Stiftung Warentest: Blick hinter die Kulissen

Prüfung Saugleistung Staubsauger

Stiftung Warentest: Blick hinter die Kulissen

Von Ute Schyns

  • Blick hinter die Kulissen der Stiftung Warentest
  • Finanzierung unter anderem über Zeitschriften und Stiftungskapital
  • Stiftung hält ihre Prüflabore geheim

Gegründet wurde die Stiftung Warentest 1964 als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Laut Satzung soll die Stiftung Verbrauchern in der Bewertung von Produkten und Leistungen objektive Orientierung bieten und sie über die Techniken optimaler Haushaltführung aufklären.

Stiftung Warentest: Blick hinter die Kulissen

Die Welt der Prüflabore erscheint Laien skurril: abgeschottet, mit vielen Ingenieuren, Dunkelkammern und Geräten, die ständig etwas messen. Scheinbar kleinkariert geht es um Details.

Staubsauger

Normstaub beim Staubsauger-Test
Nahezu alles ist bei einem Test normiert. Selbst der Staub, den die Staubsauger für einen Test aufsaugen müssen. Im Fachjargon ist von "normativem Teststaub" die Rede. Für einen professionellen Test saugt natürlich niemand mehr händig eine Wohnung, sondern das wird auf dem Prüfstand über eine Automatik gesteuert.

Normstaub beim Staubsauger-Test
Nahezu alles ist bei einem Test normiert. Selbst der Staub, den die Staubsauger für einen Test aufsaugen müssen. Im Fachjargon ist von "normativem Teststaub" die Rede. Für einen professionellen Test saugt natürlich niemand mehr händig eine Wohnung, sondern das wird auf dem Prüfstand über eine Automatik gesteuert.

Der Türschwellen-Pfosten-Test
Automatisiert findet auch der sogenannte Türschwellen-Pfosten-Test statt. Bei diesem Test versuchen die Ingenieure auf dem Prüfstand das zu simulieren, was Verbraucher dem Staubsauger zumuten, wenn sie ihn am Schlauch durch die Wohnung ziehen und der Sauger gegen Türschwellen und Pfosten knallt. Dafür wird der Sauger in eine Apparatur eingeklemmt, die ihn auf einem Band 10.000 Mal über nachgebaute Türschwelle zieht.

Elektromagnetische Verschmutzung
In einer ganz besonderen Halle wird die elektromagnetische Strahlung von Geräten gemessen. Das ist wichtig, auch um herauszufinden, ob sie andere Geräte in ihrer Funktionsweise stören können. Bei einem Herzschrittmacher zum Beispiel wäre das sehr gefährlich. Die seltsam anmutenden "Hüte" an Decke und Wänden sollen verhindern, dass die Strahlung reflektiert wird.

Im Lichtlabor
In einem Lichtlabor werden Leuchten genau vermessen. In einer sogenannten "Ulbricht-Kugel" zum Beispiel können die Ingenieure den Lichtstrom analysieren, die Farben und auch wie die Lichtquelle ihr Licht im Raum verteilt. Das ist wichtig, um herauszufinden, ob es ein sehr fokussiertes Licht ist oder ob es breit streut.

Genormte Wäsche
Auch beim Waschmaschinen-Test wird nichts dem Zufall überlassen. Auch nicht, wie die Wäsche gefaltet und die Trommel bestückt wird. Alles genormt – nicht nur Wasserhärte und Verschmutzung der Wäsche. Sondern auch wie das nächste Handtuch eingelegt wird: streng nach Vorschrift mit der Spitze nach vorne. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Kopfkissen kommen so rein, dass die Spitze seitlich zeigt. Das macht man, damit die Testergebnisse der Waschmaschinen-Modelle vergleichbar sind.

Finanzierung über Zeitschriften

Die Stiftung finanziert sich aus unterschiedlichen Quellen. Im Jahr 2016 stammte mit gut 60 Prozent der Löwenanteil der Umsatzerlöse aus dem Verkauf der Zeitschrift "test" und "Finanztest". Mit gut sieben Prozent fällt der Beitrag den die kostenpflichtigen Abrufe von Testergebnissen über Webseite der Stiftung beisteuern, bisher eher gering aus.

Acht Prozent kommt aus dem Verkauf von Büchern. Nochmal 7,5 Prozent fließen über das Geschäft mit den Logolizenzen in die Kassen - schließlich werben Unternehmen mit guten Testergebnissen gerne mit dem Logo. Gut vier Prozent der Erlöse konnte die Stiftung über Kapitalerträge generieren. Gut zehn Prozent schießt der Staat dazu.

Der Weg in die finanzielle Unabhängigkeit

Das Stiftungskapital wurde zuletzt auf insgesamt einen Wert von 175 Millionen Euro aufgestockt. Ziel ist, dass die jährlichen Zuwendungen des Staates zurückgefahren werden und die Stiftung komplett ohne Zuschüsse auskommt - was angesichts der Niedrigzinsen durchaus herausfordernd ist.

Prüflabore werden abgeschirmt

Die Stiftung Warentest verfügt über keine eigenen Prüflabore, sondern beauftragt externe Institute damit, die Tests nach ihren Vorgaben durchführen. Um die Labore betreibt die Stiftung bewusst Geheimniskrämerei. Zwar führt sie Journalisten regelmäßig durch die Labore, um welche es sich genau handeln, darf aber nicht verraten werden.

"Das machen wir, damit die Hersteller keinen Druck auf die Labore ausüben und Testergebnisse nicht beeinflussen können", erklärt Holger Brackmann, Untersuchungsleiter der Stiftung Warentest. Denn das habe man in der Vergangenheit schon erlebt. Die Unabhängigkeit der Prüfergebnisse ist für die Stiftung ein entscheidender Punkt. "Damit das gelingt, finden auch unsere Testkäufe anonym statt."

Oft andere Testergebnisse als die Hersteller

Die Tests der Stiftung Warentest richten sich zum einen nach den gesetzlichen Normen, zum anderen nach eigenen Vorgaben, die strenger sind als das Gesetz. Die Stiftung versuche bei ihren Prüfungen der Realität nahe zu kommen. Dass die Tests ordentlich Geld kosten, zeigt das Budget: Allein in 2017 lag das Testbudget bei 7,8 Millionen Euro.

Stiftung Warentest: Blick hinter die Kulissen

WDR 2 Servicezeit | 07.03.2018 | 03:43 Min.

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Stand: 07.03.2018, 13:40