Gartenarbeit: Ohne Chemie gegen Unkraut

Gartenarbeit: Ohne Chemie gegen Unkraut

Von Anja Koenzen

  • Unkraut kann man auch ohne Chemie loswerden
  • Tipps für die Gartenarbeit: Jäten, hacken oder essen
  • Unkraut richtig erkennen

Chemische Unkrautvernichter enthalten häufig Glyphosat. Das umstrittene Mittel steht unter Verdacht, krebserregend und umweltschädlich zu sein. Es dringt über die Blattmasse in die Pflanze ein, wird dort bis zu den Wurzeln weiter transportiert und bringt so die komplette Pflanze zum Absterben. Aber es gibt Alternativen - ganz ohne Chemie.

Ist das jetzt Unkraut?

WDR 4 Drinnen und Draußen 27.04.2019 02:19 Min. WDR 4

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Tipp 1: Unkraut jäten

Die umweltfreundlichste Methode der Unkrautbekämpfung ist das Jäten, also das manuelle Entfernen der ungeliebten Pflanzen. Das ist anstrengend aber höchst effektiv. Vor allem bei den Wurzelunkräutern: Unkräuter mit langen, tief in den Boden reichenden Wurzeln wie Löwenzahn müssen sorgfältig ausgestochen werden, so dass die komplette Pflanze entfernt wird.

Bei hartnäckigen Unkräutern wie Giersch, Ackerschachtelhalm und Quecke ist das komplette Entfernen ausgesprochen schwierig. Wer sie manuell aus dem Beet entfernen möchte, sollte die Erde komplett sieben. Denn jedes einzelne noch so kleine Wurzelstück wird wieder austreiben und sich kräftig vermehren.

Tipp 2: Unkraut hacken

Rückenschonend lassen sich mit Hilfe einer Metallklinge an einem langen Stiel Unkräuter schnell und einfach aus Beeten und Rabatten entfernen. Dabei werden die Wurzeln der Unkräuter von dem Metallblatt knapp unter der Erdoberfläche abgeschnitten. Die beste Zeit zu hacken ist unmittelbar nach einem leichten Regen. Regelmäßiges Hacken hält den Boden locker und unkrautfrei.

Vorsicht: Lassen Sie eine Hacke nie am Boden liegen, besonders nicht mit der Klinge nach oben. Sie könnten darauf treten und sich durch den hochschnellenden Stiel verletzen. Die Hacke immer aufrecht stellen, wenn Sie im Garten arbeiten. Nach getaner Arbeit das Gerät säubern und aufhängen.

Tipp 3: Mulchen hemmt Unkrautwachstum

Mulchen Sie den Boden mit einer mindestens 5cm, besser noch 10 cm dicken Schicht aus Kompost, Grasschnitt oder Rindenmulch. Das hält ihn feucht, hemmt Unkrautwachstum und macht Hacken überflüssig.

Man mulcht besser nur ein Drittel des Gartens gründlich anstatt den ganzen Garten mit einer zu dünnen Schicht zu versorgen. Die Wahl des Mulchmaterials wirkt sich auf den PH-Wert des Bodens aus: Pinienrinde z.B. senkt den PH-Wert leicht (wirkt also sauer), während Pilzkompost ihn leicht erhöht.

Tipp 4: Unkraut vorbeugen durch dichtes Pflanzen

Je mehr offene Erde vorhanden ist, desto leichter können sich unerwünschte Pflanzen ausbreiten. Daher ist eine Methode der Unkraut-Vorbeugung, möglichst dicht zu pflanzen, um möglichst wenig offen liegende Erde im Beet zu haben.

Tipp 5: Unkraut aufessen

Eine gute Alternative bei vielen sogenannten Unkräutern wie Giersch oder Vogelmiere ist auch: Aufessen! Gierschblätter sind Vitaminbomben und gerade die jetzt austreibenden jungen Blätter schmecken gar nicht so schlecht (ein wenig nach Möhre). Einige Spitzenköche kaufen kistenweise diese Wildkräuter. Mit diesem Wissen kann man doch entspannt in den Garten gehen und seine eigenen Wildkräuter mit anderen Augen betrachten.

Unkraut entfernen – ohne dass die Umwelt leidet

Unkraut kann man mit Kratzer oder Flammenwerfer zu Leibe rücken. Alles besser als die chemischen Keulen. Ein Überblick.

Der Fugenkratzer (Alternative: der Fugenbesen) ist ein Klassiker unter den Methoden zur Unkrautentfernung. Das kleine Werkzeug ist preiswert und effektiv. Wichtig ist, dass man beim Kratzen das Unkraut mit der Wurzel erwischt, damit man möglichst lange Ruhe hat. Ein Nachteil: Das Fugenkratzen auf größeren Flächen geht schnell ins Kreuz und in die Arme - erst recht, wenn man dabei auf Knien unterwegs ist.

Fugenreiniger gibt es auch mit Elektromotor: In der Regel putzt dann eine rotierende Bürsten-Scheibe die Fugen sauber. Dafür braucht man natürlich einen Stromanschluss - und muss die Anschaffungskosten für so ein Gerät einkalkulieren. Eine weitere, ziemlich effektive Möglichkeit ist der Hochdruckreiniger. Allerdings besteht die Gefahr, dass nicht nur das Unkraut, sondern auch die Fugenfüllung entfernt wird - und sich dadurch das Pflaster lockert. Leergeputzte Fugen sollte man auffüllen - auch, damit das Unkraut nicht so schnell wiederkommt.

Ein echtes Hausmittel gegen lästiges Grünzeug: heißes Wasser - aber bitte ohne Salz oder Essig. Denn die sind, wie chemische Unkrautvernichter und Reinigungsmittel auch, aus Umweltschutzgründen auf versiegelten Flächen verboten. Es reicht außerdem schon völlig aus, die Pflanzen auf 50 Grad zu erhitzen: Das zerstört ihre Zellen und lässt das Unkraut - zumindest an der Oberfläche - in sich zusammenfallen, so dass man es nur noch entfernen muss.

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Man kann Unkraut auch einfach abfackeln. Zum Beispiel mit einem Aufsatz für die Propangas-Flasche vom Gasgrill, der relativ preisgünstig zu haben ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Pflasterfugen bei dieser Art der Unkraut-Entfernung nicht beschädigt werden. Allerdings sollte man unbedingt Sicherheitsvorkehrungen treffen, um keine Feuersbrunst in Gang zu setzen. Zum Beispiel umherfliegendes Laub und trockene Äste vorher einsammeln und immer einen Wassereimer oder Gartenschlauch parat halten. Es gibt auch Unkraut-Brenner, die mit heißem Luftstrahl beziehungsweise Infrarot-Licht funktionieren. All diese Geräte kann man häufig auch ausleihen.

Bleibt noch die Frage: Wie oft muss der Gärtner ran? Wie oft man dem Grünzeug zu Leibe rücken sollte, hängt vor allem davon ab, wie viel es regnet. Es gibt die Faustregel, dass man einmal pro 100 Milliliter Regen Unkraut entfernen sollte. Wer gerade keine Zeit zum Kratzen, Auszupfen oder Abflammen hat, sollte zumindest die Blüten der Pflanzen entfernen, damit die sich nicht so einfach ausbreiten können. Auch regelmäßiges Kehren hilft, weil sich umherfliegende Samen dann nicht so schnell festsetzen.

Wer in seinem Garten Pflaster oder Bodenplatten neu verlegt, kann gleich von Anfang an etwas gegen unerwünschten Bewuchs unternehmen: Ein Unkrautvlies oder eine Folie müssen nicht teuer sein und können, unter den Steinen verlegt, eine wirksame Barriere sein. Ähnliches gilt für Fugenmörtel auf Kunstharz-Basis, der allerdings nicht ganz billig ist. Dafür ist das Material sehr stabil - und gleichzeitig so elastisch, dass es auch bei Frost keine Risse bildet, durch die sich das Unkraut hindurchmogeln könnte. Kunstharz-Mörtel hält außerdem dem Hochdruckreiniger locker Stand.

Stand: 26.04.2019, 14:12