Preisschock überall: Gerät die Inflation außer Kontrolle?

Das bedeutet der Krieg in der Ukraine für unser Geld

Stand: 11.03.2022, 17:01 Uhr

Egal, ob an der Tankstelle oder im Supermarkt: Der Krieg in der Ukraine macht unser Leben teurer. Gleichzeitig fürchten Anleger um ihr Erspartes.

Von Sebastian Moritz

Werden die Heizkosten noch weiter steigen?

Davon ist auszugehen. Wie und wann die Preissteigerungen bei den Verbrauchern ankommen, hängt jedoch auch vom jeweiligen Vertrag ab. Haben Kunden einen Vertrag mit Preisgarantie abgeschlossen, bleiben sie von höheren Kosten zunächst verschont. Alle anderen Kunden sollten prüfen, ob es sinnvoll ist, die monatlichen Abschlagszahlungen anzupassen. Richtig teuer wird es für diejenigen, die jetzt einen neuen Gasvertrag abschließen. Wer aktuell einen neuen Vertrag unterschreibt, zahlt nach Angaben des Vergleichsportals Verivox oft doppelt so viel wie noch vor einem halben Jahr.

Warum werden Lebensmittel teurer?

Höhere Energiepreise in der Produktion und gestiegene Transportkosten machen Lebensmittel in Deutschland teurer, heißt es vom Handelsverband Deutschland. Die Ukraine gehört zu den weltweit größten Exporteuren von Weizen, Mais und Sonnenblumenöl. Schon vor dem Krieg in der Ukraine hatten einer Umfrage des Münchener ifo Instituts zufolge mehr als zwei Drittel der Lebensmittelhersteller geplant, ihre Preise in den nächsten Wochen zu erhöhen.

#36 Ukraine-Krieg: Was passiert mit unserem Geld?

Economista 11.03.2022 40:24 Min. Verfügbar bis 11.03.2023 WDR Online


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Treibt der Krieg in der Ukraine die Inflationsrate weiter nach oben?

Diese Gefahr ist realistisch. Die Energiepreise, aber auch Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln können das allgemeine Preisniveau weiter steigern. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird es im Laufe des Jahres Inflationsraten von deutlich über fünf Prozent geben. Wenn der Krieg eskaliere, könne die Inflation sogar Richtung zehn Prozent gehen. Vor Beginn des Kriegs war die Inflationsrate in Deutschland bereits auf 5,1 Prozent gestiegen.

Welche Entlastungen sind jetzt geplant?

Die Bundesregierung möchte ab Juli die so genannte EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms abschaffen, eigentlich war dieser Schritt erst für Anfang 2023 geplant. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox spart ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden in diesem Jahr rund 33 Euro (brutto). Außerdem soll die Pendlerpauschale steigen. Berufspendler, die weiter als 21 Kilometer vom Arbeitsort entfernt wohnen, können mit der nächsten Steuererklärung 38 Cent pro Kilometer geltend machen, bisher waren es 35 Cent. Und schließlich soll es einen einmaligen Heizkostenzuschuss geben. Empfänger von Wohngeld sollen einmalig 135 Euro bekommen, Studierende und Auszubildende sollen 115 Euro erhalten.

Was bedeutet der Krieg für Kleinanleger?

Anleger sollten trotz der aktuell starken Kursschwankungen vor allem Ruhe bewahren. Der Weltaktienindex hat zwar seit Jahresanfang deutlich verloren. „Für langfristig orientierte Anleger sollte das aber kein Grund zur Sorge sein“, heißt es von der Stiftung Warentest. Der jüngste Kurseinbruch sei historisch betrachtet nicht ungewöhnlich. In der Corona-Krise im Frühjahr 2020 und im Zuge der sogenannten Dotcom-Blase ab 2000 seien die Kursverluste noch deutlich größer gewesen.

Welche Rolle spielen russische Aktien in ETFs?

Viele Kleinanleger setzten auf so genannte Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelte Indexfonds. Diese Körbe mit Aktien vieler verschiedener Unternehmen sollen das Risiko möglichst breit streuen. In den am weitesteten verbreiteten ETFs spielen russische Aktien kaum eine Rolle. Im Weltindex MSCI World ist Russland gar nicht dabei, im MSCI All Country World lag der Anteil zuletzt bei knapp 0,4 Prozent. Und selbst im Schwellenländerindex MSCI Emerging Marktes haben russische Unternehmen nur einen Anteil von gut drei Prozent ausgemacht. Eine größere Bedeutung haben russische Unternehmen für die Entwicklung von Indizes, die sich zum Beispiel speziell auf Osteuropa konzentrieren.