulegt und das über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten.

Ähnlich hohe Renditen ließen sich in der Vergangenheit mit Whisky erzielen. Laut World Whisky Index hat sich der Marktwert der 100 beliebtesten Flaschen an Single Malt Scotch in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht. Und eine Studie der Hochschule für Wirtschaft (HSE) in Moskau kam zu dem Ergebnis, dass Lego-Sets teilweise auf jährliche Renditen von bis zu elf Prozent kamen.

Starke Wertschwankungen

Trotz dieser attraktiven Renditen ist ein Investment in solche Sammler- und Liebhaberstücke mit enormen Risiken verbunden, warnt Prof. Dr. Michael Grote von der Frankfurt School of Finance & Management. "Der Wert hängt ja nur vom Willen anderer Leute ab, diese Sammlerstücke zu kaufen. Dieser Wille ist natürlich auch Modeschwankungen unterworfen", so Grote.

Solche Schwankungen und der damit verbundene Wertverlust lassen sich etwa am Beispiel von Briefmarken beobachten. Noch vor einigen Jahren haben Sammler viel Geld dafür ausgegeben. Weil das allgemeine Interesse gesunken sei, interessiere sich inzwischen jedoch kaum noch jemand dafür, sagt Grote.

Ungeregelter Markt und intransparente Preise

Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zu Aktien oder Gold gibt es bei Sammlerstücken in der Regel weder einen geregelten Handel, noch transparente Preise. Weil es schwerfällt, den Wert eines Gegenstandes einzuschätzen, hängt der erzielte Preis oft vom individuellen Verhandlungsgeschick ab. Zudem bleibt das Risiko, an Fälschungen zu geraten.

Wer mit ungewöhnlichen Sammlerstücken Geld verdienen möchte, muss sich also gut mit dem jeweiligen Markt auskennen. Trotz der hohen Renditen, mit denen die Investments in Lego, Turnschuhe und Whisky locken, rät Grote daher: "Wenn ich auf ein neues Auto, eine Wohnung oder für die Rente spare, ist es keine gute Idee, da mit einem großen Teil meines Vermögens reinzugehen."

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