Spaziergang über den Walpersdorfer Köhlerpfad

Walpersdorfer Köhlerpfad, von weitem sichtbare Meiler

Spaziergang über den Walpersdorfer Köhlerpfad

Von Andrea Klasen

Der Walpersdorfer Köhlerpfad hat viel zu bieten: Er führt durch eine abwechslungsreiche, sehr schöne Landschaft, und auf Schautafeln erfährt der Wanderer viel über das Köhlerhandwerk, das in dem Siegerländer Dorf Walpersdorf noch immer gepflegt wird.

Spaziergang zum "Walpersdorfer Köhlerpfad"

WDR 4 Spaziergang 23.09.2018 02:25 Min. Verfügbar bis 22.09.2019 WDR 4

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Auf den Spuren eines alten Handwerks: Der Walpersdorfer Köhlerpfad

Walpersdorf bei Netphen ist das Köhlerdorf im Siegerland. Hauptberuflich verdient seit den 70er Jahren niemand mehr als Köhler sein Geld, aber viele Walpersdorfer lassen ihre Meiler im Nebenerwerb brennen, um die Holzkohle als Kohle fürs Grillen zu verkaufen. Der Meilergeruch dringt einem sofort in die Nase, wenn man auf dem "Walpersdorfer Köhlerpfad" unterwegs ist. Ein herrlicher Weg, ganz eben, der die Landschaft mit der Geschichte der Köhlerei auf spannende Weise verbindet.

Walpersdorfer Köhlerpfad, ein Mann steht auf einem Meiler und arbeitet dort

Unterwegs auf dem Köhlerpfad kommt man immer wieder an Kohlenmeilern vorbei. Sie wandeln Holz in Holzkohle um. Früher haben die Walpersdorfer diese Holzkohle an die Siegerländer Hütten verkauft, die damit das Erz schmolzen. Reinhold Wagener stammt aus einer Köhlerfamilie. Sein Vater war der letzte hauptberufliche Köhler im Ort. Reinhold Wagener könnte ohne die Köhlerei nicht sein, hat im Laufe der Jahre an junge Männer das alte Handwerk weitergegeben.

Unterwegs auf dem Köhlerpfad kommt man immer wieder an Kohlenmeilern vorbei. Sie wandeln Holz in Holzkohle um. Früher haben die Walpersdorfer diese Holzkohle an die Siegerländer Hütten verkauft, die damit das Erz schmolzen. Reinhold Wagener stammt aus einer Köhlerfamilie. Sein Vater war der letzte hauptberufliche Köhler im Ort. Reinhold Wagener könnte ohne die Köhlerei nicht sein, hat im Laufe der Jahre an junge Männer das alte Handwerk weitergegeben.

Ein Kohlenmeiler, der aufgeschichtet wird. In der Mitte befindet sich ein Schacht, um den das Holz geschichtet wird. Danach deckt der Köhler den Meiler mit Rasen und tiefschwarzer Köhlererde ab. Im Schacht entfacht der Köhler dann eine Glut. Nach neun bis zwölf Tagen ist so ein großer, drei Meter hoher und circa zehn Meter breiter Meiler durchgeglüht. Dann räumt der Köhler ihn aus.

Der fünf Kilometer lange "Walpersdorfer Köhlerpfad" führt durch eine sanft hügelige Landschaft. Der Spaziergänger trifft immer wieder auf Meiler, die vor sich hin rauchen. Der Spazierweg hat nur am Ende eine leichte kurze Steigung. Er ist somit auch gut für Wanderer geeignet, die mit Kindern unterwegs oder nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind.

Ein Hauberg am Rande des Köhlerpfades. Der Hauberg ist eine besondere Form der Siegerländer Waldwirtschaft. Nachhaltigkeit steht im Vordergrund. Die einzelnen Waldparzellen werden nur alle 20 Jahre bearbeitet. Heute nutzen die Waldgenossen ihr Holz als Brennholz für den Kamin. Früher wurde aus dem Holz Holzkohle gemacht, die man an die Siegerländer Hütten verkaufte. In Walpersdorf wird noch immer Holzkohle hergestellt: fürs Grillen und die Metallindustrie.

Auf dem Köhlerpfad erfährt der Spazierende alles Wissenswerte rund um die Köhlerei und die Haubergswirtschaft. Reinhold Wagener, der den Pfad angelegt hat, ist es gelungen, die Geschichte der Köhlerei mit der Landschaft zu verbinden. Die Birken – einer der typischen Bäume des Hauberges – begleiten den Wanderer.

Auch auf die Sieg trifft der Spazierende. Sie entspringt nur etwa drei Kilometer von hier, in unmittelbarer Nachbarschaft der Quellen von Eder und Lahn. In Walpersdorf ist die Sieg ein noch junger Bach, der nach 155 Kilometern in den Rhein mündet.

In Walpersdorf raucht immer irgendwo ein Meiler. In manchen Phasen darf der Köhler seinen Meiler nicht allein lassen. Zu Beginn etwa darf die Glut nicht erlöschen. Dann muss der Köhler Rauch- und Zuglöcher so regulieren, sodass alles gleichmäßig durchglüht. Beim Ausräumen muss er auf Glutnester achtgeben und sie ggf. löschen.

Das Siegerland und das benachbarte Wittgenstein sind beliebte Wanderregionen. Ein großes Netz an Wanderwegen zieht sich durch die Region, die zum Rothaargebirge gehört. Auch im Herbst ist es sehr reizvoll, durch die bunten Mischwälder rund um Walpersdorf zu wandern.

Auf den teils sehr weichen Wegen kann der Wanderer quasi durch den Wald "federn". Der "Walpersdorfer Köhlerpfad" ist sehr abwechslungsreich. Der letzte Teil der Strecke führt durch einen Laubwald. Hier bleibt einem gar nichts anderes übrig, als die Seele baumeln zu lassen.

Wer sein Holz nicht selber schlägt, kauft es als Raum- oder Festmeter. Auch darüber klären die Tafeln am Rande des Köhlerpfades auf: Wie viel Holz bekommt man, wenn man einen Raummeter bestellt? Und wieviel Raummeter sind ein Festmeter? Alle Fragen werden beantwortet und man verlässt den Wald um einiges schlauer.

Am Rande des Pfades brennen immer wieder Kohlenmeiler, die Luft riecht dann nach Rauch und es ist sehr beeindruckend, so einem großen schwarzen Kegel gegenüber zu stehen und ihn rauchen zu sehen. Vielleicht trifft der Wanderer ja auch auf einen Köhler, der ihm erklärt, was im Innern des Meilers so alles passiert.

Der Walpersdorfer Köhlerpfad ist ein fünf Kilometer langer Rundweg, sehr eben, nur am Ende des Weges gibt es eine kleine Steigung. Der Weg eignet sich auch sehr gut für Familien mit Kindern oder Großeltern mit Enkelkindern. Der Köhlerpfad ist mit einem geländegängigen Kinderwagen gut zu bewältigen.

Ganz nebenbei noch etwas lernen

Während des Spazierganges kann man einen "Köhlerquiz" machen, bei dem man Fragen zur Köhlerei beantwortet. Die Auflösung gibt es am Ende des Weges, an der letzten Schautafel.

Gut ausgeschilderter Pfad

Am Wanderparkplatz "Köhlerplatz" (Start- und Endpunkt des Spazierganges) gibt es auch einen Spielplatz für Kinder und eine Sitzgruppe aus Holz, zum Pausemachen.
Der Köhlerpfad ist sehr gut ausgeschildert. Der Wanderer folgt einfach dem Weg A1 und den Schildern "Köhlerpfad".
Reinhold Wagener bietet auch Führungen für Schulklassen an. Erreichbar unter 02737 - 5404.

Wer will, kann im Dorf Holzkohle aus dem Kohlenmeiler kaufen.
Im nächsten Jahr findet das 675. Dorfjubiläum in Walpersdorf statt. Dann wird es sicher auch viele Veranstaltungen rund um die Köhlerei geben.

Anfahrt und Einkehr:

Startpunkt ist der Wanderparkplatz "Köhlerplatz" in 57250 Netphen-Walpersdorf aus Richtung Netphen/Autobahn kommend, liegt der Parkplatz am Ende des Dorfes links von der Eisenstraße oder aus Feudingen kommend dann rechts.

Einkehrmöglichkeiten:

Gasthaus Klein
Marburger Straße 7
57250 Netphen

Landgasthof "Zum Lahnhof“
Lahnhof 4
57250 Netphen

Beide Häuser liegen etwa fünf bis zehn Minuten entfernt vom Wanderparkplatz.

Stand: 22.09.2018, 00:00