"Fahrradfahren ärgert Putin" - fünf Tipps zum Energiesparen

Stand: 16.04.2022, 10:39 Uhr

Angesichts des Ukraine-Kriegs ruft Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zum Energiesparen auf. Er rät zu Fahrrad statt Auto, Homeoffice und weniger Heizen. Wir haben noch weitere Tipps gesammelt.

"Als Faustformel würde ich ausgeben: Zehn Prozent Einsparung geht immer", sagte Habeck der Funke Mediengruppe. Der grüne Wirtschaftsminiter kündigte eine entsprechende Kampagne der Regierung an. "Wir können nur unabhängiger von russischen Importen werden, wenn wir es als großes gemeinsames Projekt ansehen, an dem wir alle mitwirken", sagte er. Wenn man etwa an Ostern die Bahn oder das Fahrrad nehmen könne, sei das gut, "das schont den Geldbeutel und ärgert Putin."

Robert Habeck stellt vor der Bundespressekonferenz die Anpassung von Energie-Gesetzen im Osterpaket des BMWK vor.

Robert Habeck

Mit Blick auf Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, appellierte der Minister an die Arbeitgeber zu überlegen, "ob sie da, wo es möglich ist, Homeoffice anbieten, um Energie zu sparen". Jeder einzelne könne mit kleinen Einschränkungen eine große Wirkung erzielen. "Wenn man die Wohnung heizt und abends die Gardinen zuzieht, spart man bis zu fünf Prozent Energie", sagte er. "Und wenn man die Raumtemperatur um ein Grad senkt, sind es rund sechs Prozent. Das ist vielleicht nicht ganz so gemütlich, aber man friert noch nicht."

Wo gibt es noch Einsparmöglichkeiten im privaten Bereich? Wir haben fünf Tipps zusammengestellt.

Tipp 1: Beim Tanken sparen

Trotz der aktuell hohen Spritpreise können wir beim Tanken sparen. Der ADAC hat die Preise über den Tag beobachtet. Ergebnis: Im Schnitt tanken wir abends zwischen 18 und 19 Uhr und zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten. Morgens um 7 Uhr ist es am teuersten.

Das heißt also: Lieber nach dem Feierabend tanken als morgens auf dem Weg zur Arbeit. Wo der Sprit am günstigsten ist, zeigt ein Blick in eine Preisvergleichsapp, zum Beispiel von Clever Tanken oder vom ADAC. 

Und dann kann man auch beim Kraftstoff sparen. Fährt das Auto mit Super, kann E10 eine Alternative sein. Im Gegensatz zum "normalen" Super, also E5, ist der Anteil an Bioethanol höher. Dafür ist E10 laut ADAC im Schnitt gerade fünf bis sechs Cent günstiger. Das bedeutet auf eine Tankfüllung eines Kleinwagens gerechnet über zwei Euro Ersparnis. Auch, wenn der Motor nach Untersuchungen des ADAC mit E10 bis zu 1,5 Prozent mehr verbraucht. Melanie Mekulla vom ADAC empfiehlt ganz klar den Kraftstoff: "Wo ich sparen kann, muss ich im Moment sparen. Also klar, E10 tanken, auf jeden Fall."

Allerdings sind immer noch viele Autofahrer skeptisch. Dabei gibt es E10 bereits seit 2011. "Es hat sich hartnäckig das Gerücht gehalten, dass E10 schlecht ist als Kraftstoff für den Motor. Dem ist aber nicht so", sagt Mekulla. Es gibt nur ein paar wenige Ausnahmen. Zum Beispiel vertragen alte Autos oder Oldtimer den Kraftstoff nicht. Am besten ist es, einfach nochmal bei den Herstellern nachzufragen.

Tipp 2: Spritsparend fahren

Wir können auch beim Autofahren selbst Sprit sparen, indem wir vorausschauender und gleichmäßiger fahren. Und in den meisten Fällen kommen wir genauso zügig an, sagt Motorjournalist Alexander Bloch: "In der Stadt ist es ganz wichtig, dass man sich auch die Ampelphasen anschaut. Immer nur an die Ampel ranrasen und wieder ruckartig losfahren, das kostet sehr viel Sprit." Genauso lohnt es sich, die Geschwindigkeit zu reduzieren und auf der Autobahn zu überlegen, ob die 10 km/h mehr unbedingt sein müssen.

Zudem empfiehlt Bloch frühes Schalten: "So im Bereich 1500 Umdrehungen, sogar ein bisschen drunter, dann bin ich in einem effizienten Bereich. Das kann in der Stadt auch mal bedeuten, dass ich bei Tempo 50 im fünften oder in den sechsten Gang gehe. Aber: Das Auto darf nicht ruckeln." Und auch der optimale Luftdruck in den Reifen kann den Spritverbrauch optimieren, genauso wie wenig Beladung. Also: Alles Sinnlose raus aus dem Kofferraum! Wer seine Fahrweise jetzt anpasst, der kann nach Blochs Autotests bis zu 20 Prozent Sprit sparen.

Tipp 3: Heizen

Der mit Abstand größte Anteil des privaten Energieverbrauchs geht fürs Heizen drauf. Dementsprechend groß ist hier das Einsparpotenzial. Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, kann die Heizkosten um sechs Prozent reduzieren. In einer gut gedämmten, 70 Quadratmeter großen Wohnung ergibt sich bei den durchschnittlichen Gaspreisen von Anfang des Jahres ein Einsparpotenzial von mehr als 100 Euro im Jahr. Wenn die Gaspreise steigen, lässt sich entsprechend mehr sparen.

Als ideale Raumtemperaturen empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW maximal 20 Grad im Schlafzimmer, höchstens 22 Grad im Wohnbereich und bis zu 24 Grad im Bad – allerdings nicht rund um die Uhr. „Das Badezimmer den ganzen Tag auf 24 Grad zu heizen, nur damit ich es abends kuschelig warm habe, wenn ich mir die Zähne putze, verbraucht unnötig Energie“, sagt Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale NRW. Sie empfiehlt daher vorprogrammierte Thermostate, um die Temperatur automatisch zu regulieren.

Heizkosten lassen sich außerdem reduzieren, wenn die Heizkörper nicht durch Möbel oder Vorhänge verdeckt werden. Sinnvoll ist außerdem kurzes Stoßlüften, anstatt die Fenster über mehrere Stunden auf Kipp zu öffnen.

Tipp 4: Strom

Richtig teuer wird es aktuell für Haushalte, die ihr Wasser mit einem elektrisch betriebenen Durchlauferhitzer erwärmen. Eine zehn Minuten lange Dusche kostet so bei einer Wassertemperatur von 38 Grad und den durchschnittlichen Strompreisen von Anfang des Jahres knapp einen Euro. Wer seine Duschzeit verkürzt oder mit Hilfe eines Sparduschkopfs den Verbrauch an warmem Wasser reduziert, kann hier deutlich sparen.

Ein weiterer Stromfresser im Haushalt ist der Wäschetrockner. Bei neueren Geräten kostet ein Trocknungsdurchgang rund 50 Cent, bei älteren Geräten können die Stromkosten mehr als dreimal so hoch sein. Durch das Trocknen der Wäsche an der frischen Luft lässt sich also ebenfalls sparen.

Einsparpotenzial gibt es oft auch beim Kühlschrank. „In vielen Haushalten sind der Kühlschrank oder das Gefrierfach zu kalt eingestellt“, sagt Gerhild Loer von der Verbraucherzentrale NRW. Ideal seien sieben Grad beim Kühlschrank und minus 18 Grad im Gefrierfach. Jedes Grad, das der Kühlschrank weniger kühlen muss, senkt den Stromverbrauch um sechs Prozent.

Tipp 5: Strom- und Gasvertrag wechseln

Wer jetzt vom Gas- oder Stromanbieter Post mit deutlich höheren Preisen bekommen hat, der sollte schauen, ob es gerade nicht günstigere Tarife gibt. Eine gute Orientierung: Für Strom liegen die Preise im Durchschnitt bei 35 Cent pro Kilowattstunde, bei Gas bei 10 Cent. Liegt der aktuelle Vertrag darüber, dann versuchen, zu wechseln!

Dabei hilft der Blick in mehrere Vergleichsportale und auf die Seiten der Anbieter vor Ort, die auch die Grundversorgung sichern. Aktuell kann es sein, dass diese günstigere Tarife anbieten als die typischen Billigstrom- und Gasanbieter. Aber das ist gerade leider ein Glücksspiel.

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