Flüssig bleiben im Urlaub

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Flüssig bleiben im Urlaub

Von Ute Schyns

Vor dem Urlaub ist Koffer-Packen angesagt - das ist klar. Aber es gibt auch noch ein paar andere Sachen, um die man sich am besten vorher ein paar Gedanken machen sollte, zum Beispiel um die Finanzen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ob Bargeld, die frühere EC-Karte oder die Kreditkarte - jedes Zahlungsmittel hat im Ausland Stärken und Schwächen.
  • Grundsätzlich sollten Sie sie im Urlaub möglichst kombinieren.
  • Eine direkte Umrechnung in Euro wird schnell zur Kostenfalle.
Touristen sitzen am Strand in Griechenland unter einem weißblauen Sonnenschirm

Ob Spanien, Italien oder ein Reiseziel in Übersee - zur Vorbereitung des Urlaubs im Ausland zählt auch die Frage, ob Bargeld allein ausreicht, welche Karten sich eignen und was Reiseschecks bringen. Vorsicht ist angebracht, wenn außerhalb der Euro-Zone Händler oder Geldautomaten anbieten, die Landeswährung direkt in Euro umzurechnen. Grundsätzlich gilt: Setzen Sie nie allein auf ein einziges Zahlungsmittel! Für einen Wochenendurlaub in Österreich mag es noch ausreichen, sich ganz auf Bargeld zu verlassen. Schon bei einem einwöchigen Urlaubsaufenthalt sollten Sie aber auf Nummer sicher gehen und vor Ort zwischen mehreren Optionen wählen können. Wir informieren über Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten.

  • Bargeld
  • Bankkundenkarten (früher EC-Karten)
  • Sparkarten
  • Kreditkarten
  • Achtung, Kostenfalle! Direkte Umrechung in Euro
  • Reiseschecks (Travellerschecks)
  • Für den Notfall: Geldtransfer ins Ausland

Flüssig bleiben im Urlaub

WDR 2 Servicezeit | 18.07.2017 | 02:56 Min.

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Bargeld

Bargeld ist unkompliziert und wird nahezu überall akzeptiert. Logisch also, dass bares Geld auch im Ausland zur Grundausstattung eines jeden Geldbeutels gehört. Wie viel Bargeld Sie mitnehmen sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wie lange dauert Ihr Aufenthalt?
  • Wie hoch ist das Risiko, dass Sie das Geld verlieren oder es Ihnen gestohlen wird?
  • Wie unkompliziert können Sie andere Zahlungsmittel wie Bank- oder Kreditkarten einsetzen?

Grundsätzlich sollten Sie darauf achten, nie Ihren gesamten Bargeldvorrat zu verbrauchen. Auch sollten Sie nie Ihr gesamtes Bargeld am Körper tragen. Teilen Sie Ihren Vorrat auf und deponieren Sie einen Teil an einem sicheren Ort wie zum Beispiel dem Safe Ihres Hotels. Wenn Sie in ein Land außerhalb der Eurozone reisen, sollten Sie zumindest einen kleinen Teil des Geldes schon an ihrem Heimatort in die Fremdwährung tauschen. So können problemlos die Taxifahrt zum Hotel, ein Trinkgeld oder die erste Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken bezahlen. Überprüfen Sie aber zuvor, ob Sie die Fremdwährung auch in das Urlaubsland einführen dürfen. Manche Länder beschränken die Einfuhr ihrer eigenen Währung auf relativ geringe Beträge. Informationen hierzu erhalten Sie zum Beispiel auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Auch das Ausführen der Landeswährung ist nicht immer in unbegrenzter Höhe möglich.

Bankkundenkarten (früher EC-Karten)

Die klassische Kundenkarte der eigenen Bank kennen viele Verbraucher unter der Bezeichnung EC-Karte. Korrekterweise spricht man heute von der Girokarte. Mit ihr kann man unter anderem Geld abheben und Kartenzahlungen leisten. Die Girokarte ist grundsätzlich auch für den Einsatz im Ausland (Geldabheben und Bezahlen) geeignet. Die beiden bekanntesten Systeme dafür sind Maestro (von Mastercard) und V Pay (von Visa). Beide Anbieter sind Verbrauchern eher wegen ihrer Kreditkarten bekannt. Die Unternehmen vertreiben aber eben auch die hier beschriebenen Girokarten. Daneben existieren auch weitere Anbieter, etwa EUFISERV als Angebot der europäischen Sparkassen. Verbraucher erkennen anhand der Logos auf der Karte, welches System die eigene Karte unterstützt.

Die Karten mit V Pay Zeichen könnten allerdings schon im europäischen Ausland für Verdruss sorgen. Denn bei diesen Karten wird fürs Geldabheben und Zahlen nur der Chip ausgelesen. Ältere Automaten oder Kassensysteme, die nur den Magnetstreifen auf der Karte lesen können, verweigern dann den Dienst. Zwar erwartet VISA keine Schwierigkeiten bei der Akzeptanz. Doch wer auf Nummer Sicher gehen will, erkundigt sich besser bei seinem Geldinstitut, ob er am Urlaubsort problemlos Geld bekommen kann. Nach bisherigem Kenntnisstand kann es außerhalb Europas bei Karten mit dem V Pay-Logo zu Akzeptanzproblemen kommen. Allerdings scheint dieses Risiko immer geringer zu werden. So wurde die Karte auch schon bisher in einigen außereuropäischen Ländern, zum Beispiel in Teilen der Türkei oder Israel, akzeptiert. Visa gibt auf der eigenen Homepage mittlerweile an, dass die V Pay-Karten weltweit dort akzeptiert werden, wo Verfügungen per Chip und PIN zur Verfügung stehen. Sicherheitshalber sollten Sie sich aber bei Ihrer eigenen Bank nach der Akzeptanz informieren.

Anders dagegen die Maestro-Karte. Bei ihr sind auch Verfügungen unter Einsatz des Magnetstreifens möglich. Sie ist grundsätzlich weltweit einsetzbar. Gerade dieser Vorteil kann aber zugleich ein Risiko darstellen: Kriminelle können die Daten auf dem Magnetstreifen per Skimming auslesen und dann eine Kartenkopie erstellen. Erkundigen Sie sich vor Reiseantritt bei Ihrer Bank, was der Karteneinsatz im Ausland kostet. Beachten Sie dabei: Oft informieren die Institute nur über ihre eigenen Entgelte. Daneben können aber auch die Banken oder Händler vor Ort ein Entgelt verlangen. Etwa für die Nutzung des Geldautomaten vor Ort. Zahlen Sie in einer fremden Währung kann auch ein ungünstiger Wechselkurs unnötige Kosten verursachen.

Das Bezahlen in Europa in Euro ist derzeit kostenlos. Hintergrund ist die EU-Preisverordnung nach der grenzüberschreitenden Zahlungen nicht teurer als inländischen sein dürfen. Da aber bei Zahlungen innerhalb Deutschlands kein Entgelt erhoben wird, ist dies auch bei Euro-Zahlungen im Ausland nicht zulässig. Beim Geldabheben im europäischen und außereuropäischen Ausland fallen allerdings Entgelte an. Das gilt ebenso für das Bezahlen außerhalb Europas. Unabhängig davon, welche Karte Sie in den Urlaub mitnehmen, gilt: Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass Sie auf den Kosten sitzen bleiben, wenn Betrüger Ihre Karte in die Finger bekommen und dann Ihr Geld ausgeben. Also sollten Sie die Karte möglichst nie aus der Hand geben und sie bei Verlust sofort sperren lassen. Falls Sie nur eine Bankkarte ohne Maestro-, EUFISERV- oder V Pay-Zeichen besitzen, sollten Sie im Ausland nicht darauf setzen - diese Karten sind in der Regel nur für den Gebrauch in Deutschland vorgesehen.

Sparkarten

Eine weitere Art von Bankkundenkarten wandelt auf den Spuren des alten Postsparbuches, mit dem man in vielen Ländern Geld abheben konnte. Das geht nun seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Doch einige große Banken bieten heute Sparkarten an, mit denen ebenfalls Abhebungen im Ausland möglich sind. Die genauen Bedingungen und die Zahl der Akzeptanzstellen unterscheiden sich von Bank zu Bank. Bei allen kann jedoch nur über zuvor aufgebautes Guthaben verfügt werden. Die Höhe der Abhebungen pro Monat ist in der Regel begrenzt. Das erleichtert es, den Überblick zu behalten, schränkt aber die Flexibilität ein.

Sparcard der Postbank

Vorsicht! Die Postbank hat die Zahl der kostenlosen Auslandsabhebungen auf vier Abhebungen pro Kalenderjahr und Konto reduziert. Zudem bezieht sich die Aussage "kostenlos" auf Entgelte der Postbank oder Visa. Es ist möglich, dass der Automatenbetreiber vor Ort ein Entgelt erhebt. Dies zeigt Ihnen der Geldautomat aber in aller Regel vorher an. Wenn Sie sich im Urlaub auf eine solche Karte verlassen wollen, sollten Sie vorab sehr genau klären, ob die Karte an Ihrem Reiseziel akzeptiert wird - und welche Kosten dabei entstehen können. Daher gilt auch hier: Fragen Sie Ihre Bank oder Sparkasse. Beachten Sie: Bezahlen können Sie mit einer solchen Sparkarte allerdings nicht.

Gedeckter Tisch auf einer Terrasse am Meer

Kreditkarten

Kreditkarten können im Ausland sehr praktisch sein: Man kann mit ihnen am Automaten Geld abheben und außerdem in zahlreichen Geschäften und Restaurants bezahlen. Die Währung des Landes, in dem man sich befindet, spielt dabei in der Regel keine Rolle. Allerdings bergen Kreditkarten die gleichen Sicherheitsprobleme wie Bankkarten. Wie bei diesen, kann es unter Umständen schwer fallen, den Überblick über alle Kontobewegungen zu halten - gerade bei längeren Auslandsaufenthalten.

In jedem Fall sollten Sie sich vorab erkundigen, welche Gebühren beim Geldabheben und Bezahlen auf Sie zukommen. Grundsätzlich sollten Sie dabei drei Kostenfaktoren unterscheiden. Die Entgelte der eigenen Bank bzw. Kreditkartenunternehmens. Den bei fremden Währungen anfallenden Wechselkurs. Sowie Entgelte der Bank oder des Händlers vor Ort. So verlangen die Geldautomatenbetreiber vor Ort beispielsweise eine Gebühr für die Nutzung ihres Automaten. Auch Händler verlangen womöglich ein Entgelt für das Bezahlen per Karte. Der Werbeslogan mancher Bank, mit der Karte könne man "weltweit kostenlos geldabheben und bezahlen" bezieht sich oft nur auf die eigenen Entgelte. Erkundigen Sie sich im Zweifel bei Ihrer Bank.

Mann am Geldautomat in Kroatien

Achtung, Kostenfalle! Direkte Umrechnung in Euro

Vorsicht ist geboten, wenn der Geldautomat im Ausland anbietet, die Landeswährung direkt in Euro umzurechnen ("Sofortumrechnung", "Auszahlung mit Umrechnung", "Dynamic Currency Conversion" oder "DCC"). Häufig lockt der Automat zwar mit Anpreisungen, wie "garantierter Wechselkurs" oder "kein Aufschlag". Tatsächlich wird es für den Kunden aber zumeist teuer, da die Automatenbetreiber einen schlechten Wechselkurs zu Grunde legen oder Aufschläge verlangen. In aller Regel ist es günstiger die Umrechnung abzulehnen. Dies übernimmt dann - zu besseren Konditionen - das Kreditkartenunternehmen oder die heimische Bank. Das gleiche Problem existiert bei Kartenzahlungen an der Kasse, etwa an der Tankstelle oder im Restaurant. Auf das Angebot, direkt in Euro zu zahlen, sollten Kunden lieber nicht eingehen. In der Regel sind auch hier die Wechselkurse der Banken daheim und der Kreditkartenunternehmen günstiger als die der Händler. Achten Sie zudem vor Eingabe der PIN oder dem Unterschreiben der Quittung darauf, dass der geforderte Betrag in der Landeswährung ausgewiesen ist. Womöglich wird Ihnen die ungünstige sofortige Umrechnung sonst einfach untergeschoben.

Reiseschecks (Travellerschecks)

Früher waren Reiseschecks eine zusätzliche Alternative bei der Wahl der Zahlungsmittel im Ausland. Diese wurden zum Beispiel von Unternehmen wie American Express oder Thomas Cook ausgegeben. Ihre Bedeutung ist vor allem durch die große Verbreitung der Kreditkarten gesunken, sodass sie in der Praxis keine oder nur eine marginale Rolle spielen und de facto zumindest in Deutschland nicht mehr ausgegeben werden. Wer noch alte Reiseschecks besitzt, sollte sich vor Reiseantritt nach der Akzeptanz am Urlaubsort erkundigen.

Der Vorteil der Reiseschecks: Sie waren ein recht sicheres Zahlungsmittel. Wer Reiseschecks benutzen wollte, musste nämlich jeden Scheck unterschreiben, wenn er die Schecks in Empfang nahm. Wollte er einen Scheck einlösen, musste er erneut unterschreiben und dabei einen Personalausweis oder Reisepass vorlegen. Die ausgebenden Unternehmen versprachen zudem, verloren gegangene Reiseschecks innerhalb weniger Tage zu ersetzen. Dann wurden Gebühren für die Neuausstellung fällig, es bestand aber Versicherungsschutz. Reiseschecks waren also für Reisen in unsichere Länder gut geeignet. Trotzdem hatten Reiseschecks auch einige Nachteile, etwa die relativ hohen Kosten. Meist gab es eine Mindestgebühr von sechs Euro, die schon beim Kauf der Reiseschecks zu zahlen war. Beim Einlösen fielen weitere Gebühren an. Reiseschecks waren in vielen wichtigen Währungen wie Euro, US-Dollar, Britisches Pfund, Schweizer Franken oder Japanische Yen erhältlich.

Für den Notfall: Geldtransfer ins Ausland

Für den Fall der Fälle sollten Sie außerdem vor einem längeren Auslandsurlaub klären, wie Verwandte oder Bekannte Ihnen Geld ins Ausland schicken können. Das schnellste Mittel dafür sind so genannte Blitzüberweisungen, die von Geldtransfer-Diensten wie Western Union oder Moneygram angeboten werden. Um mit diesen Diensten Geld zu versenden oder zu empfangen, benötigen Sie kein Bankkonto, sondern nur einen gültigen Ausweis und verschiedene persönliche Daten des Senders oder Empfängers. Das Geld kann in der Regel schon wenige Minuten nach dem Transfer bei Agenturen der Zahlungsdienstleister im Empfängerland abgeholt werden. Nachteil: Dieser Service kann furchtbar teuer werden. Sie sollten es also vermeiden, in eine derart missliche Lage zu kommen, dass Sie sich auf diese Weise Geld schicken lassen müssen. Die geschickte Kombination von verschiedenen der oben genannten Zahlungsmittel schützt Sie davor. Bei dem Vergleich der Konditionen verschiedener Anbieter hilft beispielsweise die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betriebenen Seite www.geldtransfair.de. (Quelle: VZ-NRW)

Stand: 18.07.2017, 11:10