Was taugt günstige Biobaumwolle?

Was taugt günstige Biobaumwolle?

Modeketten wie C&A, H&M, aber auch Tchibo und andere werben verstärkt mit Kleidung aus Bio-Baumwolle. Für kleines Geld mit gutem Gewissen einkaufen - ist das möglich? Fragen und Antworten.

Die Deutschen mögen bio - nicht nur im Obstkorb und Kühlschrank, sondern zunehmend auch im Kleiderschrank. Auf dem Weltmarkt ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Abnehmer von Biobaumwolle. C&A ist nach Angaben der gemeinnützigen Organisation "Textile Exchange" der größte Einkäufer von Biobaumwolle, vor H&M, und Tchibo.

Ein Drittel der Baumwollprodukte stammen bei C&A aus biologischem Anbau. Bei H&M sind es 14,5 Prozent, bei Tchibo sogar die Hälfte der Baumwolle. Im Gegensatz zum konventionellen Baumwollanbau ist der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln im Bioanbau verboten. Dennoch: Nur 0,5  Prozent der weltweiten Baumwolle wird nach reinen biologischen Kriterien angebaut. Insgesamt wird nach Angaben von Textil Exchange 85 Prozent der Baumwolle konventionell angebaut. Bei den restlichen 15 Prozent werden verschiedene Formen der Nachhaltigkeit berücksichtigt - etwa Fair Trade, bio oder regionale Aspekte. Hier hat die Biobaumwolle einen Anteil von gut drei Prozent.

Wie viel Bio ist in Biobaumwolle?

Baumwollpflanzen vor blauem Himmel.

Baumwolle: Nur drei Prozent weltweit aus Bioanbau

Wie bei Lebensmitteln ist der Begriff "Bio", "Öko", "kontrolliert biologischer Anbau" oder "organic" (Englisch) auch für Baumwolle geschützt. Die Produzenten verzichten auf den Einsatz von giftigen Pestiziden und Düngemitteln sowie auf genmanipulierte Saaten. Grundsätzlich gilt: Wenn das Etikett Bio-Baumwolle verspricht, müssen Pflanzen und Ernte den Standards entsprechen.

Wer kontrolliert das "bio" in der Baumwolle?

Für Bio-Textilien gibt es viele verschiedene Siegel. Sie unterscheiden sich in der Strenge der Regeln, der Art, wie kontrolliert wird, und darin, ob nur das Material oder auch die Arbeitsbedingungen der Hersteller entlang der Produktionskette zertifiziert werden.

Bio und fair - welches Siegel steht wofür?

Woran kann man erkennen, ob Mode unter fairen Bedingungen produziert wurde? Oder schadstofffrei? Oft an einem Qualitätssiegel. Aber davon gibt es viele. Hier eine Auswahl der wichtigsten Siegel.

Textilsiegel GOTS

Das GOTS-Siegel ("Global Organic Textile Standards") für Kleidung gilt als besonders verantwortungsvoll, weil es sowohl die Unbedenklichkeit des Stoffes als auch die sozialen Kriterien bei der Herstellung prüft. Zusätze wie toxische Schwermetalle, Formaldehyd oder giftige Farbstoffe sind verboten. Abwässer müssen umweltschonend entsorgt werden. Gleichzeitig verbietet das Siegel Zwangs- und Kinderarbeit und verpflichtet die Hersteller zu Mindestlöhnen.

Das GOTS-Siegel ("Global Organic Textile Standards") für Kleidung gilt als besonders verantwortungsvoll, weil es sowohl die Unbedenklichkeit des Stoffes als auch die sozialen Kriterien bei der Herstellung prüft. Zusätze wie toxische Schwermetalle, Formaldehyd oder giftige Farbstoffe sind verboten. Abwässer müssen umweltschonend entsorgt werden. Gleichzeitig verbietet das Siegel Zwangs- und Kinderarbeit und verpflichtet die Hersteller zu Mindestlöhnen.

Beim Fairtrade-Label geht es um die Menschen, die an der Entstehung des Produkts beteiligt sind. Das Siegel wird für faire Arbeitsbedingungen im Anbau und bei der Verarbeitung von Baumwolle vergeben. Baumwollbauern erhalten einen Mindestpreis für ihre Ware und müssen auf Gentechnik und den Einsatz bestimmte Pestizide verzichten. Für die Weiterverarbeitung der Fairtrade-Baumwolle müssen menschenwürdige Arbeitsbedingungen sichergestellt werden.

Relativ bekannt ist das Öko-Tex 100-Siegel. Es wird von der Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie vergeben. Geprüft wird hier allerdings nur auf Schadstoffrückstände in den Textilien. Das Siegel sagt damit nichts über die Herstellungsbedingungen aus. Untersuchungen werden außerdem ausschließlich an eingereichten Proben durchgeführt, es finden keine Betriebsprüfungen statt.

Als Ergänzung zum klassischen Öko-Tex-Siegel gibt es den Öko-Tex Standard 1000. Geprüft wird hier der gesamte Herstellungsprozess hinsichtlich der Umweltbelastungen: Energieverbrauch, Wasser- und Luftverschmutzung. Auch hier aber bleiben die menschenrechtlichen Aspekte unberücksichtigt.

Das EU Eco-Label kennzeichnet Produkte, die "geringere Umweltauswirkungen haben als Vergleichbare". Neben Reinigungsprodukten, Elektrogeräten oder Lacken können auch Textilien dieses Siegel tragen. Es soll bezeugen, dass bei der Herstellung die Verschmutzung von Flüssen und Seen "gemindert" wird. Produzenten müssen dafür lediglich Unterlagen einreichen, die bezeugen, dass die gebotenen Grenzwerte eingehalten wurden. Vor Ort gibt es keine weiteren Prüfungen.

Strenge Regeln gelten für das Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN). Es dürfen ausschließlich Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet werden, Synthetik ist verboten. Bei der Verarbeitung dürfen keine giftigen Chemikalien eingesetzt werden. Auch für Knöpfe oder Reißverschlüsse gelten strenge Auflagen. Geprüft wird jährlich, Hersteller verpflichten sich zudem zur Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen.

Das Siegel der Fair Wear Foundation soll menschenwürdige Arbeitsbedingungen garantieren: Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, ordentliche Arbeitsverträge, sichere Arbeitsbedingungen und Löhne - und zwar für die gesamte Lieferkette von der Plantage bis zum Transport der fertigen Ware. Die FWF überprüft die Einhaltung ihrer Bedingungen vor Ort. FWF gilt als unabhängige Nonprofit-Organisation, die mit 80 Herstellern zusammenarbeitet - darunter Marken wie Hess Natur, Armed Angels oder Ergo Bag.

BioRe ist das Siegel der Schweizer Firma Remei AG. In eigenen Anbauprojekten in Indien und Tansania wird Baumwolle umweltschonend kultiviert, der gesamte Weiterverarbeitungsprozess erfolgt nach Angaben der Firma unter strengen ökologischen und menschenrechtlichen Kriterien. Produkte mit dem BioRe-Siegel werden von Firmen wie dm Drogeriemarkt, Globetrotter, Mammut oder Rewe verkauft.

Das "Cradle to cradle"-Siegel bewertet sämtliche Substanzen, die bei der Verarbeitung eines Stoffes zum Einsatz kommen. Materialien sollen dabei möglichst recycel- oder kompostierbar sein. Gegründet wurde das Label von den Beratungsunternehmen EPEA International und MBCD. Nach Ansicht von Greenpeace sind die Grenzwerte für bedenkliche Chemikalien aber nicht genau genug. In Deutschland sind Produkte der Firmen Trigema oder Puma mit diesem Siegel erhältlich.

Wo kommt die Biobaumwolle her?

Mit Abstand die meisten Biobaumwoll-Produzenten sitzen in Indien: Hier wächst 56 Prozent der weltweiten Biobaumwolle. Aus China kommen 14 Prozent der weltweiten Biobaumwolle, gefolgt von Kirgistan und Tadschikistan.

Welche Vorteile hat Bio für die Farmer?

Baumwollernte

Baumwollernte in Indien

Recherchen der WDR-Sendung Markt in Indien haben gezeigt, dass es den Farmern nach der Umstellung auf biologische Baumwollproduktion besser ging. Die Produzenten berichteten von besserer Qualität ihrer Böden, stellten ihr Saatgut selbst her und mussten keine teuren Pestizide und chemischen Düngemittel mehr bezahlen. Zudem bringt die Biobaumwolle einen höheren Ertrag für die Familien und schont die Gesundheit der Arbeiter.

Kann man für kleines Geld ein gutes Gewissen kaufen?

Wer ein T-Shirt aus zertifizierter Bio-Baumwolle kauft, kann sich - je nach Siegel - mehr oder weniger sicher sein, damit zumindest den Planeten zu schonen: Durch Meeresströmungen, über die Atmosphäre und über die Nahrungskette verteilen sich die Chemikalien aus der Textilherstellung über den ganzen Globus. Sogar in der Arktis und Antarktis wurden bereits Schadstoffe aus der Textilproduktion nachgewiesen.

Nach Auffassung des Umweltinstituts München bewahrt man mit dem Kauf eines einzigen Baumwoll- T-Shirts aus biologischer Baumwolle rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger. Höchstwahrscheinlich leben dadurch auch einige Baumwollbauern gesünder und vielleicht unabhängiger.

Wurde die gesamte Produktionskette - also auch der Färbe- und Bleichprozess - bio-kontrolliert, kann man zudem davon ausgehen, selber keine Gifte auf der Haut zu tragen.

Stand: 22.11.2017, 06:00