Regionale Unterschiede beim Fachkräftemangel

Regionale Unterschiede beim Fachkräftemangel

  • Kein flächendeckender Fachkräftemangel in NRW
  • Typische NRW-Mängel: Gesundheit, Pflege, IT
  • Ländliche Regionen nicht generell stärker betroffen
Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. Pflegefachkraft hilft einem älteren Mann beim Gehen.

In NRW gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Zu diesem Ergebnis kommt die Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit aus dem Frühjahr 2019. Allerdings seien Lücken in verschiedenen Ausprägungen in einzelnen Regionen sowie Berufsfeldern zu erkennen.

Immer gefragt: Pflegefachkräfte

Traditionell sind in NRW Gesundheits- und Pflegeberufe, Berufe des Eisenbahnverkehrs und Berufe aus dem Bereich der Information und Kommunikation von Engpässen betroffen. Die Agentur sieht aber Anzeichen dafür, dass aktuell auch Arbeitsstellen der technischen Berufe und von Berufen, die mit der Bauwirtschaft in Verbindung stehen, nur schwer besetzt werden können.

Verschärft habe sich die Situation auch für Spezialisten der Automatisierungstechnik, sowie für Fachkräfte der Energietechnik und der Bodenverlegung. Bei den Berufsständen der Apotheker und der Fachkräfte im Bereich der Eisenbahninfrastruktur seien inzwischen keine statistischen Engpässe zu erkennen.

Die Zahl der gemeldeten Arbeitsplätze und der arbeitslosen Fachkräfte variiert dabei je nach Beruf und je nach Arbeitsmarkt-Region.

Bergisches Land

Fachkräftemangel im Bergischen Land
BerufsgruppeAusprägung
Fachkräfte der Energietechnikmoderat
Ingenieure der Elektrotechnik(x)
Experten der Softwareentwicklung(x)
Physiotherapeutinnenstark
Examinierte Altenpflegerinnenstark
Meisterinnen des Friseurgewerbes(x)
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

Die sogenannte Vakanz-Zeit, also die Dauer der Personalsuche, liegt im Bergischen Land mit durchschnittlich 109 Tagen über alle Berufe hinweg unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Auf 100 Arbeitsstellen kommen 350 Arbeitslose, allerdings gegenüber dem Vorjahr mit kräftig sinkender Tendenz (ein Minus von 85 Arbeitslosen je 100 Stellen).

Münsterland

Fachkräftemangel im Münsterland
BerufsgruppeAusprägung
Fachkräfte der Energietechnikstark
Fachkräfte der Bodenverlegung(x)
Fachkräfte der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Fachkräfte der Ver- und Entsorgung(x)
Experten der Softwareentwicklung(x)
Examinierte Altenpflegerinstark
Meisterinnen des Friseurgewerbes(x)
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

Das Münsterland ist laut Frühjahrs-Analyse 2019 die Region mit der geringsten Arbeitslosigkeit in NRW. Dem entsprechend stehen für 100 Arbeitsstellen auch nur 218 arbeitslose Fachkräfte zur Verfügung. Trotzdem liegt die Vakanz-Zeit mit 103 Tagen unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Ostwestfalen-Lippe

Fachkräftemangel in Ostwestfalen-Lippe
BerufsgruppeAusprägung
Fachkräfte der Mechatronik und Automatisierungstechnikstark
Fachkräfte der Energietechnikstark
Fachkräfte im Tiefbaustark
Fachkräfte der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Meister und Techniker der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik(x)
Informatikerstark
Experten der Softwareentwicklungstark
Baugeräteführer(x)
Examinierte Altenpflegerinnenstark
Spezialisten der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik(x)
Lehrer im Fahrschulunterricht(x)
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

In Ostwestfalen-Lippe hat sich die Situation deutlich verschärft. Die Vakanz-Zeit der Region ist um 17 auf nun 105 Tage gestiegen. Über alle Berufe hinweg kommen auf 100 Arbeitsstellen 272 arbeitslose Fachkräfte, dies ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 67 Arbeitslosen.

Auffällig ist die Situation der Berufe aus der Informationstechnologie. Bei zwei Berufsgruppen sind bereits Engpässe deutlich erkennbar (Informatiker und Experten der Softwareentwicklung). Bei zwei weiteren Berufsgruppen verschärft sich die Situation (Experten der IT-Anwendungsberatung sowie Spezialisten der Programmierung), sodass künftig mit deutlichen Engpässen zu rechnen sein wird.

Rheinland

Fachkräftemangel im Rheinland
BerufsgruppeAusprägung
Fachkräfte der Energietechnikstark
Meister und Techniker des Hochbausmoderat
Fachkräfte im Tiefbaumoderat
Fachkräfte der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Meister und Techniker der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Experten der IT-Anwendungsberatungmoderat
Spezialisten der Programmierungmoderat
Experten der Softwareentwicklungstark
Lokomotivführerstark
Examinierte Fachkräfte der Gesundheits- und Krankenpflegestark
Kinderkrankenschwestern und Hebammenstark
Examinierte Altenpflegerinnenstark
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

Im Rheinland liegt die Vakanz-Zeit über alle Berufe nahe des bundesdeutschen Durchschnitts bei 111 Tagen, auf 100 Arbeitsstellen kommen 309 arbeitslose Fachkräfte.

Ruhrgebiet

Fachkräftemangel im Ruhrgebiet
BerufsgruppeAusprägung
Spezialisten der Automatisierungstechnik(x)
Fachkräfte der Energietechnikstark
Elektrotechnikermoderat
Fachkräfte im Tiefbaumoderat
Fachkräfte der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Meister und Techniker der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik(x)
Experten der Softwareentwicklungmoderat
Examinierte Fachkräfte der Gesundheits- und Krankenpflegemoderat
Physiotherapeutinnenstark
Examinierte Altenpflegerinnenstark
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

Im Ruhrgebiet kommen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit auf 100 Arbeitsstellen 419 arbeitslose Fachkräfte. Dies ist die höchste Zahl aller Arbeitsmarkt-Regionen in Nordrhein-Westfalen.

Allerdings sinkt die Zahl der Arbeitslosen stark ab. Ein Jahr zuvor waren es noch 90 Arbeitslose mehr. Die Vakanz-Zeit beträgt im Durchschnitt 110 Tage, leicht unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Südwestfalen

Fachkräftemangel in Südwestfalen
BerufsgruppeAusprägung
Fachkräfte der Energietechnikstark
Fachkräfte der Bodenverlegung(x)
Fachkräfte der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikstark
Fachkräfte der Ver- und Entsorgung(x)
Experten der Softwareentwicklung(x)
Experten im Einkauf und Vertrieb(x)
Fachkräfte der Versicherungs- und Finanzdienstleistungenstark
Examinierte Fachkräfte der Gesundheits- und Krankenpflegestark
Kinderkrankenschwestern und Hebammen(x)
Ärztinnen und Zahnärztinnen(x)
Physiotherapeutinnenstark
Examinierte Altenpflegerinnenstark
Friseurinnenmoderat
Lehrer im Fahrschulunterrichtstark
(x) Aussagekraft reduziert wegen geringer Fallzahl

Iin Südwestfalen ist die Arbeitslosigkeit im nordrhein-westfälischen Vergleich gering. Je 100 Arbeitsstellen stehen 227 arbeitslose Fachkräfte zur Verfügung.

Die durchschnittliche Vakanz-Zeit beträgt 119 Tage, das ist die höchste Personalsuchdauer in NRW.

Ländliche Regionen sind nach Angaben des Bundes nicht überall stärker vom Fachkräftemangel betroffen als Ballungsräume. Allerdings gibt es in NRW nach der Definition des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung auch nur zwei "ländliche Kreise", den Hochsauerland-Kreis und die Region um Höxter.

Für den Fachkräftemangel gibt es vor allem drei Gründe: den demografischen Wandel, den Trend zum Studium und die Landflucht. Zu dem Ergebnis kam unlängst die Westfalenstudie des Berlin-Instituts. NRW hat zwar Studentenstädte und Ballungsräume mit viel Arbeitslosigkeit aber auch eher ländliche Regionen mit florierendem Mittelstand und wachsender Wirtschaft.

Regionen attraktiver machen

Vom Fachkräftemangel betroffen sind vor allem ländliche Regionen, die von einer Ausdünnung der Infrastrukturversorgung, der Schließung von Kultureinrichtungen und langen Wegen bis zum nächsten Arzt betroffen sind. Diese verlieren zunehmend an Attraktivität für, so das Ergebnis einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Die IHK NRW schlägt vor, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen, damit Regionen attraktiver werden. So müssten die Glasfaser- und Verkehrsinfrastrukturen ausgebaut werden. Zudem sei eine funktionierende Nahversorgung für Fachkräfte ein wichtiger Entscheidungsfaktor für einen Arbeitsplatz in der Region.

Koalition einigt sich über Fachkräftezuwanderung

WDR 5 Profit - aktuell 20.11.2018 04:29 Min. WDR 5

Download

Stand: 15.04.2019, 14:59