Unerwünschte Briefkasten-Werbung

Briefkasten-Werbung – was tun gegen die Müll-Flut? Servicezeit 28.01.2020 04:21 Min. UT Verfügbar bis 28.01.2021 WDR Von Hannah Reineke

Unerwünschte Briefkasten-Werbung

  • "Bitte keine Werbung"-Aufkleber hilft nicht immer
  • Widerruf per Robinson-Liste
  • Vorsicht bei Umgang mit eigenen Daten

Kritiker sehen in Massen-Werbesendungen in Briefkästen eine enorme Verschwendung von Ressourcen. Nach Berechnungen der Universität Gießen landen jedes Jahr rund 35 Kilogramm nicht-adressierte Werbepost in jedem deutschen Briefkasten. Das seien jährlich rund 1.200.000 Tonnen.

Aufkleber reicht oft nicht aus

Auf vielen Briefkasten pappt inzwischen ein Aufkleber, der klar macht: Hier ist Briefkasten-Werbung unerwünscht. Doch auch ein deutlicher Hinweis am Briefkasten hält Firmen nicht zwangsweise davon ab, den Briefkasten mit Werbeprospekten und Flugblättern vollzustopfen. "Bitte keine Werbung" gilt nämlich nicht für jede Werbung:

  • Kostenlose Wochenblätter und Werbebeilagen in Tageszeitungen

Wenn kostenlose Anzeigenblätter auch einen redaktionellen Teil enthalten, reicht der Aufkleber "Keine Werbung einwerfen" auf dem Briefkasten nicht aus. Nur der Aufkleber "Bitte keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen" bringt dann etwas.

  • Persönlich adressierte Werbesendungen per Post

Die Post ist verpflichtet, adressierte Briefe - also auch Werbebriefe - zuzustellen.

Initiative zur Briefkastenwerbung

Eine Initiative sammelt seit 2019 Unterschriften, um die Kennzeichnung von Briefkästen mit einem Aufkleber umzudrehen: Nicht-adressierte Werbung sollte nur in Briefkästen eingeworfen werden dürfen, die einen "Ich möchte Werbung"-Aufkleber tragen. Die Aktivisten wollen eine entsprechende Petition im Bundestag einreichen.

Wie kommen die Firmen an meine Daten?

In Deutschland gibt es zahlreiche Firmen, die mit Adressdaten handeln. Unternehmen wie die Bertelsmann-Tochter AZ Direct, aber auch Post und Telekom verkaufen Verbraucher-Daten ganz legal und machen damit aus Daten Geld.

Verbraucher haben das Recht auf Widerruf

Wenn Sie trotz des Aufklebers "Keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen" Handzettel oder Wurfsendungen in Ihrem Briefkasten finden, sollten Sie die betreffenden Firmen schriftlich auffordern, künftig weitere Werbeeinwürfe zu unterlassen.

Bei unerwünschten Zeitschriften oder Werbesendungen muss auf dem adressierten Werbebrief der Hinweis stehen, dass der Kunde dem Erhalt von Werbung widersprechen kann. Auch die Adresse des Datenhändlers muss dort zu finden sein.

Schriftlich kann man dann weitere Werbesendungen verbieten. Und erfragen, welche Daten gespeichert worden sind und zu welchem Zweck. Die weitere Nutzung seiner Daten kann der Verbraucher schriftlich untersagen. Sobald Sie gegen die Nutzung Ihrer Daten bei dem Unternehmen Widerspruch einlegen, wird die Werbung an Sie unzulässig!

Die Robinsonliste - Rundumschlag gegen unerwünschte Werbung

Wenn man möglichst viele Firmen erreichen möchte, kann man sich in die sogenannte Robinsonliste eintragen lassen. Der Direktmarketingverband DDV wird Unternehmen, bei dem der Verbraucher kein Kunde ist und nicht ausdrücklich der Zusendung von Werbung zugestimmt hat, mitteilen, dass er keine Werbung mehr wünscht.

Tipps zum sparsamen Umgang mit den eigenen Daten

  • Lesen Sie aufmerksam das Kleingedruckte von Kaufverträgen oder Preisausschreiben. Verweigern Sie die Zustimmung zur weiteren Datennutzung. Im Notfall streichen Sie entsprechende Passagen.
  • Prüfen Sie im Internet genau, welche Felder in Online-Formularen bereits angekreuzt sind und deaktivieren Sie diese gegebenenfalls.
  • Wenn Unternehmen gezielt durch Verlosungen oder Preisausschreiben Daten erheben, um sie anschließend für Werbezwecke zu verwenden oder zu veräußern, müssen Sie um Ihre Einwilligung in diese Nutzung für Werbezwecke gebeten werden. Verweigern Sie diese Einwilligung am besten sofort, wenn Sie keine Werbung bekommen wollen.

Stand: 28.01.2020, 09:33