BEV-Pleite: Risiko "Billig-Stromanbieter"

Energieversorger insolvent: So finden Sie einen seriösen Anbieter Servicezeit 07.02.2019 04:19 Min. UT Verfügbar bis 07.02.2020 WDR Von Klaus Kuderer/Burkhard Vorländer

BEV-Pleite: Risiko "Billig-Stromanbieter"

  • BEV-Insolvenz trifft Zehntausende Strom- und Gaskunden in NRW
  • Tipps von Verbraucherschützern für Betroffene
  • Faustregel: Sehr günstig ist oft sehr riskant

Der Strom- und Gasanbieter Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) hat Ende Januar 2019 Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat mitgeteilt, dass es seine Kunden nicht mehr beliefern kann, Begründung: gestiegene Energie-Beschaffungskosten.

Die BEV gehört zu den sogenannten Strom-Discountern, die mit Niedrigpreisen um Kunden werben. Viele Kunden sind über Vergleichsportale wie Verivox und check24 an den Energieversorger vermittelt worden, der wegen seiner sehr günstigen Tarife oft weit oben gelistet.

Zehntausende Kunden in NRW betroffen

Verbraucherschützer schätzen, dass die BEV bundesweit eine halbe Million Kunden mit Strom und Gas versorgt hat. Nachfragen des WDR bei einigen Stadtwerken haben ergeben, dass in NRW vermutlich mehrere Zehntausend Kunden betroffen sind. In Münster sind es 1.300, in Wuppertal und Aachen um die 3.000 und in Wuppertal gleich 7.000 Betroffene.

Was bedeutet das für die betroffenen Strom- und Gaskunden?

Betroffene Kunden müssen nicht fürchten, nun ohne Strom und Gas dazustehen. Sie fallen automatisch in die sogenannte Ersatzversorgung und werden vom regionalen Grundversorger beliefert. Das sind häufig die Stadtwerke. Allerdings ist der Preis in der Grundversorgung meistens der teuerste Tarif.

Das können Verbraucher tun

  • Zahlungen an die BEV sofort einstellen.
  • Sicherheitshalber auch den Vertrag mit der BEV fristlos kündigen.
  • Bei ausstehenden Bonuszahlungen oder Guthaben Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Das wird aber erst aber April möglich sein.
  • Schlussrechnung sorgfältig prüfen.
  • Ausstehende Bonuszahlungen nicht mit Forderungen der BEV aus Abschlagszahlungen verrechnen, ohne sich vorher beraten zu lassen, zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen. Auf deren Internetseiten gibt es auch Infos zum Stand des Insolvenzverfahrens.

Wie lassen sich Fallen beim Anbieterwechsel vermeiden?

Wer jetzt einen neuen Anbieter suchen will, sollte sich als erstes den aktuellen Zählerstand notieren. Danach gilt: Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten mit hohen Bonuszahlungen unbedingt genauer hinzuschauen. Die BEV-Pleite zeigt: Sie haben ihre Risiken, denn dauerhaft extrem günstige Preise hält kein Versorger lange durch. Häufig erhöhen die Billig-Stromanbieter im nächsten Jahr deutlich ihre Preise. Wer dann nicht rechtzeitig kündigt, zahlt darauf.

Von Angeboten mit Vorkasse und Paketpreisen sollten Kunden grundsätzlich die Finger lassen. Es lohnt sich, in diversen Foren nachzuschauen, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Anbieter gemacht haben.

Vergleichsportale: "Mehr Transparenz für Nutzer"

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.02.2019 05:07 Min. Verfügbar bis 07.02.2020 WDR 5

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Stand: 07.02.2019, 11:23