Winterreifen: Wechsel, Sicherheit und Regeln

Allwetter- oder Winterreifen? Darauf sollten Autofahrer achten Servicezeit 11.11.2020 07:16 Min. UT Verfügbar bis 11.11.2021 WDR Von Burkhard Vorländer

Winterreifen: Wechsel, Sicherheit und Regeln

Die meisten schieben es möglichst lange hinaus oder versuchen es sogar ganz zu umgehen: Den Wechsel von Sommer- auf Winterreifen. Fragen und Antworten rund um Winterreifen.

Wann müssen Winterreifen aufgezogen werden?

Ein Mann misst die Profiltiefe eines Reifens

Einen allgemein vorgeschriebenen Zeitpunkt gibt es in Deutschland nicht. Der Gesetzgeber schreibt lediglich vor, dass die Ausrüstung "an die Wetterverhältnisse anzupassen" ist. Pflicht sind Winterreifen demnach nur bei schlechten Straßenverhältnissen, etwa Schnee, Eis und Reifglätte.

Als Faustregel gilt die sogenannte O-bis-O-Regel: Demnach sollen von Oktober bis zum Wochenende nach Ostern Winterreifen auf dem Auto bleiben.

Wer Winterreifen vom Vorjahr aufzieht, sollte vorher das Profil checken. Der Gesetzgeber schreibt für Winterreifen eine Profiltiefe von 1,6 Millimetern vor. "Das ist viel zu wenig", sagt Peter Millies. Der Kfz-Sachverständiger empfiehlt, Reifen unter 5 Millimeter Profiltiefe auf jeden Fall zu erneuern.

Sind Winterreifen wirklich nötig?

Sommerreifen verhärten bei sehr niedrigen Plusgraden, wodurch sich die Haftung auf der Straße spürbar reduzieren kann. Daher fährt man bei Kälte mit Winterreifen souveräner und kann vor allem besser bremsen. Winterreifen werden aus einer weicheren Gummimischung mit zusätzlichen Rillen gefertigt, in denen sich Schnee und Matsch gar nicht erst festsetzen.

Auf welche Siegel muss ich beim Kauf achten?

Winterreifenwechsel eines Automechanikers in einer Kfz Werkstatt,

Wer jetzt Winterreifen kauft, sollte unbedingt auf das sogenannte "Alpine"-Symbol achten. Das dreigezackte Bergpiktogramm mit der Schneeflocke in der Mitte ist Pflicht für alle Winterreifen, die ab 1.1.2018 gekauft werden. Das alte M+S-Zeichen reicht für neu produzierte Winterreifen nicht mehr aus. Übergangsweise (bis 30.9.2024) erfüllen jedoch bereits hergestellte Reifen mit M+S-Kennzeichnung noch die Winterreifenpflicht.

Dem "Alpine"-Symbol liegt ein höherer Qualitätsanspruch zugrunde: Während für die Bezeichnung M+S keine einheitlichen winterlichen Prüfkriterien erforderlich sind, müssen Reifen für das "Alpine"-Symbol bei einem vergleichenden Bremstest auf Schnee Mindestqualitäten nachweisen.

Außerdem sollte bei Neukauf unbedingt die DOT-Nummer auf den Reifen überprüft werden. "Sie zeigt an, in welcher Woche und in welchem Jahr der Reifen produziert wurde", erklärt Kfz-Sachverständiger Peter Millies. Beim Kauf sollten Reifen nicht älter als ein bis zwei Jahre sein.

Bin ich im Winter auch mit Sommerreifen versichert?

In aller Regel bleibt der Haftpflichtschutz für Autofahrer mit Sommerreifen bestehen, wenn diese im Winter einen Unfall verursachen. Das heißt, die Versicherung zahlt dem Unfallopfer den Schaden.

Aber: Wenn winterliche Straßenverhältnisse eindeutig andere Reifen erfordern, weil etwa Kälte, Glatteis oder Schnee schon wochenlang für Behinderungen auf den Straßen gesorgt haben, muss ein Unfallverursacher laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft damit rechnen, von seiner Versicherung mit bis zu 5.000 Euro in Regress genommen zu werden.

Auch bei Teil- und Vollkaskoschutz, der den Schaden am eigenen Auto abdecken soll, können Sommerreifen den Versicherungsschutz gefährden. Kann die Versicherung nachweisen, dass der Autofahrer fahrlässig mit Sommerreifen unterwegs war, kann sie die Zahlung kürzen.

Wie werden Sommerreifen am besten gelagert?

Sommerreifen sollten im Winter trocken, dunkel und nicht zu warm gelagert werden. Optimal ist es, die Sommerreifen auf den Felgen auf einer Palette liegend übereinander zu stapeln und abzudecken. Auch lassen sich die Reifen am Felgenloch aufhängen, um Druckstellen zu vermeiden. Reifen ohne Felge stehen dagegen besser und sollten etwa alle vier Wochen etwas gedreht werden, um Dellen zu vermeiden. Auf jeden Fall sollten Autobesitzer vor dem Abmontieren die Position am Auto mit Kreide auf den Reifen schreiben – das erleichtert die Montage im Frühjahr.

Wie hoch sind die Geldbußen für Sommerreifen im Winter?

Wer bei Schnee und Eis von der Polizei mit Sommerreifen erwischt wird, muss 60 Euro zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg. Mit 80 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei werden Autofahrer bestraft, die durch ihre Sommerreifen andere Verkehrsteilnehmer behindern. Bei einem Unfall steigt das Bußgeld auf 120 Euro.

Auch Haltern, die eine Fahrt mit falscher Bereifung anordnen oder zulassen, droht ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro und ein Punkt. Das betrifft beispielsweise Autovermieter.

Sind Ganzjahresreifen eine Alternative?

Ganzjahresreifen sparen den halbjährlichen Wechsel und Einlagerungskosten. Sie sind eine Alternative für Autofahrer, die in flacheren Gebieten leben, keinen Skiurlaub planen oder nicht mit dem Wagen im Sommer nach Südeuropa fahren wollen. Auch für Zweitwagen, die nur innerstädtisch unterwegs sind, können sie in Erwägung gezogen werden.

Der ADAC mahnt jedoch: "Die Bestleistungen der spezialisierten Sommer- beziehungsweise Winterreifen erreichen sie nicht." In einem Test von Ganzjahresreifen für SUVs und Vans im August 2020 erzielte kein Produkt eine bessere Note als "Ausreichend".

Wer auf Ganzjahresreifen setzt, sollte sich – genauso wie beim Winterreifenkauf – vorher informieren und beraten lassen.

Frostschutz, Reifen und Licht - So wird das Auto winterfest

Reifen wechseln reicht nicht: Vor dem Winter sollte das Auto für Dunkelheit und Kälte gerüstet werden. Ansonsten drohen Bußgelder, Punkte und vor allem ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.

Sommerreifen runter, Winterreifen rauf. Wem solche Arbeiten nicht liegen, sollte rechtzeitig einen Termin in der Werkstatt vereinbaren - bevor diese rar werden. Vor dem Wechsel sollten die Reifen aus dem Vorjahr genau angeschaut werden. Die Profiltiefe sollten mindestens vier bis fünf Millimeter betragen - auch wenn der Gesetzgeber nur 1,6 Millimeter vorschreibt. Außerdem sollten die Reifen nicht älter als sechs Jahre alt sein.

Sommerreifen runter, Winterreifen rauf. Wem solche Arbeiten nicht liegen, sollte rechtzeitig einen Termin in der Werkstatt vereinbaren - bevor diese rar werden. Vor dem Wechsel sollten die Reifen aus dem Vorjahr genau angeschaut werden. Die Profiltiefe sollten mindestens vier bis fünf Millimeter betragen - auch wenn der Gesetzgeber nur 1,6 Millimeter vorschreibt. Außerdem sollten die Reifen nicht älter als sechs Jahre alt sein.

Wer neue Winterreifen kauft, sollte auf das "Alpine"-Symbol achten. Das dreigezackte Bergpiktogramm mit der Schneeflocke ist seit Januar 2018 Pflicht für neu produzierte Pneus. Diese Reifen erfüllen bestimmte Prüfkriterien.

In der dunklen Jahreszeit kommt es auf die Beleuchtung an. Brems- und Rücklichter sowie Abblend-, Stand- und Fernlicht sollten kontrolliert werden. Jeder fünfte Pkw fährt mit mangelhaftem Autolicht, jeder zehnte blendet andere Verkehrsteilnehmer. Das war das Ergebnis des Licht-Tests 2019 der Werkstätten der Kfz-Innung. Auch Scheinwerfer reinigen kann ein besseres Leuchtergebnis bringen.

Für gute Sicht sind saubere Scheiben ausschlaggebend. Blütenreste, Laub und Staub sorgen oft für einen schmierigen Film auf dem Glas und erhöhen die Blendgefahr durch entgegenkommende Fahrzeuge. Daher alle Autofenster einmal von innen und außen gründlich waschen.

Dabei gleich die Scheibenwischer kontrollieren. Marode Wischblätter, die bereits Schlieren bilden, erhöhen bei Regen die Unfallgefahr und sollten erneuert werden. Bei niedrigen Temperaturen kann man über Nacht Isolationsfolie unter die Wischergummis legen, so frieren die Wischer nicht fest.

Eis im Kühlsystem macht den Motor kaputt, daher den Frostschutz überprüfen. Das Kühlwasser sollte auch bei Temperaturen von minus 30 Grad nicht gefrieren, damit das Auto fahrtüchtig bleibt. Auch die Scheiben- und Scheinwerferwaschanlagen brauchen Winterreiniger. Der verhindert die Vereisung der Düsen und kommt zudem besser mit dem Winterschmutz zurecht.

Jetzt noch schnell Lackschäden, Dellen und Kratzer ausbessern. Denn Streusalz kann die angegriffene Karosserie weiter schädigen und die Bildung von Rost beschleunigen.

Ältere Batterien kapitulieren gerne beim ersten Frost. Daher diese besser vor dem Winter überprüfen und gegebenenfalls ersetzen.

Das Winter-Notfall-Paket bereithalten. Dazu gehört der Türschloss-Enteiser, Eiskratzer und ein Anti-Beschlag-Mittel für die Innenscheiben.

Tankstellen verkaufen über das Jahr verschieden zusammengesetzte Diesel-Kraftstoffe. Wer seinen Wagen wenig bewegt und mehrere Monate nicht getankt hat, sollte das bald tun, um temperaturunempfindlicheren Diesel im Tank zu haben. Laut ADAC wird von Mitte November bis Mitte Februar "Winterdiesel" an den Tankstellen verkauft.

Stand: 11.11.2020, 12:03