Wachstücher - gute Alternative zur Klarsichtfolie?

Wachstücher keine echte Verpackungsalternative Markt 22.04.2020 06:48 Min. UT Verfügbar bis 22.04.2021 WDR Von Maria Kümpel

Wachstücher - gute Alternative zur Klarsichtfolie?

  • Umweltfreundliche Wachstücher ersetzen Frischhaltefolie
  • Tücher können einfach selber gemacht werden
  • Selbst Brotbeutel lassen sich aus Wachstüchern fertigen
  • Aber: Rückstände von Pestiziden gefunden

Wie hält man Lebensmittel lange frisch, ohne zugleich Müll zu produzieren? Das fragen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihren Alltag nachhaltiger gestalten wollen. Der Handel bewirbt Wachstücher als umweltfreundliche Alternative zur Frischhaltefolie aus Kunststoff. Aber sind sie das wirkllich?

Sind Wachstücher eine gute Alternative zur Frischhaltefolie?

Die Versprechen des Handels klingen verlockend: Die mit Bienen- oder Pflanzenwachs beschichteten Tücher halten Lebensmittel ebenso lange frisch wie dünne Kunststofffolie, können aber mehrfach verwendet oder auch kompostiert werden.

Doch die Produkte sind keine unbedenkliche Alternative. Pestizid-Rückstände, die vom Wachs auf die Lebensmittel übergehen könnten, Jojobaöl als Inhaltsstoff und die Gefahr von Keimbildung können zum Problem werden.

Aus welchem Material bestehen Wachstücher?

Wachstücher bestehen in der Regel aus Baumwolle, die mit Bienenwachs oder Jojobaöl imprägniert werden.

Jojobaöl ist auch bekannt als "Jojoba-Flüssigwachs", "Simmondsiawachs", "Jojoba liquid wax" oder "Jojoba oil". Dabei handelt es sich um ein Wachs, das durch Kaltpressung aus den reifen Samen der Pflanze Simmondsia chinensis gewonnen wird.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist Jojoba für die Verwendung in Lebensmitteln nicht geeignet: "Da ein Übergang von Jojobaöl von einem Lebensmittelkontaktmaterial wie den beschriebenen Tüchern in Lebensmittel wahrscheinlich ist, sollte Jojobaöl nicht in diesem Zusammenhang verwendet werden."

Bei Ratten hat man festgestellt, dass Jojobaöl die Zellen des Darms schädigt. Deshalb sollten Lebensmittel im besten Fall nicht in direkten Kontakt mit dem Wachstuch kommen, weil sich so Schadstoffe übetragen können. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Tücher nur zur Abdeckung offener Gefäße nutzen.

Kann man alle Lebensmittel in Wachstücher einschlagen?

Nein. Wachstücher sind etwa zum Einwicklen von Fisch oder rohem Fleisch nicht geeignet. Da sie nicht heiß gereinigt werden dürfen, könnten Bakterien oder Salmonellen übertragen werden.

Können Wachstücher Schadstoffe enthalten?

Dr. Christophe Goldbeck vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster hat schon viele Wachstücher untersucht. Er weiß: "Es ist schon so, dass die Hälfte der bisher getesteten Bienenwachstücher Pestizide enthalten. Und zwar Coumaphos und Pyrethroide."

Das sind nerventoxische Substanzen. Und gerade bei den Pyrethroiden müsse man davon ausgehen, dass sie auch eine Langzeitwirkung haben könnten. Der Stoff könne das zentrale Nervensystem schädigen oder zu Herzinfarkten führen, so Goldbeck.

Wie kann man Wachstücher wieder reinigen?

Wachstücher dürfen nicht heiß, also auch nicht in der Spülmaschine oder Waschmaschine gereinigt werden. "Ich kann sie nur abwischen. Und das kann ein Risiko darstellen, wenn wir beispielsweise Sporen vorliegen haben", mahnt Dr. Christophe Goldbeck vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster.

Im WDR-Praxistest hatten sich nach einer Woche Gebrauch bei einem Tuch schon Krankheitserreger gebildet. Die Lebensmittel haben die Tücher aber wunderbar frisch gehalten.

Wie lange hält ein Wachstuch?

Man geht davon aus, dass ein Wachstuch ungefähr ein Jahr lang verwendet werden kann.

Wie entsorgt man Wachstücher?

Wachstücher können auf dem Komposthaufen entsorgt werden - wenn man denn einen hat. Wer in der Stadt wohnt, kann das Wachstuch in den Restmüll geben.

Kann man Wachstücher selber machen?

Ja, sogar recht einfach. Besorgen Sie sich zuerst Wachsplatten, etwa aus dem Drogeriemarkt, und erhitzen Sie diese im Wasserbad.

Legen Sie dann Backpapier unter das Stück Stoff, das Sie als Wachstuch verwenden möchten. Das können alte Schlafanzüge, Gardinen oder Tischdecken sein. Je dünner der Stoff, desto besser und gleichmäßiger das Ergebnis.

Verteilen Sie das erhitzte Wachs mit einem Pinsel flächendeckend auf dem Stoff. Legen Sie dann eine weitere Schicht Backpapier auf den Stoff legen bügeln Sie mit einem Bügeleisen mehrfach drüber. Danach nur noch den Stoff vom Backpapier lösen - fertig.

Wichtig: Man sollte darauf achten, Bienenwachs aus kontrolliertem Anbau zu verwenden und auf Jojobaöl zu verzichten. Das Keimproblem bleibt allerdings auch bei selbstgemachten Wachstüchern bestehen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

WDR macht den Labortest

Der WDR hat vier Produkte genauer unter die Lupe genommen - ein Bienenwachstuch, zwei Tücher aus Pflanzenwachs und eine Folie aus Graspapier. Im Labor konnten in zwei Produkten Spuren von Coumaphos nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse der Stichprobe
NamePreisRückständeJojobaöl
Wrappy von dm9,99 EURSpuren von Coumaphos enthalten
Bee Paper4,00 EURSpuren von Coumaphos nicht enthalten
Nuts18,90 EURPestizidfreienthalten
Kaiapuni, eco living15,90 EURPestizidfreikein Hinweis auf der Packung

Das sagen die Hersteller zum Labortest

zu den Rückständen:

Wrappy schreibt: "Das Pestizid wird in sehr begrenzten Dosen zum Schutz der Bienen vor der Verroa-Milbe, (…) eingesetzt."

Bee Paper: "Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass es für Bienenwachs keinen vorgegebenen Coumaphos-Rückstandhöchstgehalt gibt."

zu Jojobaöl:

Nuts schreibt uns, dass sie inzwischen auf Jojobaöl verzichten.

Fazit: Kein einziges Wachsprodukt in der Stichprobe war problemlos. Wachstücher scheinen als Alternative zur Plastikfolie noch nicht wirklich ausgereift.

Do It Yourself - Wachstuch statt Plastikdose

Aus Wachstüchern oder beschichter Baumwolle lassen sich in Heimarbeit übrigens auch Lunchbags für unterwegs herstellen.

Anleitung: Lunchbag aus Wachstuch

Lunchbags Selbermachen

Sie benötigen:
- Wachstuch oder beschichtete Baumwolle in zwei verschiedenen Farben
- passendes Nähgarn
- 10 cm Klettband
- Lineal oder Maßband
- Schere oder Rollschneider
- Klammern
- Doppelseitiges Klebeband
- Bleistift
- Masking Tape (Dekoklebeband aus Reispapier)

Sie benötigen:
- Wachstuch oder beschichtete Baumwolle in zwei verschiedenen Farben
- passendes Nähgarn
- 10 cm Klettband
- Lineal oder Maßband
- Schere oder Rollschneider
- Klammern
- Doppelseitiges Klebeband
- Bleistift
- Masking Tape (Dekoklebeband aus Reispapier)

Da beschichtete Stoffe von Stecknadeln beschädigt werden, benötigt man Klammern, um den Stoff fixieren zu können. Statt teurer Spezialklammern aus dem Nähbedarf, eignen sich auch Papierklammern aus dem Schreibwarenladen.

Zunächst werden zwei Stoffstücke in der Größe 60 x 20 cm zugeschnitten. An den kurzen Seiten des Außenstoffes werden nun die Klettbänder positioniert. Damit sie beim Nähen nicht verrutschen, sollten sie mit doppelseitigem Klebeband oder Textilkleber vorfixiert werden. Dabei wird die Klettseite mittig mit 4 cm und die Flauschseite mittig mit 2 cm Abstand zum Rand aufgeklebt.

Die Stichlänge der Nähmaschine etwas größer stellen, (hier auf 3.0) damit der Stoff nicht zu sehr perforiert wird ...

... und das Klettband aufnähen.

Nun beide Stoffe in den Bruch legen und an den langen Seiten zusammensteppen.

Jetzt wird der Boden des Beutels gearbeitet. Dazu zieht man die Naht seitlich auseinander, so dass ein Dreieck entsteht. Von der oberen Ecke aus jetzt 4 cm messen und eine Linie mit dem Bleistift senkrecht zur Naht ziehen. Steppen und das obere Dreieck abschneiden.

Genauso die drei anderen Ecken nähen. Zwei kleine Taschen sind nun entstanden, von denen eine gewendet werden muss ...

... damit sie rechts auf rechts ineinander gesteckt werden können. Jetzt sehr genau darauf achten, dass die Nähte aufeinander treffen (dabei die Nahtzugaben einmal rechts und einmal links falten, damit es nicht zu dick wird) ...

... und mit der Freiarmfunktion der Nähmaschine zusammen steppen. Dabei unbedingt eine Wendeöffnung von 10 cm lassen.

Durch diese Öffnung jetzt alles wenden ...

... und die Innentasche wieder in die Außentasche stecken. Zu guter Letzt muß der obere Rand jetzt noch einmal knappkantig abgesteppt werden und dabei wird automatisch die Wendeöffnung geschlossen.

Bei diesem Schritt wird zum ersten Mal auf dem beschichteten Außenstoff genäht. Mit einem normalen Nähfüßchen ist das sehr schwierig, denn der Stoff "klebt" regelrecht am Fuß der Maschine. Um das zu verhindern gibt es im Fachhandel sogenannte "Antihaftfüßchen" oder "Teflonfüßchen". Wesentlich günstiger und genauso effektiv ist es, wenn man den Nähfuß und die Stichplatte der Nähmaschine mit Maskingtape beklebt. So rutscht der beschichtete Stoff ganz leicht!

Jetzt nur noch die Frühstücksbrote schmieren und sich über das fertige Ergebnis freuen!

Stand: 22.04.2020, 15:50