Diesel-Skandal: Was tun bei drohender Stilllegung?

Der VW-Amarok in der Endkontrolle

Diesel-Skandal: Was tun bei drohender Stilllegung?

  • Verbraucherzentrale rät zur Umrüstung
  • Ohne Nachrüstung keine TÜV-Plakette
  • Ansprüche gegen VW bleiben bei Nachbesserung bestehen
  • Verbraucher müssen bis Ende 2018 Verjährung hemmen

Aus Angst vor technischen Problemen und Mehrverbrauch wollen einige vom VW-Skandal betroffene Dieselfahrer ihre Autos nicht umrüsten lassen. Wer jedoch der Aufforderung des Kraftfahrzeug-Bundesamtes zum Software-Update nicht nachkommt, riskiert, dass die örtlichen Zulassungs-Behörden den Wagen stilllegen. Michelle Jahn, Juristin der Verbraucherzentrale NRW, über die richtige Strategie.

WDR: Sind die Ängste hinsichtlich negativer Folgen durch die Umrüstung berechtigt?

Michelle Jahn: Das ist derzeit noch nicht absehbar. Es gibt sowohl Berichte, dass sich die neu aufgespielte Software in einem akzeptablen Rahmen bewegt. Zu diesem Ergebnis kommt beispielsweise auch eine Untersuchung des ADAC. Es gibt aber auch andere Berichte, die es für möglich halten, dass der Motor durch das Update einen Schaden nimmt. Die Frage ist noch immer nicht abschließend geklärt.

WDR: Sollen die betroffenen Besitzer also umrüsten oder besser nicht?

Porträt Michelle Jahn

Michelle Jahn, Juristin der Verbraucherzentrale NRW

Jahn: Wer von der Zulassungsstelle eine Androhung erhält, dass sein Fahrzeug demnächst stillgelegt wird, sollte im Zweifel Fall umrüsten. Noch gibt es keine Rechtssicherheit, dass man sich dagegen erfolgreich wehren kann. Die Gerichte haben hier bisher unterschiedlich entschieden. Wer allerdings nicht auf das Auto angewiesen ist und ohnehin noch zivilrechtlich gegen VW klagt, kann auch auf die Umrüstung verzichten. Man riskiert allerdings, dass die Behörden den Betrieb untersagen und das Fahrzeug stilllegen.

WDR: Aber ohne Umrüstung gibt es auch keine TÜV-Plakette. Sind die Verbraucher nicht letztlich gezwungen, den Wagen umrüsten zu lassen?

Jahn: Das ist ein Problem und ein weiterer Grund, warum wir im Zweifel zur Nachrüstung raten. Wenn Kunden nicht innerhalb der Umsetzungsfrist von 18 Monaten am Rückruf teilnehmen, sind die Prüfstellen angewiesen, die HU-Plakette zu verweigern. Man hat dann einen Monat Zeit, um das Software-Update nachzuholen.

WDR: Einige Verbraucher befürchten, durch die Umrüstung den Anspruch auf Schadenersatz gegen den Hersteller zu verlieren.

Jahn: Der Anspruch auf Schadenersatz gegen VW geht unserer Ansicht nach durch die Nachrüstung nicht verloren. Dieser basiert darauf, dass VW manipulierte Fahrzeuge auf den Markt gebracht hat. Das wird nicht dadurch behoben, dass etwas an dem Auto verändert wird.

WDR: Gibt es etwas, das Verbraucher bei der Umrüstung beachten sollten?

Jahn: Man sollte sich vor dem Aufspielen der Software-Updates schriftlich zusichern lassen, dass dadurch keine weiteren Schäden am Motor und an der Laufleistung entstehen können.

WDR: Wenn ich als Betroffener bislang noch nichts unternommen habe, worauf sollte ich dann achten?

Jahn: Als Betroffener kann ich gegen den Verkäufer und den Hersteller vorgehen. Die Ansprüche gegen Volkswagen verjähren wohl Ende 2018. Daher sollte man zusehen, dass man die Verjährung stoppt, etwa durch die Erhebung einer Klage. Die Ansprüche gegen die Händler sind oft bereits Ende 2017 verjährt, wenn man nichts unternommen hat. Das kommt aber immer auf den Einzelfall an.

WDR: Was bedeutet die Möglichkeit der Musterfeststellungsklage, die der Gesetzgeber für den 1. November 2018 vorgesehen hat, für die VW-Kunden?

Jahn: Das Gesetz ist trotz einiger kritischer Punkte ein Meilenstein für den Verbraucherschutz. Wenn das Gesetz im November in Kraft tritt, könnte man für alle Verbraucher, die sich einer Klage anschließen, die Verjährung unterbrechen. Da das Gesetz noch nicht in Kraft ist, sollten Verbraucher jetzt aber auch selbst versuchen, die Verjährung zu hemmen.

Das Gespräch führte Anke Fricke.

Stand: 12.07.2018, 06:00