Handwerker-Stichprobe: Frühjahrs-Check fürs Auto

Handwerker-Stichprobe: Frühjahrs-Check fürs Auto

Von Marco Jankowski

"Machen Sie Ihr Auto frühlingsfit!" So werben viele Werkstätten für ihren sogenannten Frühjahrs-Check, also die Überprüfung des Fahrzeugs für den Jahreszeitenwechsel. Doch wie seriös sind diese Angebote?

Grundsätzlich ist der Frühjahrs-Check sinnvoll: Im Winter wird das Auto extrem beansprucht. Viele kleinere oder größere Probleme können die Folge sein. Wer den Profi  auch jenseits vom Wechsel auf Sommerreifen einmal darüber schauen lässt, macht erst einmal nichts falsch. Dass man dabei aber durchaus auch bitter enttäuscht werden kann, zeigt unsere Stichprobe bei drei Anbietern. Wer sicher gehen will, sollte ein paar Dinge beachten.

Was beinhaltet der Check?

In jedem Fall wichtig: Mit der Werkstatt klar absprechen, welche Leistungen der Check beinhaltet. Eine klare Definition des Frühjahrs-Checks gibt es nämlich nicht. Und so kann es sein, dass die eine Werkstatt sich das Auto nur anschaut und am Ende eine Liste mit Empfehlungen liefert, was zu tun wäre, während die andere bereits kleinere Reparaturen während des Checks durchführt. In extremen Fällen werden Reparaturen einfach durchgeführt – und der Kunde bekommt am Ende eine Rechnung, die sich gewaschen hat.

Hier sollte man sich  direkt Transparenz verschaffen und klar fragen: Wird nur geschaut – oder wird auch gearbeitet? Und wenn ja: Was würde ohne Aufpreis direkt behoben? Machen Sie klar, dass Sie vorab telefonisch informiert werden wollen, sobald Reparaturen durchgeführt werden sollen, die nicht mehr im vorab festgelegten Preis des Frühjahrs-Checks enthalten sind.

Lassen Sie sich zudem schildern oder zeigen, welche Bereiche im Auto gecheckt werden, und bitten um einen Prüfbericht bzw. eine Checkliste. In jedem Fall sollten Licht, Bremsen, Batterie und Auspuff  unbedingt Gegenstand eines Frühjahrs-Checks sein.


Im Zweifelsfall: Zweitmeinung einholen

Ganz grundsätzlich sollte sich jeder Verbraucher darüber klar sein, dass eine Werkstatt an einem zweistündigen Frühjahrs-Check für 15 bis 20 Euro nicht wirklich verdienen kann. Es liegt also nahe, dass die Werkstatt ein gewisses Eigeninteresse hat, beim Frühjahrs-Check Mängel zu finden, für die der Kunde dann den regulären Werkstattservice in Anspruch nimmt. Folgeaufträge generieren, das ist einer der Gedanken dahinter. Positiv für den Kunden: Die Werkstätten haben schon rein wirtschaftlich die Motivation, gründlich zu suchen.

Die andere Seite der Medaille ist aber natürlich: Die „schwarzen Schafe“ werden versuchen, dem Verbraucher Reparaturen aufzuschwatzen, die noch längst nicht fällig oder schwerwiegend sind.

Als Laie hilft nur: Ruhe bewahren und eine zweite Meinung einholen. Wer nicht das Glück hat, im Freundes- und Bekanntenkreis einen Auto-Freak zu haben, der genau sagen kann, wann eine Bremsscheibe durch ist, oder wie schwer ein vermeintlicher Schaden an einem bestimmten Bauteil wirklich wiegt, der kann entweder eine zweite Werkstatt hinzuziehen und sehen, ob die denselben Mangel feststellt.

Oder aber: Im Netz die Suchmaschine anschmeißen und recherchieren, ob der Fehler tatsächlich ein Sicherheitsrisiko ist oder nur Geldmacherei. Auch Online-Foren sind eine beliebte Möglichkeit, um Leuten, die Ahnung von der Materie haben, den eigenen Fall zu schildern und um Rat zu fragen.

Mann in einer Autowerkstatt

Achtung: Frostschutz!

Der Frostschutzgehalt im Kühlsystem sollte im Normalfall bei mindestens minus 35 Grad liegen, damit ist man auf der sicheren Seite. Bei Werten darunter kann es schnell kritisch werden – wenn der Motorblock platzt , wird es richtig teuer. Hier also bei der Werkstatt unbedingt auch noch einmal nachfragen, ob die Messung des Frostschutzgehalts Teil des Winterchecks ist, und mit welchen Werkzeugen gemessen wird!

In unserem Test präparierten wir die Kühlflüssigkeit mit Hilfe eines sogennanten Refraktometers, das sehr genaue Meßergebnisse mit nur geringer Abweichung ergibt. Auf minus10 Grad hatte unser Sachverständiger Peter Millies die Kühlflüssigkeit vor dem Wekstattbesuch eingestellt, minus 35 Grad hätten es idealerweise sein sollen, um bei einem harten Winter ein Platzen des Motorgehäuses und damit einen kapitalen Motorschaden in jedem Fall auszuschließen.

In der  freien Werkstatt verwendete man dann aber eine sogenannte „Spindel“. Die funktioniert aber nur korrekt, wenn der Monteur genau weiß, welches Frostschutzmittel eingefüllt ist, denn für jedes Fostschutzmittel gibt es eine spezielle Spindel.

Das Wissen darüber war aber zumindest in der von uns getesteten Werkstatt nicht vorhanden, denn der Monteur attestierte einen ausreichenden Frostschutz bis -20 Grad, hatte also offensichtlich für unser Kühlmittel eine falsche Spindel verwendet,  welche dann schnell erhebliche Diskrepanzen zum echten Wert aufweisen kann, wie in unserem Test geschehen. Vor diesem Hintergrund rät unser Experte den Werkstätten ausdrücklich zur Verwendung des Refraktometers, mit welchem der Frostschutzgehalt für sämtliche Kühlmittel exakt bestimmt werden kann.

Werkstätten, die dagegen mit einer kostengünstigen Spindel messen, sollten also von sich aus bereits darauf hinweisen, dass der Wert variieren kann – und im Zweifelsfall lieber sicherheitshalber auf einen Wert von -40 Grad nachfüllen. Nimmt man es in der Werkstatt Ihres Vertrauens damit nicht so genau, sollte man dann vielleicht doch einmal über einen Wechsel nachdenken.

Handwerker Stichprobe: Frühjahrs-Check

Als Laie hilft nur: Ruhe bewahren und eine zweite Expertenmeinung einholen.

Wer kann, wird selbst zum Tester!

Wer unsicher ist, keine Werkstatt seines Vertrauens hat und auch per Mund-zu-Mund-Propaganda aus dem Freundeskreis keine Empfehlung bekommt, muss wohl oder übel eine Werkstatt ausprobieren. Aber ganz auf sich allein gestellt ist auch der Laie nicht: Es gibt etliche kleine Fehler, die man selbst „einbauen“ kann, um nachher zu prüfen, ob die Werkstatt sie auch wirklich im Rahmen des Checks entdeckt.

Ganz simpel und selbst für den absoluten Laien problemlos herzustellen: etwas Reifendruck ablassen. Wenn die Werkstatt das nicht beim Frühjahrscheck korrigiert, sollte man sich schleunigst eine Alternative suchen! Wer eine durchgebrannte Glühbirne oder einen alten Scheibenwischer hat, kann auch diese einbauen und sehen, ob es pflichtgemäß notiert wird.

Stand: 28.03.2017, 18:15